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politbox on tour – Bad Bonn Bereits mit 16 Jahren an die Wahlurne?

Sollen Jugendliche mit 16 Jahren bereits an der Urne abstimmen und wählen können? Darüber wird in der Schweiz immer wieder hitzig diskutiert. Vorreiter ist der Kanton Glarus, der das Stimm- und Wahlrecht für Minderjährige seit acht Jahren eingeführt hat. Doch wird es auch wirklich genutzt?

Legende: Video Soll das Stimmrechtsalter auf 16 Jahre gesenkt werden? abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Politbox vom 03.06.2015.

Es regnete in Strömen, als sich die Glarner Jugendlichen im Mai 2007 ihr politisches Mitspracherecht erkämpften. Damit übernahm der Innerschweizer Kanton eine nationale Vorreiterrolle: Als erster Kanton überhaupt, stimmte die Glarner Bevölkerung für die Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre.

16 Jahre und Aargauer

Nach der Premiere in Glarus wurde die Senkung des Stimmrechtsalters auch in anderen Kantonen auf der politischen Agenda traktandiert. So diskutierten Jungpolitiker in den Kantonen Aargau und Luzern über die politische Partizipation von Jugendlichen – beiderorts allerdings vergeblich.

Grafik mit dem offiziellen Stimmrechtsalter pro Land weltweit.
Legende: Wie reagieren andere Länder? Die Grafik zeigt, mit welchem Alter man wählen und abstimmen darf. Habarithor – CC 3.0 , Link öffnet in einem neuen Fenster

Und auch im Kanton Bern wurde über dieses Politikum diskutiert, im November 2009 kam es sogar zu einer Volksabstimmung. Doch auch hier: Mit 75% wurde das Anliegen der Initianten haushoch verworfen.

Jüngst haben Jungpolitiker im Kanton Freiburg einen neuen Anlauf gewagt. Anfang Jahr überreichten sie dem Staatsrat und Grossrat eine Volksmotion, in welcher sie sich für ein jüngeres Stimm- und Wahlrecht einsetzen.

Anfragen auf Bundesebene

Sogar der Bundesrat musste sich bereits mit der Frage der Senkung des Stimmrechtsalters auseinandersetzen. Im vergangenen Sommer wurde eine entsprechende Anfrage, Link öffnet in einem neuen Fenster des Walliser SP-Nationalrates Mathias Reynard vom Bundesrat gutgeheissen, einen entsprechenden Bericht zu dieser politischen Frage zu verfassen.

Soll das Stimmrechtsalter gesenkt werden?

Was halten Sie von der Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre? Diese Frage haben wir die User von politbox, der SRG-Quiz-App zu den nationalen Wahlen, gefragt. Das Resultat war ziemlich deutlich: Mehr als 67% der teilnehmenden Personen (Total: 2200 Personen) sprachen sich gegen eine Senkung des Stimmrechtsalters aus. Und sogar die jüngste Altersgruppe der Teilnehmer (16-25-Jährige) sagte mit 51% Nein zu einem Stimmrechtsalter 16. Die Nein-Tendenz nimmt bei den politbox-Usern mit Zunahme des Alters zu.

Doch wird das Recht wirklich genutzt?

Zurück in den Kanton Glarus: Bisher gibt es keine wissenschaftliche Auswertung, ob die Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre auch wirklich zu einer Erhöhung der politischen Mitsprache von Jugendlichen geführt hat. Dies hänge vor allem damit zusammen, dass bei der Landsgemeinde nur sehr schwer eruiert werden kann, wer sich tatsächlich an Wahlen und Abstimmungen beteiligt, erklärt der Glarner Ratsschreiber Hansjürg Dürst auf Nachfrage von politbox.

Nichtsdestotrotz ist dem Staatsschreiber aufgefallen, «dass sich der Stimmkörper verjüngt habe». Laut seinen persönlichen Beobachtungen haben in den vergangenen Jahren immer mehr jüngere Redner zwischen 18 und 25 Jahren das Wort ergriffen, um sich an die Landsgemeinde zu wenden.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Koller, Basel
    Es ist ein Fakt, dass wir Schweizer in vielen Bereichen hinterherhinken. Klar wird das Wahlrecht ab 16 kommen, absolut überfällig. Logisch auch, dass rechtskonservative Kreise sich dagegen wehren. Dann aber auch kein Wahlrecht mehr ab 80, Demenz verfälscht die Wahlen
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  • Kommentar von Andreas Dante, Basel
    Als ich jung war, glaubte ich noch naiverweise, dass der Sinn des Lebens darin besteht, einen Beitrag zu Kultur, Wissenschaft und Politik zu leisten und wenn möglich anderen Lebenwesen so gut zu helfen, wie man kann. Seit ich ein Häuschen samt Garten, Hund und Ehefrau besitze, wurde mir klar, wie der Hase läuft. Der Sinn des Lebens ist Wohlstandswahrung, so wie ich nicht will, dass andere meinen Garten betreten. Darum sollte man erst wählen, wenn man konservativ geworden ist. ;)
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    1. Antwort von Hans Koller, Basel
      Es soll Menschen geben die auch später noch einen Horizont haben, die über den eigenen Gartenzaun hinweg reicht.
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  • Kommentar von L.Boos, Basel
    Als 21jähriger habe ich noch immer Mühe, mich in den vielen Informationen zurecht zu finden und fange erst langsam damit an, mir eine eigene Weltvorstellung und eigene Meinungen zu bilden. Mit 16,18 hatte ich noch keine wirkliche eigene Meinung, bloss Ansichten, die von aussen vertreten wurden, besass noch keine Reife. Ein klaren Nein von meiner Seite.
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