Das erste SEF wäre fast das letzte gewesen

Nach 16 Jahren baut das Swiss Economic Forum seine Spitze um. 16 Jahre voller namhafter Besucher und Netzwerk-Anlässe. Aber auch 16 Jahre mit Programmchaos, Fast-Ruin und Schlaflosigkeit. Die beiden Noch-CEOs Stefan Linder und Peter Stähli erlauben SRF News einen Einblick hinter die Kulissen.

Peter Stähli und Stefan Linder

Bildlegende: Gestartet als Zwei-Mann-Start-up: Peter Stähli (links) und Stefan Linder haben das SEF 1999 ins Leben gerufen. SRF

Künftig geht es um Strategie und um Netzwerk-Pflege. Es ist das letzte Mal, dass die Gründer des Swiss Economic Forums, Stefan Linder und Peter Stähli, dem Event als Co-CEOs vorstehen. Ab Juli übernimmt Dominik Isler die Geschäftsführung.

Dominik Isler bekommt eine SEF-Statue von Peter Stähli und Stefan Linder.

Bildlegende: «Ich tue wahrscheinlich gut daran, vieles gleich zu machen». Ab Juli trägt Dominik Isler (links) den Titel CEO SEF. SRF

«Es sind grosse Schuhe, in die man hineinsteigt», sagt der «Neue» im Interview mit SRF News. Noch-CEO Stefan Linder formuliert denn auch klar, was es für diesen Posten braucht: «Hartnäckigkeit. Hohe Ziele setzen. Dranbleiben.»

In den vergangenen 16 Jahren haben die beiden Gründer jedenfalls reichlich Erfahrung gesammelt. Anlässlich der Stabsübergabe fassen sie Freud und Leid hinter den Kulissen zusammen.

SRF News: Auf welchen Fang sind Sie bis heute besonders stolz?

Peter Stähli: Für mich ist es «Richie» Branson. Wir haben ihn sieben Jahre lang gejagt in verschiedenen Varianten. Wir waren in London, am Hauptsitz, in den USA. Es ist ein spezieller Moment, wenn es dann endlich so weit ist.

Stefan Linder: Al Gore ist für mich sehr eindrücklich gewesen. Es war sein erster Auftritt nach der Niederlage als Präsidentschaftskandidat. Unter anderem hat er sich zu Abu Ghraib geäussert, das 2004 gerade aktuell war. Und Kofi Annan. Eine sehr eindrückliche Persönlichkeit.

Wem rennen Sie bis heute vergeblich hinterher?

Peter Stähli: Aktiven Regierungschefs. An diesen Bereich sind wir noch nicht herangekommen.

Stefan Linder: Aber wir hatten ja Viktor Yuschenko.

Peter Stähli: Ja, das stimmt. Aber ich denke an die G8-Regierungschefs. Mit ihnen ist schwierig zu planen. Es muss nur irgendwo auf der Welt ein Meeting angesetzt werden, und schon springen sie wieder ab.

Welcher war der grösste Ärger im Team?

Peter Stähli: Das war Viktor Yuschenko 2006, der damalige ukrainische Präsident. Er hatte im Programm 15 Minuten Sprechzeit und hat 45 Minuten geredet.

Stefan Linder: Auf Russisch.

Peter Stähli: Das gab Probleme im Ablauf. Wir wussten auch nicht, wie wir damit umgehen sollten. Darf man einen Staatspräsidenten auf der Bühne unterbrechen? Das war für uns sehr ärgerlich, und auch das Publikum hat es auch nicht goutiert. Zudem konnte der Referent nach ihm nicht auftreten.

Was haben Sie daraus gelernt?

Peter Stähli: Wir fordern heute die Skripte ein und können die Länge so viel besser beurteilen.

Was war die grösste Uneinigkeit zwischen Ihnen beiden?

Peter Stähli: Die Kindererziehung (beide lachen, dann denken sie nach). Stefan hat mich mal von etwas überzeugt, das ich schwierig fand. Skirennfahrer Silvano Beltrametti, er hatte ja diesen Unfall. Wir haben ein Video produziert, von dem ich fand, das können wir nicht zeigen. Es ist zu brutal, ihn bei voller Kraft trainieren zu sehen und dann den Unfall.

Am Ende aber war es im Saal ein Moment, der jedem geblieben ist. Als Silvano Beltrametti auf die Bühne gekommen ist, bekam er erst einmal 3 Minuten lang Standing Ovations.

Welche war die heikelste Phase für das Unternehmen?

Stefan Linder: Das erste SEF. Da hatten wir ein Defizit.

Peter Stähli: Und davor, also 1999, gab es eine grosse Überschwemmung in Thun (Anmerkung der Redaktion: In den ersten Jahren fand das SEF in Thun statt). Zwei Wochen vor dem Anlass selbst stand die Location unter Wasser. Zusammen mit den Behörden konnten wir es instand stellen und doch planmässig durchführen.

Aber danach waren wir sehr aufgebraucht. In den ersten 4 Jahren waren wir sowieso nie im Bett, bevor wir eröffnet haben.

Stefan Linder: Ja. Duschen, umziehen und eröffnen.

War das erste Jahr das ruinöseste?

Stefan Linder: Ja, wir hatten ein Defizit von 50'000 Franken.

Was haben Sie falsch eingeschätzt?

Stefan Linder: Wir haben am Anfang viele Fehler gemacht. Der logistische Aufwand etwa war enorm. Wir haben die Gäste auf die Kleine Scheidegg gebracht zur Award-Verleihung. Dort haben wir eine Infrastruktur aufgebaut und ein Nachtessen auf dem Jungfraujoch durchgeführt. Und dann haben wir alle wieder nach Thun ins Hotel gefahren.

Wie viele Gäste waren es?

Stefan Linder: 460. Und dann hatten wir ein Defizit, von dem wir nicht wussten, wie wir das überleben sollen. Wir haben dann eine Gönnervereinigung gegründet; also 100 Gönner à 500 Franken gesucht und gesagt: Sie werden immer einen gesicherten Platz haben, können in der Nähe parkieren, dürfen einen Easy Check-in machen.

Wir haben sie zusammengebracht und konnten die 50'000 Franken abtragen. Das hat uns schlussendlich gerettet. Es gibt sie übrigens immer noch.

Welches war das am sinnlosesten ausgegebene Geld?

Peter Stähli: Naja, sinnlos war es eigentlich nicht, aber es hat eben nicht funktioniert. Wir hatten mal diese Access-Uhr.

Stefan Linder: Wir haben alle Teilnehmer-Namen auf eine Uhr programmiert und ihnen als Badge nach Hause geschickt. Sie sollten dann an einem Terminal vorbeilaufen, und dann hätte es geheissen: Guten Tag Herr Soundso. Nur hat es dann überall den gleichen Namen gezeigt.

Welchen?

Peter Stähli: Jenen von Eugen Haltiner von der UBS. Wir haben dann den Bildschirm weggedreht

Stefan Linder: Wir haben einfach freundlich genickt und gesagt: Willkommen! (Beide lachen).

Das Interview führte Manuela Siegert.