Martin Bäumle – zwischen Höhenflügen und Krisen

Müsste man Martin Bäumle, Chef der Grünliberalen, mit einem einzigen Wort beschreiben, es wäre: zielstrebig. Gemäss Duden «unbeirrt seinem Ziel zustrebend». Das passt. Nicoletta Cimmino hat Martin Bäumle getroffen.

Zielstrebig gründete Martin Bäumle 2004 in Zürich die Grünliberale Partei, nachdem nicht er, sondern sein Parteikollege Balthasar Glättli zum Präsidenten der Zürcher Grünen gewählt worden war. 2007 kam dann die Gründung der nationalen Partei. Schon 4 Jahre später, bei den nationalen Wahlen 2011, hatte die junge Partei 12 Sitze im Nationalrat und 2 Ständeräte.

Einen Tag nach diesem grossen Wahlerfolg sagte ein glücklicher Martin Bäumle: «Ich fasse erst heute richtig, welchen Erfolg wir gestern feiern konnten Aber ich weiss auch: Es ist eine Herausforderung, mit einer grossen Fraktion die Arbeit aufzunehmen. Das sind gute, erfahrene Leute. Aber in Bern müssen sie sicher noch einiges lernen.»

Noch einiges lernen musste auch er, der Chef. Bäumle, das Alphatier, der zielstrebige Einzelkämpfer, lernte in Bern Teamwork. Und dieses Team hatte zu Beginn der letzten Legislatur Rückenwind – die weltpolitische Lage kam den Grünliberalen entgegen.

Die Schrecken der Atomkatastrophe von Fukushima durchdrangen das politische Tagesgeschäft. Das Schlagwort «Nachhaltigkeit», das sich die Grünliberalen ins Parteiprogramm geschrieben hatten, war in aller Munde.

Nur, diese Nachhaltigkeit liess Bäumle im Umgang mit seinen persönlichen Ressourcen vermissen. Er gönnte sich kaum Pausen, war immer 150 Prozent im Einsatz für die Partei. Während er Frühlingssession 2014 der Schock – Bäumle erlitt einen Herzinfarkt.

Schiffbruch mit der ersten Initiative

Politisch lag Bäumle, der schon seit jeher die politischen Möglichkeiten seiner Partei in Excel-Tabellen berechnet, meist richtig. Im Frühjahr aber verrechnete er sich kräftig mit der ersten Volksinitiative der Grünliberalen überhaupt: für eine Energie- statt der Mehrwertsteuer. Die Idee wurde mit 92 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

Doch das nächste Ziel hat Martin Bäumle schon im Blickfeld. Mit den Grünliberalen will er bei den National- und Ständeratswahlen im Herbst 7 Prozent Wählerstimmen erreichen. Der Zielstrebige – darauf kann man wetten – hat die entsprechende Excel-Tabelle schon gemacht.

Kurzporträt

Martin Bäumle (*1964), Chemiker, Atmosphärenwissenschafter, Finanzvorsteher von Dübendorf. Begann seine politische Karriere bei den Grünen. 1998 bis 2004 Präsident der Grünen des Kantons Zürich (ab 2002 Co-Präsident). 2003 für die Grünen in den Nationalrat gewählt. Seit der Gründung der Grünliberalen Schweiz 2007 ist er deren Präsident. Hobbys: Billard, Skifahren, Motorradfahren, gutes Essen, Diskussionen.

Blick auf die GLP

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