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Wirtschaft Ein Staatsfonds für private Zwecke

Die Tessiner Privatbank BSI soll im malaysischen Korruptionsskandal mitgeholfen haben, hunderte Millionen Dollar zu waschen. Offenbar ist auch Premier Razak in die Machenschaften verwickelt. Für diesen könnte es nun eng werden, sagt NZZ-Korrespondent Manfred Rist.

Razak mit weissem Haar, Schnauz und Brille spricht in ein Mikrofon.
Legende: Sind die Tage von Malaysias Premier Razak gezählt? Keystone

SRF News: Hunderte Millionen Franken sind aus Malaysia nach Singapur zur dortigen BSI-Niederlassung überwiesen worden. Woher stammte dieses Geld?

Manfred Rist: Das weiss man noch immer nicht so genau. Die malaysische Regierung gibt dazu bislang keine Auskunft. Mit grösster Wahrscheinlichkeit stammt das Geld aber vom malaysischen Staatsfonds 1MDB, der ab 2009 aufgebaut worden ist. Hunderte Millionen Dollar flossen über dubiose Quellen oder Zwischenstationen im arabischen Raum zurück nach Malaysia, unter anderem auf das Privatkonto des Premierministers.

Der Staatsfonds 1MDB ist mit guten Absichten gegründet worden, doch dann lief das Ganze aus dem Ruder...

Das ist so. Mit Hilfe des Staatsfonds wollte man Milliardenbeträge auftreiben – sie sind auch tatsächlich aufgetrieben worden – und gemeinnützige Aktivitäten zur Förderung der malaysischen Wirtschaft finanzieren. Doch davon ist nichts übrig geblieben, die Milliardenbeträge sind verschwunden. Einerseits sind Fehlinvestitionen im Erdölsektor im arabischen Raum daran schuld, andererseits wurden offenbar auch hunderte Millionen Dollar veruntreut und abgezweigt.

Den Staatsfonds hatte der amtierende malaysische Regierungschef Najib Razak gegründet. Schuf er 1MDB bewusst, um sich damit selbst zu bereichern?

Das weiss man nicht. Suspekt ist auf jeden Fall, dass er nie über die Verwendung der Gelder von 1MDB Auskunft gegeben hat. Ausserdem sind 681 Millionen Dollar auf seinem Privatkonto aufgetaucht und Razak brauchte mehrere Monate, um dies zuzugeben. Auch hat er alle Personen der malaysischen Politik und Wirtschaft entlassen, die auf dieses Malaise hingewiesen haben.

Nun hat Singapur reagiert und die dortige Niederlassung der Tessiner BSI geschlossen. Was heisst das für den malaysischen Regierungschef?

Zunächst ist die Schliessung ein Paukenschlag auf dem Finanzplatz Singapur. So etwas hat es noch nie gegeben. Die Aufsichtsbehörden geben damit ein klares Zeichen, dass sie gegen Geldwäsche und gegen dubiose Geschäfte vorgehen. Es ist aber auch ein deutliches Zeichen in Richtung Malaysia: Erstmals kann man in Singapur schwarz auf weiss lesen, dass im Zusammenhang mit dem Staatsfonds 1MDB Geldwäsche betrieben worden ist. Und dies wiederum weist auf den malaysischen Premier Razak hin.

Wie ungemütlich wird es nun für Razak?

Für ihn ist es schon seit einem Jahr ungemütlich, aber er hat sich bislang als Überlebenskünstler erwiesen. Dazu machte er vor allem von seinen autoritären Möglichkeiten Gebrauch: Er verwies die Opposition in die Schranken, liess Leute verhaften oder entliess sie. Es wird sich zeigen, ob er auch das neuste Unwetter übersteht. Mit Sicherheit ist es für ihn jetzt aber noch etwas enger geworden.

Das Gespräch führte Simon Leu.

Manfred Rist

Manfred Rist studierte Wirtschaft und arbeitete anschliessend bei einem Marktforschungs-Unternehmen, bevor er als Journalist tätig wurde. Ab 1990 war er Korrespondent der «NZZ» für Brüssel, danach Korrespondent in Singapur und Frankreich. Zurzeit berichtet Rist für das Blatt aus Südostasien.

BSI hat Geld gewaschen

BSI hat Geld gewaschen

Der Finanzskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB wird für die Tesssiner Privatbank BSI zum Desaster. Die Finanzmarktaufsicht zieht einen «ungerechtfertigten Gewinn» ein und verordnet die Auflösung der Bank. Die Bundesanwaltschaft eröffnet ein Strafverfahren und in Singapur wird die BSI-Filiale geschlossen. Lesen Sie hier mehr.

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