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DV der Raiffeisenbank Kein Stein bleibt auf dem anderen

Die 162 anwesenden Delegierten der Raiffeisen Schweiz haben am Samstag Durchsetzungskraft bewiesen. Sie brachten neben den bereits bekannten Rücktritten von verschiedenen Verwaltungsräten zwei weitere Mitglieder aus der Ära Vincenz dazu, das Handtuch zu werfen – und zwar sofort.

Der Verwaltungsrat ist laut Finanzmarktaufsicht verantwortlich dafür, dass der ehemalige Chef Pierin Vincenz jahrelang machen konnte, was er wollte – sich möglicherweise auch persönlich bereichern und seine Kompetenzen massiv überschreiten.

Der Verwaltungsrat unter der Leitung des Ex-Präsidenten Johannes Rüegg-Stürm überwachte Pierin Vincenz nicht im Geringsten. Der Verwaltungsrat war es auch, der zuliess, dass mit Vincenz’ Ehefrau eine Person Chefjuristin der Bank war, die Vincenz ebenfalls nicht auf die Finger klopfte.

Verwaltungsrat unter Druck

Dank der heutigen Delegiertenversammlung vollzieht sich die versprochene Erneuerung des Raiffeisen-Verwaltungsrates nun aber noch schneller als ursprünglich geplant. Dass sich der Interimspräsident Pascal Gantenbein zudem an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom November als Präsident zu Verfügung stellt, ist ein gutes Zeichen.

Allerdings ist der Verwaltungsrat von Raiffeisen nun in Unterbesetzung und damit unter Druck, um bis zum November mehrere geeignete Kandidaten und Kandidatinnen zu finden.

Endlich alte Bande kappen

Während der Verwaltungsrat der Genossenschaftsbank also sehr bald rundum erneuert sein wird, sieht es an der operativen Spitze von Raiffeisen anders aus. Die Geschäftsleitung wird nach wie vor von Patrik Gisel geführt.

Verschiedene Delegierte drückten darüber ihren Unmut aus. Ob ein Neuanfang unter ihm, der im Schatten von Vincenz gross geworden ist, tatsächlich möglich ist, wird sich weisen müssen.

Viele fürchten, dass seine Person zu sehr mit jener seines ehemaligen Chefs verbandelt ist, als dass die Genossenschaftsbank das Vertrauen von Raiffeisenverbänden, Banken und Kunden unter seiner Führung zurückgewinnen kann. Komplett gekappt würden die Banden der Genossenschaft zu Pierin Vincenz erst, wenn auch an der operativen Spitze der Bank ein neues Gesicht stünde.

Charlotte Jacquemart

Charlotte Jacquemart

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Charlotte Jacquemart hat an der Universität Zürich Ökonomie studiert und arbeitet seit Juni 2017 als Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Zuvor war sie 13 Jahre lang bei der «NZZ am Sonntag» tätig.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Gut (Walter Gut)
    Alle gegen Pierin Vincenz! Sie haben nicht hingeschaut und waschen Ihre Hände in Unschuld. Super Leistung! Was auch immer war, so kann mir keiner plausibel machen, dass das Kader unter PV nichts gewusst haben. Will Raiffeisen einen Neuanfang starten, so müsste nicht nur der VR sondern auch Gisel und Co. sofort freigestellt werden.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Dass abgehalfterte PolitikerInnen endlich aus dem Verwaltungsrat gegangen werden, ist nicht nur bei Raiffeisen ueberfaellig. Andererseit steht die Bank wegen ihrer Beschraenkung auf Geschaeftstaetigkeit nur in der Schweiz super da. Der von der FINMA und den SMM angeheizte Sturm im Wasserglas wegen Bagatellkollateralschaeden ist nur noch laecherlich....
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  • Kommentar von Felice Limacher (Felimas)
    Die Erneuerung scheint mir wichtig, im Moment aber auch Augenwischerei. Heisst neu denn auch besser und verantwortungsvoller ? Oder soll nur abgelenkt werden ? Oft habe ich das Gefühl, dass ein grossteil der Verwaltungsräte/Innen diesen Job nur der Bezahlung wegen machen, aber möglichst wenig dafür tun wollen, geschweige denn Verantwortung übernehmen.
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