BIP 2015 flau, Handel mit China mau

Das Freihandelsabkommen mit China hat noch nicht richtig gezündet. Doch der Handel mit China läuft zufriedenstellend. Die Ökonomen der KOF gehen auch weiterhin von einer kurzen Rezession in der Schweiz aus. Nächstes Jahr soll es wieder aufwärts gehen.

  • Exporte nach China sind um 3,5 Prozent gestiegen.
  • Importe aus China stiegen sogar um 5,7 Prozent.
  • Schweizer Wirtschaft wächst dieses Jahr nur um 0,4 Prozent.
  • Für das Jahr 2016 rechnet die KOF mit einem Wachstum von 1,3 Prozent.

Das Freihandelsabkommen Schweiz/China, das im Juli 2014 in Kraft getreten ist, bleibt ein Meilenstein der Schweizer Aussenwirtschaftspolitik. Der Wachstumsschub, der allenthalben für die Schweizer Exportindustrie erwartet worden war, lässt aber noch auf sich warten. Dennoch ziehen Wirtschaftsvertreter eine positive vorläufige Bilanz.

Seit das Freihandelsabkommen gültig ist, sind laut der Handelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung die Schweizer Exporte nach China im Vergleich zur Vorperiode um 3,5 Prozent gestiegen. Mit 5,7 Prozent legten die Einfuhren noch stärker zu. Verglichen wurde dabei jeweils der Zeitraum von Juli bis April.

Damit ist der Aussenhandel der Schweiz mit China stärker gewachsen als mit der übrigen Welt. Hier nahmen die Exporte um 1,7 Prozent und die Importe um 2,6 Prozent zu, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) feststellt.

Handelsbilanz-Defizit mit China wieder gewachsen

China blieb 2014 der sechstwichtigste Exportmarkt für Schweizer Produkte und der viertgrösste Zulieferer der Schweiz. Das Handelsbilanz-Defizit gegenüber China weitete sich allerdings innert Jahresfrist von 3,18 Milliarden Franken auf 3,33 Milliarden aus.

Mittel- bis langfristig werde der Handel mit China deutlich zulegen, glaubt Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft bei Economiesuisse. Man sei aber mit den aktuellen guten Handelszahlen mehr als zufrieden. Dieses Exportwachstum habe nämlich in einem schwierigen Umfeld mit einem gedämpften chinesischen Wirtschaftswachstum realisiert werden können.

In die gleiche Kerbe schlägt man auch beim Seco. Die jüngste Entwicklung der schweizerisch-chinesischen Handelsbeziehungen erscheine noch dynamischer, wenn berücksichtigt werde, dass sich das jährliche BIP-Wachstum in China in letzter Zeit praktisch halbiert habe. Zuvor lag dieses meist im zweistelligen Bereich.

Kurze Rezession in der Schweiz

Den positiven Signalen aus China stehen die stagnierenden Zahlen in der Schweiz gegenüber. Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich geht davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft dieses Jahr mit 0,4 Prozent nur leicht zulegt. Im März veranschlagte die KOF noch 0,2 Prozent.

Nach wie vor rechnen die Ökonomen mit einer kurzen Rezession, die aber bereits im zweiten Halbjahr überwunden sein wird. In der Leseart der Ökonomen ist eine Rezession gegeben, wenn das Wirtschaftswachstum in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schwächer wird.

Kof schätzt Jahr 2016 optimistischer ein

Für 2016 geht die KOF von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,3 Prozent aus. Auch das ist leicht besser als noch im März, als sie mit einem Prozent rechnete.

Die Ökonomen der KOF sind zumindest für 2015 leicht pessimistischer als die Kollegen von anderen Prognosestellen. Diese rechnen im Durchschnitt mit 0,7 Prozent Wachstum im laufenden Jahr. Hingegen veranschlagen sie nur 1,2 Prozent für 2016. Das sind die Werte aus dem am vergangenen Montag veröffentlichten KOF Consensus Forecast. Für diesen Bericht sammelt die KOF die Prognosen von 16 bis 20 Instituten, während sie in den regulären vierteljährlichen Prognosen eigene Schlüsse zieht.

Uhrenbranche geht nach

Auf einen Schub durch das Freihandelsabkommen wartet weiterhin die Uhrenindustrie. Die Uhrenexporte nach China gingen laut dem Uhrenverband FH im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent zurück. Jean-Daniel Pasche, FH-Präsident , sieht die Gründe unter anderen in den vermehrten Uhrenkäufen von chinesischen Touristen im Ausland.