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Pandemiejahr 2020: BIP so schwach wie seit Jahrzehnten nicht mehr
Aus Rendez-vous vom 26.02.2021.
abspielen. Laufzeit 03:29 Minuten.
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Coronakrise in der Schweiz Schweizer Wirtschaft: Hoffen auf ein Ende mit Schrecken

Auch wenn die allerschwärzesten Prognosen nicht eingetroffen sind: Die Massnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie haben der Schweizer Wirtschaft schwer zugesetzt. Im letzten Jahr schrumpfte das Bruttoinlandprodukt um 2.9 Prozent. Das ist die schlechteste Jahresbilanz seit der Ölpreiskrise Mitte der 70er-Jahre.

Ein kleiner Trost für die Schweiz: In vielen Nachbarländern ist die Wirtschaft im Corona-Jahr 2020 noch tiefer abgestürzt. Auch deshalb, weil viele Länder härtere Gegenmassnahmen verordneten.

Ein Zwischenhoch - ohne Happy End

Auch in der Schweiz hätte es noch viel schlimmer kommen können. Noch im Frühling hatten die Ökonomen des Bundes nach dem harten Lockdown ein Minus von zehn Prozent für das Gesamtjahr erwartet. Dann kamen die Lockerungen und mit ihnen ein kurzes Zwischenhoch im dritten Quartal: Die Wirtschaft wuchs um gut sieben Prozent – das machte einen Teil der Verluste aus dem ersten Halbjahr wieder wett.

Doch als die Ansteckungszahlen nach den Lockerungen im Herbst wieder kräftig stiegen und erst einzelne Kantone und dann auch der Bundesrat Restaurants und Kinos zumachten und Grossevents verboten, war klar, dass es in 2020 kein Happy End geben würde. Vor allem die Dienstleistungsbranche litt unter den Massnahmen. Am schlimmsten traf es die Gastrobranche. Allein im vierten Quartal erzielte sie gut ein Fünftel weniger Wertschöpfung.

Es gab nicht nur Verlierer

Dass viele Menschen gezwungenermassen viel mehr Zeit zu Hause verbrachten, dämpfte den privaten Konsum. Weil sich viele Konsumentinnen und Konsumenten zu Hause aber selbst verpflegten und auch der Einkaufstourismus im Ausland ausfiel, konnte der Detailhandel trotzdem zulegen. Er verkaufte mehr Lebensmittel und – wegen der Homeoffice-Empfehlung des Bundesrats – auch mehr elektronische Geräte. Immerhin, ein Lichtblick.

Besser als erwartet schlug sich zum Jahresende auch die Industrie. Denn anders als bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr waren die globalen Lieferketten in der zweiten Welle nicht unterbrochen. Zudem profitierten viele Exporteure davon, dass die Wirtschaft in China inzwischen wieder wächst, als wäre nichts gewesen. Insbesondere die Schweizer Pharmaexporte trugen dazu bei, dass die Rezession im Gesamtjahr nicht noch tiefer ausfiel.

Es muss noch viel passieren

Noch lebt die Hoffnung, dass es in diesem Jahr mit der Schweizer Wirtschaft wieder kräftig nach oben geht. Das Seco geht für das Gesamtjahr nach wie vor von einem Plus von drei Prozent aus. Aber es muss noch viel passieren, darum die Prognose wahr wird. Nach den ersten beiden Monaten ist gemäss Seco noch keine Erholung in Sicht, die Wirtschaftsleistung schrumpft. Was auch nicht weiter erstaunlich ist, denn vorerst gelten die Einschränkungen des Bundesrats weiter.

Gut möglich also, dass der Bund bei seiner nächsten offiziellen Prognose am 11. März die bisherige Wachstumserwartung für das laufende Jahr nach unten korrigieren muss. Die Corona-Mutationen, verzögerte Impfstoff-Lieferungen und eine nur langsam anlaufende Impfkampagne machen es auch der Wirtschaft schwer, wieder auf die Spur zu kommen.

Rendez-vous, 26.02.2021, 12:30 uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Dominik Meier  (klippundklar)
    Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation haben wir uns zum grössten Teil durch ein desolates Krisenmanagement selber eingebrockt. Das ist die eigentliche Krise, und ich bin überzeugt, dass eine Aufarbeitung der Krise zum selben Schluss kommen wird.
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Es gibt nur ein Ende mit Schrecken, nämlich dann wenn noch eine dritte Welle mit Mutanten ankommt, es keinen Lockdown mehr gibt und das Sterben noch grösser wird. Die Aktienmärkte haben im Coronajahr so viel Gewinne abgeworfen wie seit der Finanzkrise nicht. Es wurden xxx Milliarden Franken verdient, bzw. von unten nach oben verteilt. Also kann der angebliche wirtschaftliche Schrecken wirklich einfach in Luft aufgelöst werden: Verteilt das Geld wieder dorthin, wo es erarbeitet wurde, dem Volk.
  • Kommentar von Michael Mauerhofer  (mmhofer)
    Ich könnte mir vorstellen, dass im Nachgang zur Corona-Krise der Euro fällt. Die Länder Südeuropas werden in Kürze wirtschaftlich derart geschädigt sein, dass diese Währungsunion in der Art nicht mehr haltbar ist. Und die Schweiz - mitten drin.