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Wirtschaft Die Zahl der Grossbanken muss deutlich zurückgehen

Nach der Commerzbank letzte Woche hat heute die niederländische Grossbank ING die Streichung von 7000 Stellen bekannt gegeben. Die jüngsten Schlagzeilen versetzen Europa in Alarmstimmung. Die Angst vor einem Domino-Effekt sei aber übertrieben, sagt Bankenprofessor Maurice Pedergnana.

Legende: Video Zu viele Banken: Streichkonzert im Finanzwesen abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.10.2016.

Die Bankenbranche ist im Umbruch: die Deutsche Bank erwartet erneut eine Milliardenbusse. Die Commerzbank strich letzte Woche 9000 Stellen. ING heute 7000 Arbeitsplätze. Und für die krisengeschüttelte italienische Monte dei Paschi läuft gar ein Rettungsplan. Die Grossbanken in Europa sind eng verflochten und wenn eine umfällt, könnte sie alle anderen Banken wie Dominosteine mitreissen.

Bankenprofessor Maurice Pedergnana von der Hochschule Luzern aber relativiert: «Ich glaube nicht, dass es zu einem Domino-Effekt kommen wird. Die Banken insgesamt in Europa verfügen über deutlich mehr Eigenmittel als vor 7 Jahren und auch die Liquiditätslage hat sich deutlich verbessert.»

Zu viele Grossbanken in Europa

Die Anzahl Grossbanken in Europa werde sich jedoch stark reduzieren. Pedergnana rechnet damit, dass innerhalb der nächsten 10 Jahre die Hälfte der momentan rund 40 Grossbanken in Europa verschwinden wird. Die Entwicklung gehe hin zu einigen wenigen, dafür umso fitteren Big-Players. Wer sich durchsetzen wolle, müsse agil sein, verstärkt in Boom-Märkte wie zum Beispiel Asien vordringen und sich den Kundenbedürfnissen entsprechend anpassen.

Pedergnana geht davon aus, dass in 2 bis 3 Jahren das Umfeld für die Grossbanken deutlich besser sein wird: «Die Banken werden dann die Kosten reduziert haben und insbesondere von einem anderen Zinsumfeld profitieren können.» Banken, die ihre Hausaufgaben jetzt erledigen, werden dann also die Früchte ihrer Arbeit ernten können.

9 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    "agil" ist gerade das universalwort des topmanagements. meistens bringt deren inflationäre verwendung ausser teuren und relativ nutzlosen hyperaktivitäten nichts gewinnbringendes hervor, fördert allenfalls das chaotische JeKaMi innerhalb eines konzerns. das ist verheerend, aber letztendlich in einer konsolidierungsbewegung auch egal...
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  • Kommentar von Fr. Widmer (FW)
    Goldschmied Fabian im You tube erklärt anschaulich, warum unser Geld- und Bankensystem nicht funktionieren kann und warum überall Geld in der Welt fehlt. Wo GELD nicht mehr mit GOLD gedeckt ist, werden Papierscheine wertlos und das aus dem Nichts erschaffene Digitalgeld wird am Bankomaten vielleicht bald nicht mehr verfügbar sein.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    In welchem Sektor hat die Unternehmenskonzentration Vorteile gebracht? mir ist jedenfalls keiner geläufig. Konzentration hat immer verstärkte Abhängigkeiten zur Folge. Dass das Leute wie Pedergnana vertreten können, muss mit dem Aberglauben an die Allmacht der Märkte zusammenhängen. Ich empfehle nicht nur solchen Leuten die Lektüre des soeben erschienenen Buchs "Ein Prozent ist genug" (ISBN 9783865818102), das diese Fehlentwicklung deutlich und verständlich aufzeigt.
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    1. Antwort von Ramon Gfeller (Tachy0n)
      Genau das habe ich mir auch gedacht. Erst noch waren die Grossbanken Too-Big-To-Fail und sollten aufgespalten werden und jetzt können sie schon nicht mehr gross genug sein. Die Huldigung des freien Marktes endet bei Grossbanken jeweils recht abrupt, wenn sie Staatshilfe benötigen.
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