Freiburger Regierungssitz: Zweiter Wahlgang nötig

Nur wenige Stimmen liegen zwischen Jean-Pierre Siggen von der CVP und Jean-François Steiert von der SP. Es kommt zu einem zweiten Wahlgang.

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Das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen

1:42 min, vom 22.9.2013

Kein Gewinner bei der Ersatzwahl im Kanton Freiburg: Keiner der Kandidaten erreichte das absolute Mehr. Jean-Pierre Siggen von der CVP kann jedoch leicht mehr Stimmen verbuchen als sein Herausforderer von der SP, Jean-François Steiert. Doch der Vorsprung ist klein, nur knapp 500 Stimmen. Für das absolute Mehr wären über 50 Prozent der Stimmen nötig gewesen. Der zweite Wahlgang wird am 13. Oktober stattfinden.

Die Bürgerlichen haben im Kanton Freiburg ein Wählerpotential von rund 70 Prozent. Jean-Pierre Siggen von der CVP kommt bei der Wahl vom Sonntag auf weniger als 50 Prozent. Offenbar haben die Bürgerlichen nicht geschlossen den CVP-Mann Siggen gewählt.

Jean-Pierre Siggen sieht das anders: «Das bürgerliche Bündnis hat gehalten.» Nun will er die nächsten drei Wochen nützen, seinen Bekanntheitsgrad weiter zu steigern, sagte er zu Radio SRF.

Auch Jean-François Steiert erreichte das absolute Mehr nicht. Er holte 45 Prozent der Stimmen. «Ich bin sehr zufrieden.» Er habe auch Stimmen aus dem bürgerlichen Lager erhalten. «Viele Bürgerliche sind zufrieden mit meiner Arbeit und haben mich gewählt.»

«Es war das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen,» sagte SRF-Korrespondent Rolf Dietrich. Für Jean-François Steiert sei dies ein gutes Ergebnis, so Dietrich weiter. Normalerweise sei das Wählerpotential bei den Linken im Kanton Freiburg bei etwa einem Drittel. Mit den 45 Prozent Stimmenanteil, die Steiert jetzt erreicht habe, könne er sicher zuversichtlich in den zweiten Wahlgang gehen.

Linke können gut mobilisieren

«Steiert ist ein Kandidat, der bis weit in die Mitte mobilisieren kann», erklärt Dietrich den Erfolg des SP-Kandidaten. Aber auch weil der Gegenkandidat Jean-Pierre Siggen in der CVP relativ weit rechts stehe, habe Steiert ein gewisses Vakuum in der Mitte bedienen können.

Im zweiten Wahlgang werde entscheidend sein, wer besser mobilisieren könne, blickt der SRF-Korrespondent voraus. «Die Erfahrung aus zweiten Wahlgängen im Kanton Freiburg zeigen, dass die Linken meist gut mobilisieren können, wenn sie wissen, dass es für sie um etwas geht.» Bei den Bürgerlichen sei es jeweils schwieriger. Die CVP müsse nun auch die SVP- und FDP-Wähler ansprechen können. Kein einfaches Unterfangen, da keine Eidgenössische Urnengänge mehr anstünden.

Den beiden Kandidaten macht Alfons Gratwohl einen Strich durch die Rechnung. Der Parteilose holt über 8 Prozent der Stimmen und damit mehr als erwartet. Über 6000 Stimmen gingen auf sein Konto. «Ich bin trotzdem enttäuscht. Ich hätte mehr erwartet», sagte Gratwohl zu Radio SRF.

Heute setzt sich die Freiburger Kantonsregierung aus drei CVP-Vertretern, zwei SP-Vertretern, einem FDP-Mitglied und einer Grünen zusammen. Verliert die CVP einen Sitz an die SP, stünde eine rot-grün dominierte Regierung einem bürgerlich dominierten Parlament gegenüber.

Die Ersatzwahl wurde nötig, weil Erziehungsdirektorin Isabelle Chassot am 1. November als Direktorin ins Bundesamt für Kultur wechselt.

Kandidaten für die Staatsratswahlen in Freiburg

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