Dôle statt Bordeaux: Schweizer sollen Schweizer Weine trinken

In der Schweiz wird immer weniger Schweizer Wein getrunken. Der Bund soll das ändern und das Zollkontingent für eingeführten Rot- und Weisswein verkleinern. Das hat vor kurzem das Walliser Kantonsparlament verlangt. Doch so einfach ist es nicht.

Harasse mit roten Trauben

Bildlegende: Merlot-Traubenernte im Tessin. Keystone/Archiv

Höhere Abgaben auf importiertem Wein seien dringend nötig – zum Schutz des Schweizer Weinbaus, sagt SVP-Nationalrat André Bugnon. Er ist Winzer und Präsident der Waadtländer Wein-Kooperative Uvavins. «Jeder weiss, dass die Schweizer Weine sehr gut sind. Die Qualität ist top. Das Problem ist der Preis.»

Die inländische Produktion sei nun mal teurer als die ausländische. Der Schweizer Wein könne unmöglich gleich günstig sein wie ein vergleichbarer Tropfen aus Italien, Frankreich oder Spanien. «Die Leute kaufen das, was billiger ist, und das ist das Problem.» Der Rebbau brauche daher die Unterstützung durch die Politik.

Freier Weinmarkt

Anders als bei der Fleisch- und Milchwirtschaft ist der Weinmarkt weitgehend liberalisiert. Es herrscht Wettbewerb und fast freier Zugang für ausländische Weine. Die Importeure zahlen nur wenig Zoll. Rund 75 Rappen sind es derzeit pro Flasche. Das hat sich auf den Konsum ausgewirkt. Der Marktanteil des ausländischen Weins ist auf rund 60 Prozent geklettert. Gleichzeitig nahm in den letzten Jahren der gesamte Weinkonsum markant ab. Hiesige Produzenten hatten es somit doppelt schwer.

Doch der Walliser FDP-Nationalrat Jean-René Germanier, selbst Weinproduzent, lässt sich nicht entmutigen. «Seit der Liberalisierung hat der Schweizer Wein sich qualitativ immer mehr verbessert. Auf dem freien Markt hat der Schweizer Wein alle Chancen. Es ist nicht einfach, aber es ist gut mit dieser Situation in der Schweiz.» Von der Verkleinerung der Zollkontingente hält er nichts. «Es ist eine falsche gute Idee», urteilt Germanier.

Viele Weine kommen aus der EU

Gegen ein schärferes Kontingent für Auslandwein sprechen auch handelspolitische Argumente, sagt der Leiter des Leistungsbereichs Welthandel in der Direktion für Aussenwirtschaft, Didier Chambovey. «Der Hauptlieferant in diesem Fall ist die EU», gibt der Delegierte des Bundesrates für Handelsabkommen zu bedenken. Wenn die EU-Produzenten weniger Wein liefern dürfen, dann wollen sie dafür mehr andere Produkte an die Schweiz verkaufen können. «Weniger Wein zu importieren bedeutet, mehr Fleisch oder mehr Getreide zu importieren.»

Die Schweizer Fleisch- und Getreidewirtschaft müsste also Zugeständnisse ans Ausland machen, damit der Weinbau besser geschützt wäre. Doch das dürfte schlecht bei der einflussreichen Bauernlobby in Bundesbern ankommen. Und darum haben die Winzer mit ihrem Ruf nach mehr Importschutz wohl kaum eine Chance.