Genf und Waadt: gute Chancen für linke Ständeratskandidaten

Im zweiten Wahlgang für die Genfer und Waadtländer Vertretung im Ständerat wollen die SP und die Grünen am nächsten Sonntag ihre Sitze verteidigen. Ihre Chancen stehen gut – denn die Rechten sind zerstritten und konnten sich nicht auf eine gemeinsame Kampagne einigen.

Benoît Genecand und Yves Nidegger bei einer TV-Debatte.

Bildlegende: Sind sich nicht einig: Genfer Ständeratskandidaten Benoît Genecand (FDP, links) und Yves Nidegger (SVP). Keystone

In den Nationalratswahlen mussten die Grünen und die SP Federn lassen. Anders präsentiert sich die Situation beim zweiten Ständeratswahlgang in den Kantonen Waadt und Genf am kommenden Sonntag: Die beiden linken Parteien werden ihre je zwei Sitze wohl halten.

Robert Cramer und Liliane Maury Pasquier.

Bildlegende: Robert Cramer (Grüne) und Liliane Maury Pasquier (SP) können dem Wahltag in Genf entspannt entgegenblicken. Keystone

Denn ihre bürgerlichen Herausforderer haben sich nicht zu einer gemeinsamen Kampagne durchringen können – sehr zum Missfallen von Blaise Matthey, Direktor des Arbeitgeberverbandes in der Romandie. Natürlich gebe es bei den Bürgerlichen Differenzen. «Aber die gibt es bei den Linken auch, und trotzdem treten sie geschlossen an.» Die Rechten seien einfach nicht erwachsen genug, um gemeinsam zu kämpfen, sagt Matthey.

Einer der kritisierten Kandidaten ist Benoît Genecand, der für die Genfer FDP in den Ständerat will. Er übt sich in Schadensbegrenzung. Er behaupte nicht, dass sich der Alleingang auszahlen werde, sagt Genecand. «Aber jetzt soll man bitte den Wahltag abwarten.»

SVP-Kandidat Yves Nidegger hingegen reibt Salz in die Wunde. «Leider verlieren die anderen Parteien lieber Wahlen, als sich zu verbünden.»

Die Unterschiede zwischen der SVP und der FDP seien in der Romandie grösser als in der Deutschschweiz, erklärt der Genfer Politologe Pascal Sciarini. «Die inhaltlichen Differenzen zwischen der isolationistischen, autoritären Rechten und der liberalen, progressiven Rechten erschweren die Zusammenarbeit.»

Blaise Matthey, Direktor des Arbeitgeberverbandes in der Romandie

Bildlegende: Arbeitgebervertreter Blaise Matthey: «Die Rechten sind nicht erwachsen genug, um gemeinsam zu kämpfen.» Keystone

In den letzten Monaten vertiefte sich dieser Graben. Seit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative der SVP grenzt sich die FDP in der Romandie bei jeder Gelegenheit von dieser ab. «Diese Strategie zahlte sich für die FDP bei den Nationalratswahlen aus», bilanziert Sciarini. In der Romandie legte die FDP deutlich zu.

Weil aber die SVP darauf beharrt, dass sie national die stärkste Partei sei und sie deshalb den Ton angeben dürfe, bleibt die Rechte in der Westschweiz gespalten – auch wenn alle wissen, dass davon am Wahltag die linken Parteien profitieren.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • SVP Waadt nominiert Parmelin

    Aus Tagesschau vom 30.10.2015

    SVP-Nationalrat Guy Parmelin ist von der SVP Waadt offiziell als Bundesrats-Kandidat nominiert worden, wie er heute an einer Pressekonferenz mitgeteilt hat. Der 56-jährige Parmelin ist Landwirt und Weinbauer und war bis 2004 Präsident der SVP Waadt.

  • SVP und FDP als Konkurrenten

    Aus Tagesschau vom 21.10.2015

    Während sich im Nationalrat Bürgerliche und Rechte nach den eidgenössischen Wahlen über das gemeinsame Erstarken freuen, stehen sich im zweiten Wahlgang der Ständeratswahl FDP und SVP vielerorts als Konkurrenten gegenüber.

  • Jüngste Nationalrätin

    Aus Schweiz aktuell vom 21.10.2015

    Lisa Mazzone aus Genf ist die jüngste Bundesparlamentarierin. Die 27-Jährige hat am Sonntag für die Grünen den Einzug in den Nationalrat geschafft. Die engagierte Kantonsrätin und Präsidentin der kantonalen Partei will sich in Bern mit Vehemenz für die Energiewende einsetzen.

  • Von links nach rechts: Christoph Darbellay, Christan Levrat, Regula Rytz, Philipp Müller und Toni Brunner.

    Wie verstehen die Parteispitzen ihren Auftrag nach den Wahlen?

    Aus Rendez-vous vom 19.10.2015

    Gäste von Susanne Brunner sind am Tag nach den Wahlen eine Parteipräsidentin und vier Parteipräsidenten: Toni Brunner von der SVP, Christian Levrat, SP, Philipp Müller, FDP, Christophe Darbellay, CVP und Regula Rytz von den Grünen.

    Susanne Brunner