Kampf innerhalb der Blöcke zeichnet sich ab

Die Waadt hat 18 Nationalratssitze – 10 sind in bürgerlicher und 8 in linker Hand. Zwischen links und rechts wird es bei den Wahlen am 18. Oktober kaum zu grossen Verschiebungen kommen. Innerhalb der Blöcke hingegen dürfte es interessant werden

Verteilung der Waadtländer Nationalratssitze 2011

Von den 18 Waadtländer Mitgliedern des Nationalrats treten drei nicht mehr an: André Bugnon und Pierre-François Veillon von der SVP und Eric Voruz von der SP. Diese beiden Parteien werden den Wahlkampf um die drei frei werdenden Sitze wohl unter sich ausmachen. Die Sozialdemokraten hatten vor vier Jahren der extremen Linken und den Grünen je ein Mandat abgenommen, die Grünliberalen einen Sitz auf Kosten der SVP geholt.

Die SP will den Status quo mit ihren 6 Sitzen mindestens halten. Die fünf Bisherigen führen die Liste an: Cesla Amarelle (Präsidentin Staatspolitische Kommission SPK), Ada Marra, Roger Nordmann, Rebecca Ruiz und Jean-Christoph Schwab. Dazu finden sich unter den insgesamt 18 Kandidaten prominente Namen wie jener von SP-Fraktionschef Nicolas Rochat Fernandes und dem früheren Waadtländer SP-Generalsekretär Arnaud Bouverat.

Die SVP steigt mit der kantonalen Parteipräsidentin Fabiene Despot und Michaël Buffat, Fraktionschef im Kantonsrat, ins Rennen. Mit der Kandidatur einer Chemikerin und eines Jungbankers gibt sich die SVP Waadt einen urbanen Anstrich, weit weg vom bäuerlichen Hintergrund der amtierenden Nationalräte Parmelin, Grin, Bugnon und Veillon. Ebenfalls nominiert wurde der Vizepräsident der SVP Schweiz, Claude-Alain Voiblet, sowie die 2011 abgewählte Nationalrätin Alice Glauser

Die FDP/Die Liberalen hat Ambitionen auf einen fünften Sitz. Sie schicken die Bisherigen ins Rennen, neben Olivier Français, der auch für den Ständerat kandidiert, sind das Isabelle Moret, Vizepräsidentin der FDP Schweiz, Olivier Feller, Direktor des Waadtländer Hauseigentümerverbands und der frühere Journalist Fahti Derder. Die besten Chancen können sich Frédéric Borloz, Stadtpräsident von Aigle, und der frühere Judoka Serguei Aschwanden ausrechnen.

Die CVP Waadt hatte sich für die Nationalratswahlen eigentlich verjüngen wollen. Was beim 83-jährigen Jacques Neirynck aber schlecht ankam. Der ETH-Professor peilt eine vierte Legislatur an und kandidiert sowohl für den National- wie für den Ständerat – allerdings nicht als Spitzenkandidat. Neirynck muss sich hinter Claude Beglé, ehemaliger Post-Direktor und heutiger Cleantech-Spezialist, einreihen.

Bei den Grünen führt Ständerat Luc Recordon auch die Nationalratsliste an. Es folgen Adèle Thorens und Christian van Singer. Gleich hinter den Bisherigen plazierte sich Daniel Brélaz, exzenrischer Stadtpräsident von Lausanne, der stets eine Krawatte mit Katzenmotiven umgebunden hat. Brélaz lässt sich zum Verdruss der Jungen mit 65 ein drittes Mal für die Nationalratswahlen aufstellen.

Die Grünliberalen präsentieren 17 Kandidaten, mit dem erklärten Ziel den Sitz der amtierenden Nationalrätin Isabelle Chevalley zu halten. 2011 holten sie 5,1 Prozent der Stimmen, für 2015 peilen sie 7 Prozent an.

Zur Spielverderberin könnte die BDP werden. Die jüngste Partei im Kanton Waadt tritt mit 18 Kandidatinnen und Kandidaten an, darunter die über den Kanton hinaus populäre Christine Bussat, Gründerin und Leitfigur der Marche-Blanche gegen Pädophile.

Auch Kleinparteien und Bewegungen mischen mit: So schickt zum Beispiel die Waadtländer Piratenpartei acht Personen ins Rennen um die Genfer Nationalratssitze, auf der Ecopop-Liste stehen elf Namen. Insgesamt bewerben sich 327 Kandidatinnen und Kandidaten auf 23 Listen für die grosse Kammer.

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vd Parteistärken im Kanton Waadt bei den Nationalratswahlen seit 1991 Die GLP trat 2011 im Kanton Waadt zum ersten Mal an und kam auf 5,1 Prozent.