Blocher wird nun offiziell Mitbesitzer der BaZ-Holding

Über Jahre hat er bei der in Schieflage geratenen «Basler Zeitung» mehr oder weniger im Hintergrund die Fäden gezogen. Jetzt wird Christoph Blocher – Unternehmer und SVP-Politiker – offiziell Mitbesitzer der Basler Zeitung. Zudem soll er Mitglied des Verwaltungsrats werden.

Video «Wichtiger Geldgeber der BaZ» abspielen

Wichtiger Geldgeber der BaZ

3:19 min, aus Schweiz aktuell vom 2.7.2013

Nationalrat Christoph Blocher steigt bei der BaZ-Holding ein. Er übernimmt mit seiner Finanzierungsgesellschaft Robinvest für 306'000 Franken 20 Prozent des Aktienkapitals. Und er soll Verwaltungsrat der BaZ-Holding werden.

Zudem übernehme Robinvest von der Medienvielfalt-Holding (MVH) Darlehen in der Höhe von 40 Millionen Franken, welche die MVH bisher der BaZ-Holding gewährt habe, schrieb der Verwaltungsratspräsident der BaZ-Holding, Nationalrat Filippo Leutenegger, in der «Basler Zeitung».

Gewinnbeteiligung angebracht

Blocher habe bei der bisherigen Sanierung der BaZ-Gruppe eine wichtige Rolle innegehabt, sagte MVH-Mehrheitsaktionär Tito Tettamanti im Gespräch mit der Zeitung. Nun solle er sich am Gewinn beteiligen können, den das Unternehmen hoffentlich mache. Die Idee für die Beteiligung Blochers sei von der MVH ausgegangen.

Die Sanierung der BaZ soll bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Der neue Mitbesitzer Christoph Blocher rechnet bereits für das laufende Jahr mit schwarzen Zahlen. Nächstes Jahr soll die BaZ wieder einen Gewinn abwerfen. sagte er.

Nach Angaben Blochers steht die BaZ wieder gut da: Die Liquidität sei wieder in Ordnung. Das Unternehmen habe keine Bankschulden mehr und auch die Pensionskasse sei saniert.

Blocher will Unabhängigkeit sichern

Auf den publizistischen Kurs der «Basler Zeitung» werde er keinen Einfluss nehmen, versicherte Blocher. Sein Ziel sei es, die Unabhängigkeit der «Basler Zeitung» von einem der grossen Verlage zu bewahren und damit zur Medienvielfalt beizutragen. Dass die BaZ zum Kopfblatt einer andern Zeitung wird, komme für ihn nicht in Frage.

Mit der heutigen BaZ mit seinem Biographen Markus Somm als Chefredaktor ist Blocher überaus zufrieden. Gerade der Inlandteil sei landesweit führend. Ein SVP-Blatt wolle er aus der BaZ nicht machen, hält der alt Bundesrat fest – er sei doch kein Dummkopf.

Blocher – umstrittene Person im Hintergrund

Die MVH besass bisher 100 Prozent der BaZ-Holding. Tettamanti hatte den serbelnden Zeitungs- und Druckereikonzern im Februar 2010 der Verlegerfamilie Hagemann abgekauft; dabei war Anwalt Martin Wagner als neuer Verleger aufgetreten. Als Tettamanti und Wagner im August 2010 Blocher-Biograph Markus Somm als BaZ-Chefredaktoren einsetzten, kamen erstmals Vermutungen auf, Blocher sei bei der «Basler Zeitung» involviert.

Tettamanti verkaufte im November 2010 weiter an den früheren Crossair-Patron Moritz Suter. Dieser gab ein gutes Jahr danach frustriert auf und seine Aktien an Rahel Blocher zurück – dabei wurde Blochersches Miteigentum öffentlich bekannt. Rahel Blocher verkaufte noch im selben Monat weiter an Tito Tettamantis Holding.