E-Autos: «Deutschland bewegt sich auf dem Level von Ghana»

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat den verbalen Hype um das E-Auto nie mitgemacht. Als Mann der Fakten verwies er stets auf niedrige Verkaufszahlen und hohe Anschaffungspreise. Den Kurswechsel bei VW befürwortet er dennoch und findet gleichzeitig harsche Worte in Richtung Kanzlerin.

Meint VW die Kursänderung hin zum E-Auto ernst?

Ich glaube schon, dass das ernst gemeint ist. Zumal der Kurswechsel für VW sehr wichtig ist. Allerdings wird er nicht von heute auf morgen Früchte tragen, sondern eher auf lange Sicht wirken.

Lange Sicht bedeutet?

Die nächste Generation der E-Autos sollte eine Reichweite von mindestens 500 Kilometern haben. Das könnte man bei VW im Zeitraum von 2018 bis 2020 schaffen.

Werden andere Hersteller jetzt ebenfalls ihre Strategie überdenken?

Das müssen die gar nicht. Denn viele sind da schon einen wesentlichen Schritt weiter als Volkswagen – allen voran BMW bei den deutschen Autobauern. Aber auch Renault und Mercedes haben ihre Hausaufgaben gemacht. Und vielleicht in Europa noch nicht so bekannt: Nissan, die sich zu einem echten Vorreiter in Sachen Elektromobilität entwickelt haben.

Heisst im Klartext?

Nicht VW schiebt einen Zug an, sondern vielmehr ist es umgekehrt. Volkswagen springt auf einen Zug auf, den andere lange vorher ins Rollen gebracht haben.

Die Hersteller sind willig. Was fehlt?

Es braucht jetzt endlich die Hilfe der Politik. Denn mit Sonntagsreden allein und den Luftblasen, die die Kanzlerin von sich gibt, ist es nicht getan.

Harter Tobak.

Das mag sein. Aber schauen Sie, es kann doch nicht angehen, dass wir einerseits die Energiewende vollziehen wollen – E-Autos inbegriffen, das Netz von Ladestationen sich aber auf dem Level von Ghana bewegt. Da beisst sich die Katze in den Schwanz.

Ihre Lösung?

Es braucht unbedingt eine steuerliche Förderung der Elektroautos. Das könnte zum Beispiel durch eine Subventionierung des Kaufpreises geschehen.

Woher soll das Geld kommen?

Man könnte zum Beispiel an der Steuerschraube bei den Kraftstoffen drehen. Derzeit wird ja der Diesel in Deutschland de facto subventioniert, in dem er 18 Cent billiger ist als Benzin.

Womit wollen Sie das vor der Öffentlichkeit rechtfertigen?

Die Hersteller, insbesondere die einheimischen, brauchen Deutschland als Testland. Wenn es hier funktioniert, dann überall. Zudem sind E-Autos emissionslos und leise, im Gegensatz zum Diesel. Davon profitiert auch die Öffentlichkeit.

Ihr Fazit zu dem von VW beschlossenen Kurswechsel?

Gleichwohl der Umschwung etwas überhastet erfolgt – ist er eine grosse Chance für VW und auch für Deutschland.

Das Interview führte Uwe Mai.

Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer gilt als der ­deutsche «Automobilpapst». Der Professor für Marketing und ­Unternehmensführung gründete im Oktober 2008 gemeinsam mit seiner Professoren-Kollegin Dr. Eva-Maria John das CAR Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen.