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Busse im Fernverkehr Haltestellen ohne Anschluss

Neben der SBB sollen in Zukunft auch Busse im Fernverkehr innerhalb der Schweiz mitmischen dürfen. Das Bundesamt für Verkehr wird wohl demnächst dem Reisebus-Anbieter Domo die Konzession dafür erteilen. Doch die Suche nach Haltestellen in Stadt-Zentren gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Grosser Reisebus auf Parkplatz
Legende: Der Vorschlag der Stadt Chur: Ein Parkplatz 2 Kilometer vom Zentrum entfernt. SRF

Patrick Angehrn will mit seinen Reise-Bussen direkt in die Stadtzentren. Am liebsten würde er direkt neben den Bahnhöfen halten. «Die Gäste unserer Fernbusse sollen direkt vom Zug auf den Bus und umgekehrt umsteigen können», sagt der Leiter Linienverkehr bei Domo-Reisen. Nur so seien Fernbus-Linien zwischen grossen Schweizer Städten eine echte Alternative zur SBB.

Chur: Kein Platz auf dem Bus-Deck

Am Bahnhof Chur, oberhalb der Geleise, liegt das Postauto-Deck. Hier möchte Domo mit seinen Fernbussen halten. Auch der Deutsche Fernbus-Anbieter Flixbus hat hier ein eigenes Parkfeld. Doch die Eigentümerin Postauto-Schweiz winkt ab: In der Hauptsaison sei das Bus-Deck schon jetzt überlastet.

Eine Schweizer Premiere

Bisher hatte die SBB im Schweizer Fernverkehr das Monopol. Das soll sich nun ändern. So will es auch der Bundesrat, wie er in einem Bericht Ende Oktober schreibt. Als erstes hat nun das Reisebus-Unternehmen Domo für fünf Schweizer Linien eine Konzession beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht. Einen Entscheid hat das BAV noch nicht gefällt. Denn Domo muss dem BAV für jeden Halte-Ort eine zugesicherte Haltestelle vorweisen können.

Auch die Stadt Chur zeigte lange kein Interesse am Schweizer Fernbus. Rund zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt auf einem trostlosen Parkplatz sollte der Fernbus seine Passagiere ein- und aussteigen lassen.

«Die Stadt muss sich schon fragen, ob sie so ihre Feriengäste und Einwohner empfangen will», so Patrick Angehrn von Domo-Reisen. Das sieht nun auch die Stadt ein. Sie prüft einen Halt unmittelbar beim Bahnhof Chur.

Biel: «Innenstadt ist jetzt schon voll»

Auch in Biel, direkt beim Bahnhof, gibt es ein Car-Terminal. Doch Biel will keine Busse in der Innenstadt: «In der Innenstadt ist schon sehr viel los. Wir wollen nicht noch mehr Verkehr», sagt Roger Racordon, Leiter Infrastruktur bei der Stadt Biel. Aber eine Haltestelle ausserhalb, in der Nähe der Autobahn, könne man Domo-Reisen sicherlich anbieten.

Bern und Bulle: Kein Interesse an einem Halt in der Stadt

Beispiel Deutschland

Front eines ICE der Deutschen Bahn
Legende:Die Deutsche Bahn kam durch die Fernbusse unter Druck.Reuters

Seit gut fünf Jahren ist der Fernverkehrsmarkt in Deutschland liberalisiert. Die Busse waren von Beginn weg mit W-Lan unterwegs und setzten auf Online-Reservierungssysteme. «Kaum waren die Fernbusse da, rüstete die Bahn beim Komfort auf», sagt Marktforscher Christoph Gipp. Auch die Preise der Bahn seien durch unzählige Sparangebote gesunken.

In Bern gibt es Car-Parkplätze bei der Schützenmatte in der Nähe der Reitschule. Doch die Stadt will, dass die Fernbusse zwei Kilometer ausserhalb des Zentrum beim Parkplatz Neufeld halten.

Man prüfe, ob man die Car-Plätze bei der Schützenmatte in den nächsten Jahren aufheben wolle, begründet die Stadt den Entscheid.«Wir wären auch mit einer zeitlich befristeten Nutzung einverstanden», sagt Angehrn. «Doch die Stadt wollte darauf nicht eingehen».

Bulle im Kanton Fribourg, ein Ort mit 22'000 Einwohnern. Am Bahnhof gäbe es eine Haltestelle für Reisebusse. Doch die Anfrage von Domo-Reisen für deren Nutzung beantwortet die Stadt negativ: «Bulle ist an das Netz der SBB angeschlossen und sieht keinen Bedarf für einen Fernbus».

Viel Zeit bleibt nicht mehr

Weil die Städte den Fernbus oft nicht im Zentrum wollen, verhandelt Domo-Reisen nun mit privaten Grundeigentümern. «Wir sind mit einigen Tankstellen-Ketten und mit Restaurantbesitzern in Verhandlungen», sagt Domo-Fernverkehrschef Patrick Angehrn. Viel Zeit für die Suche nach Alternativen bleibt dem Unternehmen nicht mehr. Anfang Dezember will Domo mit seinen Linienbussen starten.

Legende: Video Fernbusse: Haltestellen ohne Anschluss abspielen. Laufzeit 7:28 Minuten.
Aus ECO vom 06.11.2017.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ausserhalb der Städte riesige bewachte Parkplätze (nicht vierbetoniert sondern z.B. mit Obstbäumen usw.) erstellen, so kann jeder ganz bequem mit dem Auto herfahren und das Auto stehen lassen. Das vermeidet Doppelfahrten von den Bekannten welche die Passagiere zum Bus fahren und die dann wieder zurückfahren müssen. Das wäre doch ein schöner Nebenverdienst für "Bauern" auf ihrem Land!
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  • Kommentar von René Pfeifer (Whistler)
    Von wegen Postdeck überlastet in Chur.....man muß nur in der Zeit zw. 15 Minuten NACH und 15 Minuten VOR der vollen Stunde fahren, dann kommen keine Züge aus Zürich und St. Gallen an; demensprechend sozusagen KEIN Postautoverkehr auf dem Deck. Hier bremst der Kantonsrat und schiebt jetzt die Post als Verhinderer vor. Freie Marktwirtschaft sieht m. E. anders aus !
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    1. Antwort von Paul Moser (PaulM)
      Freie Marktwirtschaft - so so. Einfach die Infrastruktur, die andere aufgebaut haben und unterhalten, mitbenutzen wollen, ohne irgendwelche Investition und Eigenleistung. Nein, lieber Herr Pfeifer, das ist nicht Marktwirtschaft, das ist Raub-Kapitalismus oder weniger krass, Rosinenpickerei. So nicht.
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  • Kommentar von James Klausner (Harder11)
    Wer die Infrastruktur der Bahnhöfe nutzen will und die Innenstädte belastet, soll dafür auch mitbezahlen.
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