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Wirtschaft «Das Grundproblem des Schweizer Telekom-Markts wird nicht gelöst»

Der neue Inhaber der Telekom-Gesellschaft Orange Schweiz, Xavier Niel, wurde bekannt dafür, dass er die Preise in Frankreich ins Rutschen brachte. Könnte er auch im festgefahrenen Telekommarkt der Schweiz etwas bewirken? Telekom-Experte Matthias Finger im Gespräch.

Ein Sitz von Orange Schweiz.
Legende: Der hiesige Telekom-Markt ist schon seit Langem festgefahren – das Telefonieren bleibt viel teurer als im Ausland. Keystone

Der Telekommunikationsanbieter Orange Schweiz geht an den französischen Unternehmer Xavier Niel. Es kommt also ein notorischer Preisbrecher die Schweiz: Was bedeutet das für die Preise im Schweizer Telekom-Markt?

Es wäre schon zu erwarten, dass Niel den Schweizer Markt aufmischt und die Preise sinken, wenn man sich seine Vergangenheit anschaut. Allerdings spricht ein starkes Argument dagegen. Warum sollte er die Preise senken wollen? Auch er kann letztendlich von der Hochpreisinsel Schweiz profitieren. Zudem kann er das Grundproblem des Schweizer Telekom-Marktes nicht lösen.

Und das wäre?

Die Swisscom ist im Wesentlichen im Eigentum vom Staat – sie verdient also selber kräftig mit. So kommt kein echter Wettbewerb zustande. Zum Beispiel dominiert die Swisscom den Mobilfunk mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent, während die beiden kleineren Orange und Sunrise sich je um 20 Prozent balgen.

Der Staat, das sind die Bürger dieses Landes. Die sollten eigentlich ein Interesse an günstigen Telefongebühren haben.

Offenbar ist der Leidensdruck der Bürger heute zu wenig gross. Überhaupt ist die Privatisierungswelle abgeflacht. Ein Politiker kann sich heute mit dem Thema Swisscom nicht wirklich profilieren. Deshalb geschieht im Parlament in dieser Hinsicht wenig bis gar nichts. Übrigens, was viele nicht wissen: Nicht nur der Staat mit einer Beteiligung von 51.22 Prozent verdient kräftig mit an der Swisscom. Das tun auch private amerikanische Investoren.

In anderen Industriebereichen werden in der Schweiz oft auf Druck der EU Verbesserungen erreicht. Warum nicht in der Telekom-Branche?

Im Unterschied zu andern Sektoren kommt aus der EU keinen Druck, weil sie kein Interesse am Schweizer Markt hat. Er tangiert sie nicht und deshalb mischt sich die EU hier auch nicht ein.

Das Gespräch führte Christa Gall

Zur Person

Zur Person

Matthias Finger ist Professor für Netzwerkindustrien an der ETH Lausanne. Er ist spezialisiert auf Fragen der Regulierung von Netzindustrien sowie auf die strategischen Beziehungen dieser Firmen. Finger hat an der Universität Genf in Politologie doktoriert und war Professor an der Syracuse University und an der Columbia University in New York.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Leidensdruck ? Der Schweizer Kommunikationsmarkt ist zu klein für 2 oder mehr Firmen. Sunrise, Orange haben keine Wahl die Netzinfrastruktur zu erwirtschaften. Dafür benötigt man wenigstens 15-20 Mio Kunden. Alles andere ist eine Schein - Marktwirtschaft. Swisscom ist dazu noch enorm kompetent und alles zusammen ergibt wenig Chancen für Zweit und Drittfirmen. Der technologische Standard ist sehr hoch und dass werden auch die Franzosen merken. Der Preis ist bei 20-45 CHF nicht relevant.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Die wichtigste Erkenntnis steht im Text::"Warum sollte er die Preise senken wollen? Auch er kann letztendlich von der Hochpreisinsel Schweiz profitieren". Selbst wenn man Swisscom voll privatisieren würde bleiben die Preise wohl praktisch die selben. Man sieht das Versagen des Marktes auch bei den Krankenkassen oder manchen Importnahrungsmitteln. Es ist m.E. eine kulturelle Knacknuss welche ausländische CEO's nicht wirklich lösen werden. Zumal,Infrastrukturdienstleister+Marktwirtschaft=Paradoxum
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  • Kommentar von René Mühlemann, Wädenswil
    Die Swisscom ist eben nach wie vor jene Gesellschaft welche die am wenigsten schlechten Dienstleistungen und Beratung anbietet. Orange ist für Leute welche sich auch ausserhalb der Linie St. Gallen - Genf keine Alternative. Sunrise macht nach wie vor v.a. mit undurchsichtiger Telefonwerbung und Knebelverträgen von sich reden.
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