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Wirtschaft Briefkastenfirmen in der Schweiz vor dem Aus

In einem einzigen Mehrfamilienhaus im jurassischen Soyhières haben 182 Firmen ihren Sitz. Diese Firmen haben weder ein eigenes Büro, noch eine Telefonnummer. Es handelt sich um sogenannte Briefkastenfirmen. Diese stehen in der Schweiz vor dem Aus. Doch was ist der Sinn und Zweck dieser Firmen?

Legende: Video Briefkastenfirmen unter Druck abspielen. Laufzeit 4:45 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.11.2015.

Insgesamt gibt es rund 49'000 Briefkastenfirmen in der Schweiz. Diese Unternehmen üben hierzulande wenig bis keine Tätigkeit aus. Die Gewinne verschieben sie vom Ausland in die Schweiz, wo sie Steuern zu einem Vorzugstarif bezahlen: Im Unterschied zu normalen Schweizer Unternehmen müssen sie nur Bundessteuern bezahlen, aber keine Kantons- und Gemeindesteuern.

Sie besitzen keine Telefonnummer oder Mitarbeiter, aber eine c/o-Adresse. Über diese Adresse läuft die Post, nicht aber der Grossteil der Geschäfte. Laut Gesetz sind es Unternehmen nach Schweizer Recht, aber ohne Geschäftstätigkeit hier zu Lande. Doch den Briefkastenfirmen droht das Ende. Der ausländische Druck steigt und auch am Hauptsitz der OECD stehen die nach Schweizer Recht legalen Firmen schon lange in der Kritik als Vehikel zur Steuervermeidung.

Fast ein Drittel der Zuger Steuereinnahmen

«Die Firmen werden bald in andere Kantone mit tieferem Steuersatz ziehen oder das Land ganz verlassen müssen», erklärt Rechts- und Steuerexperte Andreas Staubli von PWC. Die Folgen: Statt den bisher tiefen Steuern werden sie bald mindestens das eineinhalb- oder gar dreifache bezahlen müssen. Besonders bitter ist dies für den Kanton Zug. Alleine an der Baarerstrasse in der Stadt Zug sind 741 Briefkastenfirmen registriert.

Rund 25-30 Prozent der kantonalen Steuereinahmen stammen von Briefkastenfirmen. «Wir wissen schon länger, dass diese Firmen umstritten sind, deswegen bauen wir auf Firmen mit Substanz», erklärt der Zuger Finanzdirektor Peter Hegglin. Während der Kanton Zug am meisten dieser Firmen hat, liegt im Kanton Jura ein anderer Rekord: An keiner einzigen Adresse sind so viele Briefkastenfirmen registriert wie am Chemin du Chateau in Soyhières.

Top-10-Adressen für Briefkastenfirmen in der Schweiz

Adresse
Ortschaft
Briefkastenfirmen
Chemin du Château 26A
2805 Soyhières
182
Murbacherstrasse 37
6003 Luzern
140
Baarerstrasse 75
6300 Zug
89
Chamerstrasse 172
6300 Zug
73
Poststrasse 6
6300 Zug
71
Riva Giocondo Albertolli 1
6900 Lugano
63
Gewerbestrasse 5
6330 Cham
61
Rue du Nant 8
1207 Genève
59
Rue des Pilettes 3
1700 Fribourg
56
Rathausstrasse 14
6340 Baar
56

19 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Mathys (wmathy)
    Solange auch die USA die gleichen Geschäfte betreiben, sollten wir keinen millimeter davon abweichen. Dies gilt natürlich für alle anderen Staaten auch.
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    1. Antwort von Klaus Waldeck (kdwbz)
      Wenn Ihre Grundeinstellung lautet: "das was die anderen tun das ist auch mir erlaubt" , dann trifft Ihre Aussage zu. Aber ich verhalte mich NICHT kriminell nur weil ein anderer sich kriminell verhält. Eigenverantwortung , Erziehung und Ethik sollten nicht nur Schlagworte sein.
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    2. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      Nun Herr Waldeck. Mit Gründung einer anonymen Firma lassen sich in den USA leicht Steuern hinterziehen. Die Regierung macht das sogar einfach. Was sie im eigenen Land zulässt, wird im Ausland hart verfolgt - vor allem in der Schweiz. "Wir laden Ausländer zur Geldwäsche in die USA ein. Wir verfolgen unsere Steuersünder im Ausland und bestrafen ausländische Banken als Helfershelfer. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn wir im umgekehrten Fall auch so strikt wären“ Heather Lowe
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  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Nach meiner Meinung ist die Eröffnung und der Betrieb einer Briefkastenfirma die Basis für Betrug(sversuche) am Staat und auch an Privatpersonen. Dieses System gehört weltweit abgeschafft.
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  • Kommentar von Bänziger Jean (Jeban)
    Es erstaunt mich wie die Menschheit naiv und voller Neid ist. Es ist sicher legitim links oder ganz links zu politisieren, aber man müsste die Realität doch noch im Kopf haben. Wie lange geht es noch bis wir merken, dass die EU oder OECD unser Wohlstand kaputt machen. Wenn so grosse Steuereinnahmen wegfallen müssen wir diese selber bezahlen, denn die Ausgaben, vor allem im Sozialbereich, werden nicht kleiner. Auch die "Linken". Nur die dümmsten Kälber suchen ihren Metzger selber aus.
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    1. Antwort von andreas furrer (andfurrer)
      @ bänziger jean: es geht wohl mehr darum, die kriegskasse zu alimentieren um das system am laufen zu halten das diesen wohlstand generiert. das hat weder mit links, rechts oder naiv zu tun, sondern mit simplen sachzwängen und abhängigkeiten.
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