Der Präsident der Bankiervereinigung geht: Eine Bilanz

Nach sieben Jahren ist Schluss: Patrick Odier tritt als Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung zurück. Er schaut auf eine bewegte Amtszeit zurück. Was hat er geschafft – und was muss sein Nachfolger anpacken?

Patrick Odier.

Bildlegende: 7 Jahre war er Präsident der Bankiervereinigung. Was hat Patrick Odier bewirkt? Keystone

  • Das hat Patrick Odier geschafft:

Das Bankgeheimnis: In der «Ära Odier» gab die Schweiz ihr Bankgeheimnis für ausländische Kunden praktisch auf. Der Druck aus dem Ausland war schlicht zu gross. Odier hat diesen Paradigmenwechsel in der Bankbranche aktiv mitgestaltet.

Das Image der Banken im Inland: Bei seinem Amtsantritt 2009, kurz nach dem Höhepunkt der Finanzkrise und der UBS-Rettung, war das Image der Schweizer Banken im Inland auf einem Tiefpunkt angelangt. Dem Genfer Privatbankier gelang es mit seiner ruhigen Art und seinem politischen Sensorium, Vertrauen in die Bank-Branche zurückzugewinnen.

Die Regulierung: Nach der Rettung der UBS hat die Schweiz ihre Regulierung verschärft. Insbesondere die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse müssen seither mehr Eigenkapital und mehr Liquidität halten. Patrick Odier hat für eine aus Bankensicht «massvolle» Verschärfung der Regulierung gekämpft.

  • Das hat Patrick Odier nicht geschafft:

Die Schweiz hat einen neuen obersten Bankier

2:13 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.09.2016

Die Grabenkämpfe: Der Bankier-Verband ist geschwächt: Die Gross-, Inland-, Regional- und Privatbanken verfolgen sehr unterschiedliche Interessen. Selbst Brückenbauer Patrick Odier konnte beispielsweise nicht verhindern, dass die Inlandbanken eine eigene Interessengemeinschaft ins Leben riefen. Die Reihen zu schliessen, um politisch wieder mehr Gehör zu finden, wird eine zentrale Aufgabe des neuen Verbandspräsidenten Herbert Scheidt sein.

Der Automatische Informationsaustausch: Die Schweiz führt den automatischen Austausch von Bankinformationen ein. So kommen ausländische Behörden an Daten, mit denen sie Steuersünder juristisch verfolgen können. Das dürfte den Schweizer Bankenplatz international erneut in die Schlagzeilen bringen. Der neue Bankier-Präsident wird punkto Image Schadensbegrenzung betreiben müssen.

Die Digitalisierung: Die Digitalisierung der Bankbranche ist bereits in vollem Gang. Neue Konkurrenten, so genannte Fintech-Firmen, drängen mit ihren digitalen Angeboten, Zahl-Apps und Softwares zunehmend ins Bankgeschäft rein. Noch ist dieser Bereich kaum reguliert. Hier wird Herbert Scheidt mitwirken müssen.