Zum Inhalt springen

Wirtschaft Angriff auf das Bargeld

Zwar erlebt das Bargeld seit der Finanzkrise 2008 einen leichten Aufwind – dem beschädigten Vertrauen ins Finanzsystem sei Dank. Gleichwohl gibt es immer mehr Stimmen, die Münzen und Noten abschaffen wollen. Für den Basler Ökonomen Aleksander Berentsen wäre das eine ganz schlechte Idee.

Geldnote, die sich in digitalen Symbolen auflöst.
Legende: Ist Bargeld überflüssig – ein Relikt, das es abzuschaffen gilt? SRF

Bei Ökonomen und Politikern ist das Bargeld in Ungnade gefallen. Prominente Stimmen wie der ehemalige amerikanische Finanzminister und Wirtschaftsprofessor Larry Summers fordern die Abschaffung grosser Geldscheine wie der 100-Dollar-Note. Und der deutsche Wirtschaftssachverständige der Regierung, Peter Bofinger, findet Bargeld einen Anachronismus. Seiner Meinung nach passe es nicht mehr in unsere Zeit.

Im Wesentlichen werden drei Gründe angeführt, den Bargeldverkehr einzuschränken bzw. ganz zu unterbinden:

  • Im digitalen Zeitalter sei Bargeld ineffizient und teurer als der elektronische Zahlungsverkehr oder die Zahlung über Kreditkarten.
  • Zudem würde Bargeld kriminelles Verhalten fördern und leiste Steuerhinterziehung sowie Geldwäscherei Vorschub.
  • Und drittens hindere Bargeld die Notenbanken an einer effektiven Geldpolitik: Solange Bargeld gehortet werden könne, sei es wirkungslos, die Zinsen deutlich unter Null zu senken.

Für Aleksander Berentsen, Wirtschaftsprofessor der Universität Basel und Bargeld-Befürworter, läuft diese Kritik ins Leere. Im «ECO»-Studio sagt er, man sehe bisher keinen Zusammenhang zwischen moderaten Negativzinsen und dem Horten von Bargeld.

Allerdings warnt er vor Forderungen einzelner Ökonomen, Negativzinsen von 5 oder gar 10 Prozent einzuführen. «Dann würden wir wirklich diese Abwanderung ins Bargeld sehen.» Somit habe Bargeld gar eine Schutzfunktion vor zu hohen Negativzinsen.

‹Panama Papers› zeigen: Mit allem im Leben kann man legale oder illegale Dinge machen.

Für Aleksander Berentsen steht der Wert von Bargeld ausser Frage: «Es ist ein gesetzliches Zahlungsmittel, und es ist für einen Bürger in der Schweiz die einzige Möglichkeit, das Geld ausserhalb des Finanzsystems aufzubewahren.»

Und der aktuelle Fall der «Panama Papers», in dem es gerade nicht um Bargeld ging, zeigt für ihn ganz klar: «Mit allem im Leben kann man legale oder illegale Dinge machen.»

Legende: Video «Braucht es noch Bargeld? – Ökonom Aleksander Berentsen im Studio» abspielen. Laufzeit 9:15 Minuten.
Aus ECO vom 04.04.2016.

70 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Cris Schmid (Cris Schmid)
    Wenn ich sehe, was in der Finanzwelt alles mit "elektronischem Geld" gemacht werden kann, bezweifle ich stark dass weniger Kriminalität herrschen würde. Zudem ist den wenigsten bekannt, dass dieses "elektronische Geld" in Wahrheit kein Geld ist, sondern von Banken in Eigenregie hergestelltes "Buchgeld". Es entsteht durch Kreditvergaben (Verschuldung) und verschwindet wieder bei Rückzahlung des Kredits-oder wenn die Bank Pleite geht. Und ist natürlich ausserhalb jeder demokratischen Kontrolle.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Nur Bares ist Wahres, hiess es früher; heute scheints will der Staat alles überwachen. Da das Notengeld aber nicht mehr mit Gold gedeckt ist, ist eine private Goldreserve angesagt, der Betrug der Nationalbanken mit Ihren Druckmaschinen wird irgendwann auffliegen. Die Totale Überwachung ist dann die logische Konsequenz, damit der Staat nach einem Crash überhaupt noch funktioniert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Wo wird wohl am meisten betrogen und abgezockt? Es ist das Internet und das mit der Kreditkarten bezahlen. Zuletzt weis niemand mehr wo das Geld liegt und wieviel überhaupt vorhanden ist. Ein Schlupfloch für Betrüger und Steuerhinterzieher. Die SNB sollte die Hoheit über das Geld behalten, nur so ist überhaupt eine Kontrolle gewährleistet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen