Amazon-Angestellte streiken an fünf Standorten

Nächste Runde im Lohn-Streit: Amazon-Beschäftigte streiken für mehr Lohn. An fünf deutschen Standorten soll bis Mittwoch die Arbeit niedergelegt werden.

Amazon Deutschland: Plakat auf welchem Streik steht

Bildlegende: Verdi fordert für die Mitarbeiter tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind. Reuters

Beim Versandhändler Amazon haben Beschäftigte an fünf deutschen Standorten die Arbeit niedergelegt. Betroffen waren die Verteilzentren in Bad Hersfeld, Leipzig, Graben bei Augsburg sowie Werne und Rheinberg (beide Nordrhein-Westfalen). Das teilte ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft verdi im hessischen Bad Hersfeld mit. Angaben über die Zahl der Beschäftigten, die sich an den Aktionen beteiligten, gab es noch nicht.

Verdi hat in Bad Hersfeld, Leipzig und Graben bis einschliesslich Mittwoch zum Ende der Spätschicht zum Streik aufgerufen, in Werne soll bis einschliesslich Dienstag zum Ende der Spätschicht gestreikt werden.

Der Streit der Gewerkschaft Verdi mit dem weltgrössten Online-Versandhändler Amazon zieht sich bereits seit fast drei Jahren hin. Verdi fordert einen Tarifvertrag, der den Beschäftigten existenzsichernde Einkommen und Arbeitsbedingungen mit Schutzregeln zu Arbeitszeiten, Urlaub oder Pausen garantiert. Amazon lehnt Verhandlungen dazu bislang ab. Die Entwicklung im Überblick:

  • Dezember 2011: Bildung einer Tarifkommission in Sachsen. Verdi fordert die Aufnahme von Verhandlungen über einen Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels für die Amazon Distribution GmbH Leipzig.
  • Oktober 2012: Zweite Tarifkommission in Bad Hersfeld (Hessen).
  • 14. Mai 2013: Mitarbeiter bestreiken den grössten deutschen Standort in Bad Hersfeld und den Standort Leipzig einen ganzen Tag lang.
  • 19. bis 21. September 2013: Erstmals dreitägiger Streik in Bad Hersfeld und Leipzig.
  • 16. Dezember 2013: Verdi beginnt einen sechstägigen Dauerstreik im für Amazon wichtigen Weihnachtsgeschäft.
  • 17. April 2014: Unmittelbar vor Ostern treten Beschäftigte erneut im Leipziger Lager und in den hessischen Verteilzentren in den Ausstand.
  • 30. Mai bis 3. Juni 2014: Mehrtägige Arbeitsniederlegungen in Leipzig und Bad Hersfeld. Graben und Rheinberg kommen als dritter und vierter Streikstandort hinzu.
  • 2. Juli 2014: Gewerkschaftsvertreter aus Polen, Tschechien, Grossbritannien und den USA beschliessen in Berlin, grenzüberschreitend für bessere Arbeitsbedingungen bei Amazon kämpfen zu wollen.
  • 22. September 2014: Erstmals gleichzeitiger Streik in Leipzig, Bad Hersfeld, Graben und Rheinberg.
  • 18. Oktober 2014: Verdi ruft die Beschäftigten in Leipzig kurzfristig zu einem Streik auf. Mit dem Ausstand der Spätschicht an einem Samstag soll darauf hingewiesen werden, dass Arbeit zu ungünstigen Zeiten tariflich geregelt werden müsse.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Amazon nimmt die Buchverlage in den Würgegriff

    Aus Kulturplatz vom 6.8.2014

    Dem US-Online-Giganten Amazon scheint jedes Mittel recht zu sein, um seine Marktdominanz auszubauen: Verlage, die Amazon nicht die geforderten Megarabatte gewähren, riskieren, diskriminiert zu werden. Das gilt sogar bei Bestsellern. So liefert Amazon Spitzentitel wie die gedruckten Bände der Harry-Potter-Saga momentan nur stark verzögert aus. Auch Schweizer Verlage setzt Amazon so unter Druck. Das Unbehagen steigt, denn es gibt kaum Alternativen. Und Gegenwehr ist schwierig, denn auf das Geschäft mit Amazon kann heute niemand mehr verzichten.

    Richard Herold

  • Bald kommt das «Päckli» mit der Drohne geflogen

    Aus Tagesschau vom 2.12.2013

    Der Onlinehändler Amazon arbeitet an der Zustellung mit sogenannten Octocoptern. Bereits in vier bis fünf Jahren könnten die Bestellungen von Amazon von automatischen Flugobjekten direkt beim Kunden abgesetzt werden.