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Zu teure AKW Atomkraftwerkbauer Westinghouse geht in Konkurs

Legende: Audio «Für Toshiba war die Übernahme ein Desaster» abspielen.
3:30 min, aus SRF 4 News aktuell vom 29.03.2017.
  • Das Tochterunternehmen Westinghouse Electric Copmpany des japanischen Industriekonzerns Toshiba ist pleite.
  • Massive Kostenüberschreitungen beim Bau von Atomkraftwerken sind die Ursache für die Insolvenz.
  • Die Pleite soll den angeschlagenen Mutterkonzern Toshiba aus der Krise führen.

Westinghouse Electric Company sowie Firmen der Unternehmensgruppe haben sich entschlossen, die Insolvenz zu beantragen. Das teilte der Mutterkonzern Toshiba mit. Massive Probleme beim Hersteller von Atomreaktoren hatten ein gewaltiges Loch in die Bilanz von Toshiba gerissen.

Massive Probleme in den USA

Die Probleme begannen, nachdem Toshiba 2015 ein US-Unternehmen zum Bau von Kernkraftwerken gekauft hatte. Bei zwei AKWs, die in South Carolina und Georgia schon im Bau waren, stiegen die Kosten drastisch an. Toshiba schrieb Milliarden ab.

Nach dem angekündigten Konkurs stellt sich die Frage, wer für die Kosten der Bauruinen aufkommen muss. Weil auch viele Arbeitsplätze in den USA verloren gehen, könnte sich laut Beobachtern auch US-Präsident Donald Trump einmischen. Gemäss einem japanischen Regierungssprecher sind dazu mit Washington bereits Gespräche im Gang.

Es steht viel auf dem Spiel

Bei Westinghouse arbeiten weltweit rund 12'000 Personen, ihre Arbeitsplätze stehen nun auf dem Spiel. Es wird erwartet, dass der Konzern versuchen wird, sich aus verschiedenen Projekten zurückzuziehen und die Verantwortung beim Bau der AKW abzugeben. Davon betroffen ist neben den beiden Projekten in den USA auch ein 20-Milliarden-Franken-Projekt in Nordwestengland.

Durch den Rückzug von Westinghouse könnte ein Teufelskreis entstehen: Dann nämlich, wenn die anderen beteiligten Gesellschaften die Zusatzkosten nicht stemmen können und ihrerseits zusammenbrechen.

Angeschlagener Technologiekonzern

Mit der Insolvenz von Westinghouse will Toshiba die Atomsparte aus den Büchern bekommen. Der japanische Konzern hatte Westinghouse vor zehn Jahren gekauft und gehofft, mit den AKW viel Geld zu verdienen. Doch dieser Plan war ein totales Desaster: Bislang mussten die Japaner sechs Milliarden Dollar abschreiben, der Aktienkurs fiel wegen den Problemen mit Westinghouse in den letzten Monaten um 50 Prozent.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Toshiba jetzt mit einem Verlust von umgerechnet rund 8,9 Mrd. Franken. Der japanische Konzern ist nun auf der Suche nach einem Käufer seiner lukrativen Sparte der Chip-Herstellung, um nicht an den Schulden zu ersticken. Bereits seien dazu Gebote eingetroffen, hiess es von Toshiba. Demnach rechnet der Konzern damit, für die Chip-Produktion mindestens 18 Mrd. Franken zu lösen.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim

Toshiba hat sich mit der Übernahme von Westinghouse verspekuliert. Anstatt grosser Gewinne, hat das Unternehmen Milliarden-Löcher in die Bilanz des Technologiekonzerns gerissen. In Europa und den USA werden heute kaum mehr neue Kernkraftwerke gebaut. Solche Anlagen sind zu kostspielig und bei bestehenden Projekten laufen die Kosten aus dem Ruder.

Vielerorts ist bereits die Stromproduktion aus Nuklearenergie ein Verlustgeschäft. Nun trifft es immer häufiger auch Betreiber und Erbauer von Kernkraftwerken. Westinghouse ist das jüngste Opfer und längst kein Einzelfall. Zuvor musste etwa der französische AKW-Betreiber Areva durch den Staat gerettet werden.

Schweiz betroffen?

Schweiz betroffen?

Westinghouse führt auch für Schweizer Kernkraftwerke Wartungs- und andere Dienstleitungsaufträge aus. Was nach dem Konkurs damit passiert, ist noch offen. Allerdings bieten dieselben Dienste auch andere Unternehmen an.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Jakob Frauchiger (Jakob Frauchiger, Hilterfingen)
    Was gerne vergessen geht: Atomreaktoren sind militärische Projekte, um bombenfähiges Material zu erzeugen. Dass es für Atombomben auch keinen militärischen Nutzen gibt, sind einige Strategen auch schon darauf gekommen. In Fukushima gehen drei Reaktorkerne durch den Boden hinunter. Die Lage ist ausser Kontrolle. Unsere AKW Befürworter könnten dort ihre Ferien verbringen und den angeblich "dummen" Japanern Lösungen aufzeigen, bevor der ganze Pazifik verseucht ist.
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  • Kommentar von Kurt E. Müller (KEM)
    Freude herrscht. Endlich mal eine gute Nachricht. Vielleicht gehen jetzt dem einen oder anderen ewiggestrigen Atomkraft Befürworter die Augen auf. Nicht nur ist die unbeherrschbare Atomkraft ein gigantisches Sicherheitsrisiko für uns und kommende Generationen; nein, jetzt rentiert der gefährliche Unsinn offenbar trotz massiver Subventionierung nicht mal mehr. Also, endlich weg von dieser Steinzeit Technologie, hin zu Sonne und Wind.
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  • Kommentar von Severin Heck (Selber denken und prüfen)
    Bei uns in der Schweiz steht auch die Technologiebranche vor dem aus... Die Politik spekuliert mit Technologien die es nicht gibt, technisch höchst umstritten und nicht mal Ansatzweise entwickelt sind. Anstelle von einer Nachgaltigen, Langftistigen Gesellschaftspolitik werden mit der E-Wende alle Tech Firmen in den Ruin getrieben und die Angestellten stehen auf der Strasse. Das Kostet die Volkswirtschaft Geld und Bedeutet Gewinnausfall. Wie wollen Sie ohne Gewinne Innovation finanzieren????
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Richtig, die Politik spekuliert schon lange mit der Atomkraft, die weder entwickelt, noch sicher, noch nachhaltig ist. Nicht einmal ansatzweise sind die grundlegendsten Probleme gelöst, obwohlseit dem Beginn dieser Technologie schon 70 Jahre vergangen sind.
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