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Arbeiten bis 65? Ein früherer Ruhestand könnte Pensionskassen gefährden

  • 58 Prozent der Schweizer Bevölkerung lässt sich früh pensionieren. Das zeigt eine Studie des Pensionskassenberaters Swisscanto.
  • Nur 32 Prozent arbeiten bis zum gesetzlichen Rentenalter, 10 Prozent arbeiten darüber hinaus.
Alte Menschen laufen auf Weg
Legende: Über die Hälfte der Bevölkerung lässt sich frühpensionieren. Ein Zeichen des Wohlstands – oder der Erschöpfung? Keystone / Symbolbild

Der hohe Anteil der frühzeitigen Pensionierungen habe die Studienleiter überrascht. Der vorzeitige Ruhestand von 58 Prozent der Bevölkerung könnte mittelfristig die finanzielle Stabilität der Pensionskassen gefährden, schreibt René Raths, Verwaltungsrat von Swisscanto, in der Studie.

Widerstand gegen erhöhtes Rentenalter

Zu denken geben den Studienleitern vor allem die steigende Lebenserwartung und somit die längere Bezugsdauer der Renten. Im Jahr 2035 müssten laut Raths rund 2,3 Erwerbstätige einen Rentner finanzieren. Heute kommen in der Schweiz auf jeden Rentner rund 3,4 Erwerbstätige. Die aktuelle finanzielle Verfassung der Pensionskassen sei aber sehr stabil.

Der politische Druck, das Rentenalter zu erhöhen, steigt. Der Trend zu mehr Frühpensionierungen widerspreche diesem Bestreben, heisst es in der Studie, welche von der «NZZ am Sonntag» ausgewertet wurde. Die Autoren vermuten, dass eine Erhöhung des Rentenalters auf erheblichen politischen Widerstand stossen dürfte.

Arbeitnehmer stossen an ihre Grenzen

Die Studie kommt zum Schluss, dass Angestellte im Durchschnitt 1,5 Jahre vor dem vorgesehenen Pensionsalter ihre Erwerbstätigkeit beenden. Dies sei ein Zeichen des Wohlstands in der Schweiz, so Raths.

Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik beim Gewerkschaftsverband Travail Suisse, nennt in der «NZZ am Sonntag» einen weiteren Grund für die hohe Anzahl an Frühpensionierungen: «Wir stellen fest, dass ein beträchtlicher Teil der Arbeitnehmer nach 60 Jahren an ihre gesundheitlichen Grenzen stösst und ausgebrannt ist.»

Zur Studie

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An der «Schweizer Pensionskassenstudie 2018» nahmen 535 Vorsorgeeinrichtungen teil. Das erfasste Vermögen der Teilnehmer beläuft sich auf 680 Milliarden Franken. Gesamthaft sind damit 4,1 Million Versicherte repräsentiert. Die Studie, welche von Ende April datiert, deckt damit rund 80 Prozent der beruflichen Vorsorge ab.

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60 Kommentare

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  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Kann mir mal jemand verraten warum die AHV mit einem Administrationsaufwand von ca. 1% auskommt und die Pensionskassen sowie alle Versicherungen garantierte 10% absahnen der eingezahlten Prämien? Vielleicht wäre es auch an der Zeit, dieses Konstrukt mal zu ändern. Aber da stecken natürlich die Lobbyisten, Aktionäre und Politiker unter einer Decke und wollen sich das Bereicherungs-Rahmtöpfli nicht wegnehmen lassen!
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Mir ist es ein Anliegen die 'Ruheständler' als das zu bezeichnen, was sie eigentlich sind: Menschen, die befreit sind, sich auf dem Arbeitsmarkt anbieten zu müssen. Was natürlich dem kapitalen Wirtschaften ein Dorn im Auge ist, denn diese sind weder durch den Arbeitsmarkt erpressbar und leisten und arbeiten ohne dem Finanzkapital zuzudienen. und zudem werden ‚solche‘ Menschen immer mehr und haben noch manche Tassen im Schrank und sogar Zeit und oft eine natürliche Affinität zu jungen Menschen.
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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Ich kenne absolut niemanden aus meinem Umfeld (50+), der bereit wäre, auch nur einen einzigen Monat über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. Allesamt haben sie die Nase gestrichen voll von der durchgeknallten Arbeitswelt und wollen nur noch raus. Und zwar möglichst früh. Warum erzählt man uns also ständig den Käse, dass ein Gros der Arbeitnehmer gerne länger arbeiten würde? Wenn einer mit 16 die Lehre anfing und dann 40 Jahre lang der Gesellschaft diente, dann finde ich, ist es mehr als genug.
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