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Behinderung von Importen Autohändler zeigen Hyundai an

Von Hyundai werden so viele Fahrzeuge über Parallelimporte in die Schweiz gebracht wie von kaum einer anderen Marke. Der Autobauer möchte dies ändern – mit umstrittenen Methoden. Jetzt schalten die freien Autohändler die Wettbewerbskommission ein, wie Recherchen von SRF zeigen.

Legende: Video Hyundai wird angeklagt abspielen. Laufzeit 2:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.12.2017.

Einschüchterung von Kunden und Händlern, unzulässige Garantiebestimmungen: Die Vorwürfe, die der Verband freier Autohandel Schweiz (VFAS) gegen den südkoreanischen Autohersteller erhebt, sind von grossem Gewicht.

Umstrittene Massnahmen gegen Parallelimporte

Wie Recherchen der SRF-Wirtschaftsredaktion belegen, zeigt der VFAS nun Hyundai bei der Wettbewerbskommission (Weko) an. Streitpunkt sind die sogenannten Direktimporte und Parallelimporte. Darauf greift zurück, wer sich ein Auto aus dem Ausland anschafft und dieses nicht beim zuständigen Generalimporteur oder Markenhändler kaufen möchte. Konkret erhebt VFAS in drei Punkten Vorwürfe gegen Hyundai.

Das wirft der VFAS Hyundai vor

Hyundai schränke die Garantie bei Parallelimporten ein und erkläre sie für nichtig. Dies ist für den VFAS nicht zulässig.
Hyundai beschuldige Parallelimporteure, gegen das Patentrecht zu verstossen. Der Autobauer drohe mit Klagen, um Kunden und Händler zu verunsichern.
Hyundai werfe Parallelimporteuren vor, dass sie gegen ihr Markenrecht verstiessen. Auch dies versuche der Autokonzern, mit Klagen durchzusetzen.

VFAS-Präsident Roger Kunz geht mit dem südkoreanischen Autohersteller hart ins Gericht: «Hyundai versucht, den Schweizer Markt abzuschotten, um eine Hochpreisstrategie zu festigen und unliebsame Konkurrenz vom Markt zu verdrängen.» Der Konzern setze mit juristischen Mitteln und falschen Aussagen Konsumenten und Händler unter Druck.

Das kann bei einem Mittelklasse-Fahrzeug schnell 10'000 Franken oder mehr ausmachen.
Autor: Roger KunzPräsident VFAS

Mehr als jeder fünfte Hyundai wird parallel importiert

Der Autokauf über den offiziellen Importeur ist unkompliziert, Parallel- und Direktimporte sind mit grösserem Aufwand für den Konsumenten verbunden. Preislich kann es sich jedoch lohnen, ein Auto nicht über den Generalimporteur zu beziehen. Kunz rechnet vor: «Wir haben Preisunterschiede zwischen 10 und 25 Prozent, das kann bei einem Mittelklasse-Fahrzeug schnell 10'000 Franken oder mehr ausmachen».

So werden Autos in die Schweiz importiert

Autohersteller arbeiten mit Generalimporteuren und Markenhändlern zusammen. Diese vertreiben die Fahrzeuge eines Herstellers im Land.
Beim Parallelimport übernimmt ein Händler für einen Aufpreis den Import und kümmert sich um die Formalitäten bei der Verzollung.
Importiert der Kunde das Fahrzeug selbst aus dem Ausland in die Schweiz, ist die Rede von Direktimporten. Der Kunde übernimmt die Zollformalitäten selbst.

Diese Preisdifferenzen nehmen auch Kunden wahr: Von kaum einer anderen bekannten Marke werden mehr Modelle parallel oder direkt importiert wie von Hyundai. 7650 Fahrzeuge von Hyundai wurden insgesamt im laufenden Jahr in die Schweiz importiert, 1694 davon nicht über den Generalimporteur – eine hohe Quote von 22,1 Prozent, und damit ein Ärgernis für Hyundai. Zum Vergleich: Auf dem gesamten Schweizer Automarkt stammten dieses Jahr 6,9 Prozent der neu eingeführten Wagen aus dem Parallel- oder Direktimport. Am nächsten an die Quote von Hyundai kommen Suzuki (16,3 Prozent) und Fiat (14,4 Prozent), bei Marken wie Mercedes-Benz, Peugeot oder Mazda liegt die Quote sogar unter 3 Prozent.

Legende:
Anteil der Parallel- und Direktimporte am Gesamtmarkt Mehr als jeder fünfte Hyundai, der dieses Jahr importiert wurde, kam durch Direkt- oder Parallelimport in die Schweiz. Bei keinem anderen Autohersteller, der mehr als 300 Autos im Land verkauft, ist der Wert so hoch. VFAS

Im Zuge der BMW-Busse

Legende: Video Der «Kassensturz» deckt 2010 die Praktiken von BMW auf abspielen. Laufzeit 6:12 Minuten.
Aus Kassensturz vom 19.10.2010.

So auch bei BMW: bisher kamen 2017 nur 1,2 Prozent der Fahrzeuge via Parallel- oder Direktimport in die Schweiz. Der Umgang mit Parallelimporteuren brachte den Münchner Autogiganten aber bereits in juristische Schwierigkeiten: BMW hinderte in der Vergangenheit – wie der «Kassensturz» 2010 aufdeckte – Schweizer Kunden daran, Autos direkt zu importieren. Dafür wurde dem Konzern von der Weko eine Busse von 157 Millionen Franken auferlegt, welche das Bundesgericht im November dieses Jahres in letzter Instanz bestätigte.

Die Fälle von BMW und Hyundai seien durchaus vergleichbar, meint Roger Zäch. Der emeritierte Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich sieht dieselben Absichten bei beiden Betrieben: «BMW und Hyundai haben das gleiche Ziel: Sie wollen, dass ihre Produkte nur über den offiziellen Kanal verkauft werden, wo sie höhere Preise festsetzen können.» Zäch geht davon aus, dass die Weko im Fall von Hyundai einschreiten wird.

Auch der VFAS hält BMW und Hyundai für vergleichbar und rechnet sich deswegen gute Chancen aus. Für Roger Kunz vom VFAS hört das Problem allerdings nicht bei diesen zwei Herstellern auf: «Im Automobilmarkt finden generell sehr viele Behinderungen von Importen statt. Es gilt hier ein Zeichen zu setzen.»

Hyundai kommentiert den Fall nicht. Die Schweizer Tochterfirma lässt verlauten: «Hyundai Suisse hat bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Kenntnisnahme einer Anzeige durch die Wettbewerbskommission.» Die Weko bestätigt den Eingang der Anzeige des VFAS und wird die Situation prüfen.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Legitim sein Fahrzeug parallel zu importieren, habe mich selbst ab der Einfacheit gewundert. Leider ist das bei andern Produkten des täglichen Bedarfs noch nicht überall der Fall.
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  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    Dieses traurige Spiel wird schon seit Jahrzehnten betrieben. Wenn die Kunden wüsste, wie viele Konsumgüter vom Französischen Parfüm bis zum Automobil auf diese weise in der Schweiz zu teuer verkauft werden, würden ihnen die Haare zu Berge stehen. Zum Beispiel Tafelporzellan der Top Marken sind im Ausland bis zu 40% günstiger zu haben. (Hutschenreuther,Villeroy &Boch, Maissen, Schönwald und Bauscher) Höchste Zeit, diesen Konsumenten Betrug mit unseligen Preisabsprachen ab zu schaffen.
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  • Kommentar von Lesek Hottowy (Lhot)
    Die Angeklagten in diesem Fall sind die monopolistischen Generalimporteure, die jeglichen Wettbewerb ausschalten und willkürliche überhöhte Preise schon seit Jahrzehnten den Kunden zumuten. Es sollte endlich auch in der Schweiz die freie Marktwirtschaft gelten. AMAG, EMIL FREY und Co sollten den Generalimporteurstatus sofort verlieren. Die Auto würden damit10 bis 20 Prozent billiger.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Für was brauchen die deutschen und französischen Marken überhaupt noch einen Generalimporteur? Die Fabriken liegen ja sozusagen vor unserer Haustüre.
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    2. Antwort von Robert Frei (RFrei)
      Es ist nicht unbedingt der Generalimporteur, der den CH-Preisaufschlag macht. Schlimmer ist es, dass Autohersteller bereits für die Schweiz einen höheren Preis vom CH-Generalimporteur verlangen, als von den Händlern im eigenen Land.
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