Der Goldpreis: Eine fast rein amerikanische Angelegenheit

Der Goldpreis war zwischen April und Juni im Tiefflug. Sehr zum Leidwesen der Nationalbank, denn sie sitzt auf einem Berg von Gold. Wie aber entwickelt sich der Preis in naher Zukunft? – das liegt in den Händen der Amerikaner und ihrer Geldpolitik.

Enwicklung des Goldwertes der letzten 10 Jahre Schlusskurse jeweils vom 1. Januar, 1. April, 1. Juli und 1. Oktober oder vom vorherigen Referenztag. Goldpreis in Franken je Feinunze. finanzen.ch/swissquote

Im Zehn-Jahres-Diagramm ist es nur ein kleiner Abwärtsknick. Der Goldpreis hat langfristig mächtig angezogen. Doch seit mehreren Monaten ist er fast wie im freien Fall. Grund genug, um sich über den künftigen Preis des Edelmetalls zu streiten. Das tun auch die Analysten. Es geht um die Frage: Geht der Preis langfristig nach oben oder weiter nach unten?

Goldbarren auf einer Palette im Keller der Schweizerischen Nationalbank.

Bildlegende: Ein Teil des Goldes: Die Schweizerischen Nationalbank sitzt auf 1040 Tonnen des Edelmetalls. Reuters

Nachfrage dürfte stark bleiben

Der Rohstoff-Experte Eugen Weinberg von der Commerzbank ist auf der Seite der Optimisten. «Wir glauben, dass sich der Anstieg in den kommenden Monaten fortsetzen wird.» An den fundamentalen Gründen für einen steigenden Goldpreis habe sich nichts geändert, sagt Weinberg. Die Nachfrage aus aufstrebenden Schwellenländern wie China und Indien dürfte stark bleiben.

Und noch wichtiger: Anders als befürchtet dürften die Zinsen in den kommenden Monaten wieder sinken, erwartet Weinberg. Denn die US-Notenbank werde ihre ultralockere Geldpolitik namens «Quantitative Lockerung» vorerst beibehalten. Rekordtiefe Zinsen auf längere Zeit dürften die Inflationsängste dann wieder anheizen. Und damit den Appetit auf Gold. Denn: «Die Nachfrage ist recht hoch, wenn die Realzinsen fallen», sagt Weinberg. Gold werfe zwar auch keine Zinsen ab. Aber es gelte vielen als beste Versicherung gegen Inflation, sagt Weinberg.

Goldpreis steht und fällt mit der US-Geldpolitik

Ganz anders schätzt Tobias Merath von der Credit Suisse die weitere Entwicklung ein. Der Rohstoff-Analyst geht davon aus, dass der Goldpreis bald wieder auf Talfahrt geht. «Wir denken, dass 1300 Dollar pro Unze ein wichtiges, technisches Level ist.» Wenn diese Marke nach unten durchbrochen werde, könne man die 1200-Dollar-Grenze ins Visier nehmen, sagt Merath.


Keine Trendwende in Sicht

1:49 min, aus HeuteMorgen vom 30.07.2013

Der Goldpreis werde also einbrechen. Und auch Merath begründet das mit der Geld- und Zinspolitik. «In den nächsten Monaten ist damit zu rechnen, dass sich die US-Geldpolitik leicht ändert.» Momentan flutet die US-Notenbank den Markt mit Geld. Es sei aber davon auszugehen, sagt Merath, dass diese Massnahmen punktuell reduziert würden.

Die Zinsen könnten dann wieder steigen – und das Inflationsrisiko zurückgehen. Deshalb dürften die Anleger das Interesse an Gold wieder verlieren, erwartet Merath.

Die unterschiedlichen Einschätzungen zeigen: Die Prognosen zum Goldkurs sind so unsicher wie die Erwartungen an die US-Zinspolitik. Beim Goldpreis von einer Trendwende zu sprechen, wäre deshalb sicher verfrüht.

(prus;snep)