Zum Inhalt springen

Wirtschaft Bergtourismus leidet besonders unter starkem Franken

Die Hotels in der Schweiz haben letztes Jahr mehr Gäste empfangen. Die Zahl der Übernachtungen nahm leicht auf fast 36 Millionen zu. Für einen Rekord sorgten die Schweizer. Vor dem starken Franken zittern nun aber die Bergregionen.

Legende: Video Schweizer Gäste zurückholen abspielen. Laufzeit 1:40 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 23.02.2015.

Dank dem schönen Herbst können die Hoteliers in der Schweiz mit der Gästebilanz des vergangenen Jahres zufrieden sein: Die Zahl der Logiernächte erhöhte sich um 0,9 Prozent auf fast 35,9 Millionen.

  • Besonders gut lief der Binnentourismus: Bei den Schweizer Gästen wurde zum ersten Mal seit Anfang der 1990er-Jahre die Schwelle von 16 Millionen Übernachtungen erreicht.
  • Ausländerinnen und Ausländern buchten insgesamt 19,9 Millionen Logiernächte (+ 0,9 Prozent), wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilt.

Asien legt weiter zu

Mehr Touristen kamen aus Asien (+9,9 Prozent). Bei den europäischen Gästen dagegen verzeichneten die Hotels dagegen einen Rückgang um 1,9 Prozent.

Die Steigerung haben die Hotels ausschliesslich im zweiten Halbjahr erreicht. Von Juli bis Dezember legten die Übernachtungen um 1,7 Prozent zu. Besonders hoch war der Anstieg in den Monaten Oktober und Dezember, wobei die stärkste Zunahme im Oktober verzeichnet wurde (+ 5,7 Prozent).

Städte profitieren erneut stark

  • Das grösste absolute Wachstum verzeichnete die Region Zürich mit fast 130'000 zusätzlichen Logiernächten (+2,4 Prozent).
  • Graubünden dagegen musste mit einem Minus von 109'000 Logiernächten (-2,1 Prozent) einen deutlichen Rückgang hinnehmen.
  • Im Tessin betrug die Gäste-Einbusse gar 3,8 Prozent.

Frankenschock schadet vor allem Bergtourisums

Die Freude über die gestiegenen Logiernächtezahlen währte indessen nicht lange: Am 15. Januar gab die Nationalbank die Frankenuntergrenze zum Euro auf, wodurch Ferien in der Schweiz für Ausländer mit einem Schlag rund einen Fünftel teurer wurden.

Nun sieht es insbesondere für den Bergtourismus düster aus. Sollte der Franken weiter sehr stark bleiben, rechnet die Branchenorganisation Schweiz Tourismus mit einem mittelfristigen Einbruch bei der Auslastung der alpinen Hotellerie von bis zu 10 Prozent. Die Städte dagegen könnten weniger betroffen sein. Alpine Destinationen zögen weniger Gäste aus aufstrebenden Fernmärkten wie zum Beispiel aus China an, sagte Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid.

Mit Marketing gegen Frankenstärke

Organisation ist bei ihren Berechnungen von einem Euro-Wechselkurs von 1.05 Fr. ausgegangen und sieht dabei folgende Szenarien:

  • Für die gesamte Schweiz ein Minus bei den Hotelübernachtungen von 3,1 Prozent für die Jahre 2015 und 2016.
  • Für den alpinen und ländlichen Tourismus einen Taucher um 5,6 Prozent.

Die Marketingorganisation Schweiz Tourismus will der starken Aufwertung des Frankens kurzfristig mit einer Kampagne begegnen, die sich vor allem an die inländischen Gäste richtet. Das gab die Organisation an ihrer Jahresmedienkonferenz bekannt.

Fast vier Millionen Franken budgetiert

Die Marketingkampagne im Überblick:

  • Sie soll in erster Linie der Stabilisierung des wichtigen Heimmarktes Schweiz dienen.
  • Kosten: rund 3,9 Mio. Franken
  • Einen Auftritt innerhalb der Kampagne erhält auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann.
  • Verstärken will Schweiz Tourismus zudem die Werbung in weniger preissensiblen Märkten in Europa. Das sind vor allem die nordischen Länder.
  • Angesprochen werden sollen ferner gut verdienende Touristen in den baltischen Staaten, im Balkan und in der Türkei.

Mittelfristig strebt Schweiz Tourismus die Erhöhung des Rahmenkredits des Bundes für die Tourismuswerbung an. So beantragt der Verband für die Jahre 2016 bis 2019 eine Erhöhung des Kredits von bisher verlangten 240 Mio. auf 270 Mio. Franken. Der Bundesrat schlägt für den gleichen Zeitraum einen Gesamtkredit in Höhe von 220 Mio. Fr. vor.

STV präsentiert Strauss von Forderungen

Der Schweizer Tourismus-Verband (STV) nutzt die Aufhebung des Euro-Mindestkurses und präsentiert einen ganzen Forderungskatalog: Der STV verlangt neben vermehrter Werbung vor allem mehr Geld und bessere Rahmenbedingungen für den Tourismus. So soll der Sondersatz der Mehrwertsteuer für den Tourismus von 3,8 Prozent im Gesetz verankert werden. Und Pistenfahrzeuge sollen von der Mineralölsteuer befreit werden und keine Partikelfilter montieren müssen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hermann Dettwiler, Langenthal
    Obige Analyse zeigt das anspruchslose Geschäftsmodell der Touristenbranche: Touristen rein - Geld abnehmen - Touristen raus, wie auf der Animiermeile...tolle Schweiz???
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Bühler, Biel
    Rekordzahlen und trotzdem Forderungen an den Staat und unser Staatssender gibt das Gejammer wortgetreu wieder. Wie wärs mit der einfachen Frage nach dem warum? Warum noch mehr? Haben wir Planwirtschaft? Habe ich etwas verpasst? Wo kann ich meine Firma einschreiben? JSA mit Kampagnen-Auftritt...kein Wunder, dass dies so teuer wird.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Karl Rätzer, Rünenberg
    Wenn es sich Restaurants in Schweizer Wintersportorten leisten können, während der Hochsaison 2 Tage pro Woche zu schliessen, dann muss es denen ja hervorragend gehen. In meinem Beruf war es normal, während der Hochsaison auch mehr zu arbeiten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen