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Das Ende der Telefonkabine Hallo, ist da jemand?

Die Telefonkabine stirbt nach schleichendem Bedeutungsverlust einen leisen Tod.

Einst waren sie ein Ort, an dem Liebesdramen ihren Lauf nahmen, wo Menschen eilig Neuigkeiten austauschten, oder einmal ungestört länger miteinander reden wollten. Doch bald ist Schluss: Ab dem nächsten Jahr darf die Swisscom frei verfügen über die Telefonkabinen und sie nach Belieben demontieren. Denn der Grundversorgungsauftrag für die Kabinen fällt weg auf den 1. Januar.

Die Blütezeit war Mitte der Neunzigerjahre. Damals gab es fast 60'000 sogenannte Publifone im Land; also öffentliche Telefonzellen, oder auch Münztelefone bei privaten Unternehmen, etwa in Restaurants.

Büchertauschbörse statt Telefonkabine

Dann kam das Handy – und läutete den Niedergang der Telefonkabine ein. Die Swisscom hat bereits die meisten dieser Sprechstellen demontiert, jeweils mit dem Einverständnis der Standortgemeinde.

Laut Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher gebe es derzeit weniger als 6000 Publifone in der Schweiz, «und die werden in den nächsten Jahren verschwinden.» Die Gemeinden können die Kabinen gratis für andere Zwecke verwenden: «In Lausanne wurden sie zum Beispiel für eine Büchertauschbörse umgenutzt.»

Legende:
Entwicklung der Publifone seit 2000: Als Publifone gelten sämtliche öffentlichen Fernsprechzellen mit Vorauszahlung (Münzen und Telefonkarten). Die Zahl der öffentlichen Publifone (Telefonkabinen) ist ebenso rückläufig wie die der privaten Publifone bei Unternehmen, etwa in Restaurants. Bundesamt für Kommunikation

Telefonkabine zu kaufen

Auch privat kann man sie kaufen: 1900 Franken für die leere Kabine und 1600 Franken für die Montage am neuen Ort – macht zusammen 3500 Franken. «Dazu kommt noch der Transport», sagt Hubacher.

Die meisten Leute aber dürften den Telefonhäuschen keine Tränen nachweinen. Sie werden wohl kaum bemerken, wie die noch verbliebenen Kabinen – Stück für Stück – von der Bildfläche verschwinden.

Doch wann wird wohl das letzte Exemplar im öffentlichen Raum abgebaut – und an welchem Ort könnte das sein? Mit Sicherheit kann das die Swisscom nicht sagen. Sprecherin Hubacher wagt eine Prognose:

Wir wissen heute noch nicht, wo die allerletzte Kabine stehen wird, die dereinst demontiert wird. Wir gehen aber davon aus, dass es irgendwo zentral sein wird: Etwa bei einem grösseren Bahnhof oder am Flughafen.

Denn an diesen Orten sei die Nutzungsfrequenz im Vergleich noch etwas grösser, so Hubacher. Sicher ist: Das Ende des Publifons naht. Denn Jahr für Jahr, rechnet Hubacher vor, gehe die Benutzung der Telefonzellen um 20 bis 30 Prozent zurück.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Der Digitalisierungswahn wird uns noch jäh treffen. Ob bei der Telefonie oder der Radioversorgung. Ein grösseres Ereignis und ein ganzes Land ist nicht nur offline, sondern auch im kompletten Blindflug. Dass man analoge Telefonie und UKW (zumindest als Ergänzung) im Grunde genommen bloss dem schnöden Mammon opfert, wird sich rächen. Wir werden es erleben (ab 2020 die Autofahrer als erstes, wenn die Verkehrsmeldungen ausbleiben, weil nicht alle DAB+-Radio digitales TA integriert haben...)
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    1. Antwort von Luca Dietiker (Luca Dietiker)
      Sie malen jetzt aber ein bisschen schwarz. Sollte so ein «grösseres Ereignis» eintreffen, dann kann es auch analogie Technologien treffen. Ausserdem; Wie wahrscheinlich ist ein gleichzeitiger Ausfall von Mobil- und Festnetzversorgung? Kommt hinzu; Im Krisenfall fährt Swisscom ein sekundäres Kommunikationssystem hoch. Mit eigenen (stärkeren) Antennen, die sogar durch Luftschutzräume strahlen können. Zeiten ändern sich, und: «Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.»
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