Brasilianer kaufen Schweizer Banken

Gut ein Viertel aller grenzüberschreitend angelegten Vermögen finden bei Schweizer Banken Unterschlupf, schätzt das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group. Die Dienste hiesiger Banker nehmen auch viele Brasilianer in Anspruch. Und neuerdings kaufen sie sogar ganze Banken.

Marcelo Kalim, Finanzleiter der brasilianischen Bank BTG Pactual, rechts, neben Stefano Coduri, CEO von BSI.

Bildlegende: Die Privatbank BSI (CEO Stefano Coduri, links) wurde an die BTG Pactual (Finanzchef Marcelo Kalim) verkauft. Keystone

Zwei Filet-Stücke hätten sich die Brasilianer da geschnappt, meint Martin Maurer, Geschäftsführer des Verbands der Auslandbanken in der Schweiz. Die Bank Sarasin und die Banca della Svizzera Italiana (BSI) sind zwei bedeutende Häuser auf dem Schweizer Finanzplatz. Zusammen verwalten sie über 200 Milliarden Franken.

Unter den Banken in ausländischem Besitz sind sie die Nummer eins und zwei. «Die Brasilianer haben hier zwei sehr gute Banken erwerben können», so Maurer. «Beide sind schon sehr lange in der Schweiz, haben eine gute Kundenbasis. Ich glaube, das ist eine hervorragende Ausgangslage für sie, sich im Private Banking zu etablieren.»

Finanzkonzern auf Expansionskurs

Vor bald drei Jahren sicherte sich die schwerreiche Bankier-Familie Safra aus Brasilien die Kontrolle über Sarasin. Und die BSI kündigte diesen Juli den Wechsel des Besitzers an: Künftig hat bei der ältesten Privatbank des Tessins BTG Pactual das Sagen. Der brasilianische Finanzkonzern ist im Investment Banking gross geworden.

Fassade einer J.-Safra-Sarasin-Bank mit dem Schriftzug in weissen Lettern.

Bildlegende: Die Bank Sarasin heisst seit Mai 2013 Bank J. Safra Sarasin – nach der Übernahme durch die Familie Safra. Keystone

Nun will BTG Pactual mit der BSI in der weltweiten Vermögensverwaltung expandieren. Dazu sei die Schweiz der ideale Ort, sagt Maurer vom Auslandbanken-Verband.

Direkt vor Ort in den aufstrebenden Ländern Lateinamerikas könne man die betuchte Kundschaftweit weniger gut bedienen. Von der Schweiz aus gehe das besser. Denn hier hätten die Banken die ganze Palette der Produkte im Angebot und böten vollen Zugang zu allen möglichen Formen der Finanzanlagen.

«Wenn sie in verschiedenen Währungen, Börsen, Titeln, Aktien, Obligationen, Fonds und kompliziertere Produkte investieren wollen, dann brauchen sie einen internationalen Finanzplatz, den diese Länder zuhause nicht haben. Dann ist die Schweiz einfach die beste Alternative zu ihrem Heimmarkt», erklärt Maurer.

Weissgeldstrategie erschwert das Geschäft

Die Schweiz lockt mit Know-how im globalen Banking, aber auch mit politischer Stabilität und einer festen Währung. Dazu kommt, dass hiesige Banken derzeit günstig zu haben sind. Günstig, weil etablierte, europäische Finanzkonzerne ihre Schweizer Privatbanken-Töchter verkaufen. Ihnen ist es zu aufwändig, die laufende Bereinigung und Neuausrichtung in der Branche, weg von der Verwaltung undeklarierter Gelder und hin zur neuen Weissgeldstrategie, mitzumachen.

Noch ist dieser Prozess nicht abgeschlossen. Noch verwalten die Banken neben versteuertem auch unversteuertes Geld. Altlasten, die bei einer Übernahme auf den Preis drücken. «Alle Banken sind sehr stark durch eine Regularisierung ihrer Kunden gegangen», sagt Maurer. «Das wird auch ein Thema gewesen sein in den Übernahmen. Für nicht versteuerte Kundenvermögen zahlt heute kaum mehr ein Aktionär Geld.»

Schwierige Zeiten für das Schweizer Private Banking: Ausländische Regierungen machen Druck. Sie wollen wissen, wer von ihren Steuerzahlern wie viel Geld in der Schweiz hat. Das bedeutet Mehraufwand für die Banken. Und zusätzliche Kosten, sagt Alfredo Gysi, Verwaltungsratspräsident der frisch nach Brasilien verkauften BSI. «Für jedes einzelne Land muss ich ein spezifisches Geschäftsmodell definieren, wie ich Kunden betreuen kann, in Anbetracht der verschiedenen Steuersysteme.»

Bankenübernahmen trotz Altlasten lohnend

Die Brasilianer schreckt das offensichtlich nicht ab. Sie sehen die Wachstumschancen in einem Geschäft, das sich noch immer lohnt. Das Private Banking behalte zweifelsfrei seinen finanziellen Reiz, meint Daniel Kessler, Partner bei der Boston Consulting Group. «Das grenzüberschreitende Vermögensverwaltungsgeschäft ist nach wie vor lukrativ. Die Kunden suchen professionellen Service, Anlage- und Vermögensstrukturierungs-Möglichkeiten und sind auch bereit, dafür zu zahlen.»

Der Unternehmensberater rechnet vor: «Die Margen sind zurückgekommen, aber im Vergleich zu anderen Geschäften nach wie vor sehr attraktiv. Im letzten Jahr hat der durchschnittliche Vermögensverwalter in der Schweiz 25 Basispunkte auf einen Franken verwaltetes Vermögen verdient.»

Das ist ein Viertel Rappen pro Franken und macht 2,5 Millionen Franken Profit auf eine Milliarde Kundengelder – durchaus ein lohnendes Geschäft. Deshalb werden sich wohl auch für weitere Privatbanken hierzulande Käufer finden lassen. Nicht nur solche aus Brasilien.