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Wirtschaft Auftragsboom bei Stadler mildert Frankenschock

Der Zugbauer Stadler Rail hat letztes Jahr so viele Aufträge erhalten wie noch nie. Stark rückläufig war aber der Umsatz. Auch wenn sich dieser wieder erholen dürfte, der starke Franken setzt dem Unternehmen zu.

Legende: Video Stadler-Chef Spuhler zum Russland-Geschäft abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
Vom 19.06.2015.
Blick in die Montagehalle in Bussnang: drei Wagenkästen im Bau von schräg vorne fotografiert, unten links im Bild ein Arbeiter
Legende: Die Stadler-Werke bleiben vorerst gut ausgelastet. Keystone

Die gute Nachricht vorweg: Wegen der guten Auftragslage bleibt die Auslastung der Stadler-Standorte trotz Frankenaufwertung vorerst gesichert. Aufträge über insgesamt 2,9 Milliarden Franken heimste das Unternehmen von alt SVP Nationalrat Peter Spuhler 2014 ein.

Zusammen mit den Aufträgen von 2,5 Milliarden Franken aus dem Jahr davor sei die Auftragsdelle aus der Periode von 2011 bis 2012 nun kompensiert, teilt Stadler Rail mit. Der wichtigste Auftrag kam 2014 von der SBB. Stadler Rail baut für den Bundesbetrieb 29 Eurocity-Züge. Das Auftragsvolumen betrage rund 970 Millionen Franken; 80 Prozent der Wertschöpfung erfolge in der Schweiz.

Auftragsboom hält an

Und auch im neuen Jahr scheinen die Nachfrage nach den Zügen aus dem thurgauischen Bussnang und anderen Standorten von Stadler ungebrochen: Das Unternehmen habe die Ausschreibung über 33 Züge für die schwedische Bahngesellschaft Mälab gewonnen, hiess es. Das Auftragsvolumen belaufe sich auf umgerechnet 400 Millionen Franken. Vergangene Woche erst hatte Stadler Rail einen 100-Millionen-Auftrag aus Texas an Land gezogen.

Nur in Russland läuft es wegen der Sanktionen nicht rund: Ein wichtiges Geschäft für Stadler steht auf dem Spiel. Das Unternehmen hat eine Bestellung über 25 Doppelstockzüge für 380 Mio. Euro. Doch nun muss Stadler-Chef Peter Spuhler mit den Russen und der Schweizer Exportrisikoversicherung die Konditionen neu verhandeln. Doch es geht um mehr: Nach dem laufenden Auftrag hat Stadler eine Option auf weitere 60 Züge.

Umsatz bricht ein

Doch die Freude ist nicht ungetrübt:

  • Zum einen musste Stadler Rail letztes Jahr auch einen Umsatzeinbruch von fast einem Viertel verkraften. 1,9 Milliarden Franken setzte Stadler noch um, wie es an der Medienkonferenz hiess. 2013 hatte der Umsatz noch 2,5 Milliarden Franken betragen. Der gute Auftragseingang von 2014 deute aber auf eine Erholung der Umsatzzahlen im laufenden Jahr hin.
  • Und zum andern belastet auch der starke Franken das Unternehmen. Wegen des Frankenschocks nach der Aufhebung des Euromindestkurses hatte Stadler Rail im Februar die Arbeitszeit auf 45 Stunden erhöht. Als weitere Massnahme seien Einkaufsvolumen vom Franken in den Euro verlagert, aber auch in Innovationen investiert worden.

Auslagerungen (noch) kein Thema

Die Verlagerung einzelner Aufträge in Länder mit tiefen Lohnkosten werde jedoch erst als allerletzte Massnahme in Erwägung gezogen, hiess es weiter. Stadler Rail setze alles daran, den Werkplatz Schweiz zu verteidigen, sagte Firmenchef Spuhler.

3 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    An diesem Beispiel der Auftragslage ist zu erkennen , dass die USA die auch die Schweiz zu Sanktionen gegen Russland verdonnerte -der Stadler Rail nur 100 Millionen an Bestellungen einbrachte -die Russen jedoch rund 400 Millionen und eine weitere Milliarde an Russenaufträge, steht wegen den Sanktionen der USEU auf der Kippe . Das haben wir der USEU zu verdanken ,dass sie Russland versucht auf Kosten der CH zu schwächen . So geht die Politik der Pleitegeier , die wollen alles mit sich reissen.
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  • Kommentar von Reto Meuli, Zürich
    "Das Auftragsvolumen betrage rund 970 Millionen Franken; 80 Prozent der Wertschöpfung erfolge in der Schweiz." SRF.CH sollte nicht einfach eine PR-Meldung gedankenlos abschreiben. 80 Prozent Wertschöpfung in der Schweiz ist beim Bauen von Zügen unmöglich.
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    1. Antwort von M.Deiss, Würenlingen
      80% CH Wertschöpfung kommt bei Stadler im Gegensatz zu anderen Hersteller in etwa eben schon hin, denn neben der lokalen Fertigung werden viele zentrale Komponenten, wie zum Beispiel der Antrieb, ebenfalls in der Schweiz gefertigt.
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