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Aufträge aus dem Euroraum Hoffnung nach zwei Jahren im Überlebensmodus

Legende: Audio Eurokurs: Aufatmen nach schwierigen Jahren abspielen.
3:51 min, aus Rendez-vous vom 20.04.2018.

Viele Schweizer Unternehmer atmen in diesen Tagen auf, wenn sie den Eurokurs sehen. Zum ersten Mal seit drei Jahren ist er diese Woche auf 1.20 Franken gestiegen. Schweizer Waren lassen sich damit wieder leichter ins Ausland verkaufen. Ein Familienbetrieb, der davon profitiert, ist die Kebo mit Sitz in Neuhausen am Rheinfall. Sie produziert Spritzgiessformen aus Stahl.

Diese werden von anderen Firmen für die Herstellung von Kunststoffteilen wie etwa Joghurtbecher, Plastikdeckel, Spritzen und Infusionen verwendet.

Gut für Exporte in den Euroraum

Kebo hat mehr Arbeit und Aufträge als auch schon. Für den Chef Daniel Bodenmann ist es «Great News», dass der Euro erstmals wieder 1.20 Franken kostet. «Für uns ist das sehr erfreulich, da wir auch sehr viel in den Euroraum exportieren.» Kebo wurde vor fast 40 Jahren gegründet. Das Unternehmen hat heute 75 Angestellte und einen Umsatz von rund 15 Millionen Franken.

Ein stärkerer Euro helfe seiner Firma, profitabler zu werden. «Dadurch können wir unsere Marge vergrössern», so Bodenmann. Diese sei insbesondere in den letzten zwei Jahren ungenügend gewesen. «Jetzt kommen wir wieder in einen Bereich, in dem wir langfristig überleben und auch investieren können.»

Den 15. Januar 2015 werde ich nie mehr vergessen. Es war der schlimmste Moment in meinem Geschäftsleben.
Autor: Daniel BodenmannChef der Kebo AG

Vor allem 2015 sei schwierig gewesen, sagt der Firmenchef rückblickend. Damals hat die Nationalbank den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro aufgehoben; ein Schock für die Firma.

«Den 15. Januar werde ich nie mehr vergessen.» Es sei der schlimmste Moment in seinem Geschäftsleben gewesen. «Ich war gerade am Telefon, und auf dem Bildschirm sah ich das E-Mail meiner Hausbank. Ich konnte es nicht glauben. Im ersten Moment dachte ich, es sei das Aus für die Firma.»

Zwei Münzen: 1 Fr. und 20 Rp., mit Frost darauf
Legende: Erstmals ist der Euro wieder fast so viel wert wie vor dem verhängnisvollen 15. Januar 2015. Keystone

Der Euro ist damals auf einen Schlag von 1.20 auf einen Franken eingebrochen. Für die Kebo bedeutete dies hohe Verluste und 40 Prozent weniger Aufträge von den europäischen Kunden. Der Betrieb rutschte in die roten Zahlen und musste 15 von 90 Stellen abbauen. Es begann die Flucht nach vorn, die Suche nach neuen Kunden, in Asien und Amerika.

Teures Lehrgeld bezahlt

Inzwischen geht es dem Betrieb wieder besser, und der Chef hat aus den extremen Kursschwankungen die Lehren gezogen. «Eine ist, dass man die Devisenprognosen mit Vorsicht geniessen sollte. Viele Unternehmen wurden damals überrascht.» Und wichtig sei auch, dass man versuche, die Mitarbeiter in die Verbesserung der Prozesse miteinzubeziehen.

Zusammen mit den Angestellten konnte der Familienbetrieb die Krise meistern. Der teurere Euro hilft jetzt zusätzlich – nicht nur der Kebo AG aus Neuhausen – sondern auch etlichen weiteren Schweizer Unternehmen.

Legende: Video Der Euro notiert zeitweise bei 1.20 Franken abspielen. Laufzeit 1:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.04.2018.

5 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Das was die SNB nun wieder unternommen hat - in wenigen Tagen den EURO um 15% gegenüber dem Fr. durch Devisenkäufe hinauf zu puschen , ist genau so schädlich, wie im 2015 über Nacht den Kurs wenige Stunden auf 1 : 1 zu treiben. Wer damals mit dem Franken sofort wertvolle Rohstoffe und Wahren im EU-Raum gekauft hat, machte die letzten 2 Jahre ein sehr gutes Geschäft. Nun steigen die Margen wieder - vorgehend wurden gratis Stunden der Büezer reklamiert - nun Lohnerhöhungen ? Wohl kaum :-)
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Ja, was Herr Schulenberg, so richtig formuliert, die aktuelle wirtschaftliche Situation ist eine höchst gespaltene. Auf der einen Seite der ständige Rede der Knappheit, auf der anderen Seite die Versuche, zu verbergen, dass da ein System sich eigenistet hat, auch in unseren Köpfen, dass ein paar wenigen erlaubt sich alles zu nehmen und alle auszunehmen, um im Gegenzug denjenigen, die wie Weinachtsgänse ausgenommen worden sind, davon zu überzeugen, dass dies schon seine Richtigkeit hat.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    „Überlebensmodus“. So ein Unsinn. Nie zuvor haben CEO‘s, Verwaltungsräte und Aktionäre so viel verdient wie in den letzten 2 Jahren. Wenn schon müsste es heissen „selektivier Überlebensmodus“ Das Damoklesschwert hing mit Bundessegen über allen Arbeitern: JSR beim Fall des Wechselkurses: Wir müssen verstehen, das die Wirtschaft keine Lohnerhöhungen mehr gewähren kann, Stellen abbauen und Kurzarbeit einführen muss.
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