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Wirtschaft Bayer legt Angebot für Monsanto über 62 Milliarden Dollar vor

Der Bayer-Konzern ist auf dem Weg, der weltgrösste Agrarchemie-Hersteller zu werden. Das Leverkusener Unternehmen will für den US-Agrarchemie-Riesen Monsanto 62 Milliarden US-Dollar hinblättern. Die Bayer-Aktie sank in der Folge auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief.

Legende: Video Bayer legt Milliarden-Angebot für Monsanto vor abspielen. Laufzeit 2:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.05.2016.

Nach längeren Spekulationen folgte sie tatsächlich, die Offerte im Agrochemie-Markt: Die deutsche Bayer will den US-Chemiekonzern Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar übernehmen.

Wie der Konzern mitteilte, bietet Bayer in Leverkusen pro Monsanto-Aktie 122 US-Dollar in bar – insgesamt gut 61 Milliarden Franken. Das entspreche einem Aufschlag von 37 Prozent auf den Schlusskurs der Monsanto-Aktie vor zwei Wochen.

Bald 140'000 Mitarbeiter?

Zur Finanzierung setzt Bayer auch auf eine Kapitalerhöhung. Mit der Übernahme würde das Unternehmen zum weltweit grössten Agrarchemie-Hersteller aufsteigen. Der Umsatz würde auf rund 66,6 Milliarden Franken (bisher: 51 Milliarden) zulegen, die Zahl der Mitarbeiter auf fast 140'000 (bisher: knapp 117'000) klettern. Am vergangenen Donnerstag hatten die beiden Konzerne bereits Übernahmegespräche bestätigt.

Die Aktionäre von Bayer reagierten skeptisch auf das Übernahmeangebot: Die Aktie sackte am Vormittag um bis zu 3,6 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 86,30 Euro ab. «Das Angebot ist ziemlich hoch, wenn man bedenkt, dass das der erste Versucht ist», kommentierte ein Aktienhändler und teilte damit die Meinung vieler anderer Experten.

In drei Jahren wieder fit

Anders sieht man dies bei Bayer. Die Offerte biete «eine überzeugende Gelegenheit, ein weltweit führendes Unternehmen für Saatgut, Pflanzeneigenschaften und Pflanzenschutz zu schaffen», erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung.

Bereits nach drei Jahren könne das Ergebnis des zusammengelegten Bayer-Monsanto-Konzerns durch Einspareffekte und eine bessere Verzahnung jährlich um rund 1,5 Milliarden Dollar verbessert werden. Die Akquisition solle durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital finanziert werden.

Kartellrechtliche Hürden

Der weltweite Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird mit Syngenta, Monsanto, Bayer, DuPont Pioneer, Dow Chemical und BASF nur von einer guten handvoll Firmen kontrolliert. Monsanto und Bayer würden zusammen für ein breites Angebot im Pflanzenschutz und Saatgut stehen. Der Zukauf könnte aber vor allem in den USA auf kartellrechtliche Hürden stossen.

Bei einer Übernahme der Amerikaner muss sich Bayer aber noch auf ganz andere Kritik einstellen: Kein anderer Konzern der Branche hat ein derart schlechtes Image wie Monsanto. Der Saatgutriese steht immer wieder wegen seiner aggressiven Geschäftspraktiken und seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Monsanto ist zudem der Entwickler des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Monsanto wollte Syngenta

Im vergangenen Jahr noch war Monsanto der Angreifer gewesen und hatte den Basler Konzern Syngenta übernehmen wollen. Syngenta wehrte sich vehement, Monsanto gab im vergangenen August auf. Jetzt wird Syngenta für 43 Milliarden Dollar – mit seinem Einverständnis – vom chinesischen Chemieriesen ChemChina übernommen.

Auswirkungen auf die Schweiz?

In der Schweiz verfügt Bayer über vier Standorte mit knapp 1200 Mitarbeitenden. Die Hälfte davon arbeitet in der Stadt Basel, die übrigen in Muttenz (BL), Zürich und Zollikofen (BE). Auch Monsanto ist in der Schweiz präsent. Der US-Konzern plant im Rahmen seines weltweiten Restrukturierungsprogramms in Morges (VD) 75 der 144 Stellen zu streichen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von m. fischbacher (mifi)
    Im Endeffekt ist es doch eigentlich egal ob wir von den Deutschen oder den Amis vergiftet werden! Bei Bayer hat dies ja schon seit der IG Farben, eine langjährige Tradition...!
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Grosskonzerne in der Chemieindustrie gehören unter demokratische Kontrolle. In einem ersten Schritt sollten alle Chemiekonzerne wenigstens den Regeln der Montanmitbestimmung unterworfen werden. Es darf nicht sein, dass Konzerne wie Bayer plötzlich einen hochriskanten Strategiewechsel vornehmen, der die Umwelt, die Gesundheit und viele Arbeitsplätze gefährdet und ausser ein paar Großaktionären niemandem nutzt.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Die geplante Übernahme des berüchtigten Gen- und Giftkonzerns Monsanto durch Bayer ist gemeingefährlich. Mit einem solchen Chemieriesen geriete die EU noch stärker unter Druck, die Produktion und den Einsatz gesundheitsgefährdender Stoffe wie Glyphosat zuzulassen. Denn die horrenden Ausgaben von 55,2 Milliarden Euro können nur wieder eingespielt werden, wenn Monsanto seine gefährlichen Umweltgifte gegen immer stärkere Widerstände weiter verkaufen kann.
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