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Boom bei Immunpräparaten Der wachsende Markt der Blutplasma-Produkte

Lukratives Blutplasma
Legende: Blutplasma ist ein lukrativer Rohstoff für die Pharmaindustrie SRF

Worum geht es? Schweizer Pharma-Unternehmen gehören zur exportstärksten Branche des Landes. Zwischen November 2016 und 2017 sind laut eidgenössischer Zollverwaltung Pharmazeutika im Wert von 69 Milliarden Franken exportiert worden - ein Viertel aller Ausfuhren.

Was kaum auffällt: Neue Medikamente, besonders Immunpräparate, machen inzwischen einen Anteil von 40 Prozent der Pharma-Exporte aus.

Oft basieren diese Medikamente auf menschlichen Blutbestandteilen. Genaue Zahlen werden nicht erhoben.

Die Wachstumsaussichten in diesem Markt sind jedoch blendend, sagt Michael Nawrath, Mediziner und Pharma-Analyst der Zürcher Kantonalbank.

Analyst und Mediziner Michael Nawrath
Legende: Analyst und Mediziner Michael Nawrath sieht gute Wachtsumsmöglichkeiten für die Branche. SRF

Wer dominiert die Branche? Internationaler Marktführer ist die australische CSL Behring. Der Konzern erwirtschaftet einen Umsatz von 7 Milliarden US-Dollar. Ein grosser Teil stammt aus Schweizer Produktion.

Am traditionsreichen Standort Bern verarbeitet das Unternehmen mit 1500 Angestellten nach eigenen Angaben über 5 Millionen Liter Blutplasma pro Jahr.

Ursprünglich für Menschen mit einer Immun-Schwäche entwickelt, finden solche Medikamente aus Blutbestandteilen eine immer breitere Anwendung.

Grosser Treiber ist vor allem die zunehmende Alterung der Bevölkerung. Aufgrund der hervorragenden Perspektiven wird CSL Behring in den Standort Bern 250 Millionen Franken investieren.

Woher kommt der Rohstoff? Den Bedarf an Plasma sichert sich CSL Behring grossteils aus den USA: rund 70 Prozent. Dort unterhält der Konzern über die Tochtergesellschaft CSL Plasma ein Netz von über 170 Spende-Zentren - auch in einkommensschwachen Regionen.

Der Vorwurf: Das Unternehmen beute willige, aber finanzschwache US-Plasma-Spender aus und verdiene dabei selber Milliarden. 200 Dollar und mehr können Plasma-Spender monatlich verdienen.

Pierre Caloz, CSL-Geschäftsführer Standort Bern sagt: « Wir versuchen wirklich, dass jeder unserer Spender freiwillig spendet. Und ehrlich gesagt, deckt die Entschädigung, die wir ihnen geben, nur die Zeit, die sie aufwenden, um ihr Plasma zu spenden. Das sind keine Beträge, die wirklich als Lohn oder Lohnbestandteile gelten können. Von unseren 1.5 Millionen Spendern ist wirklich nur ein ganz kleiner Teil auf dieses Zusatzeinkommen angewiesen.»

CLS Behring ist Weltmarktführer
Legende: CLS Behring ist Weltmarktführer SRF

Wie gross ist das Markt-Potenzial? Das Wachstum der Branche scheint derzeit grenzenlos. So will CSL Behring den chinesischen Markt erschliessen: Als Produktions-Standort über eine Mehrheitsbeteiligung an einer chinesischen Firma und über den Aufbau eines Plasma-Spender-Netzes wie in den USA .

Michael Nawrath findet es sehr gut, dass es diese Art von Medikamenten gibt. Eine künstliche Herstellung solcher Präparate würde teurer kommen als die Gewinnung aus menschlichem Blutplasma. Und die Branche generiere in der Schweiz damit eine hohe Wertschöpfung.

Legende: Video Pharma: Die Analyse des Exportwunders abspielen. Laufzeit 7:52 Minuten.
Aus ECO vom 29.01.2018.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Tobi Hartmann (Tobias Hartmann)
    Kein Wunder gehen immer weniger Leute spenden, man bekommt nichts dafür, aber die Firmen verdienen nachher Millionen damit.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Zweifellos ein Wachstumsmarkt. Nebst sich selber sind die grössten Feinde des Menschen die Kleinstlebewesen. Viren und Bakterien haben deutlich grössere Reproduktionsraten, kürzere Generationendauern und dadurch eine massiv höhere Mutations- bzw. Anpassungsrate. Allein diese Umstände verlangen nach immer mehr und immer diversifizierteren Immunpräparate. Wer am menschlichen Traum der Lebensverlängerung verdienen will, investiert in diese Technologie.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Ausbeutungsvorwürfe, die sich hier auf eine Entlöhning von 20 Minuten Einsatz beziehen, wären wohl gewinnbringender für Leute eingesetzt, die Tag für Tag zu unfairer Entlöhnung arbeiten. Aber eben... unsere Welt spürt sich nicht mehr, und hat darum auch kaum mehr Relationen vor Augen... ;-)
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