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Wirtschaft Einer von drei Schweizern erfasst seine Arbeitszeit nicht

Das eidgenössische Arbeitsgesetz schreibt den meisten Erwerbstätigen vor, ihre Arbeitszeit zu dokumentieren. Doch wie eine Umfrage zeigt, halten sich etliche Schweizer nicht daran. Der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz ist alarmiert und nimmt die Arbeitgeber in die Pflicht.

Die geleistete Arbeitszeit muss erfasst werden. Das sieht das Schweizer Arbeitsgesetz für die meisten Erwerbstätigen vor. In Realität – dies zeigt eine Umfrage im Auftrag des Arbeitnehmerverbandes Angestellte Schweiz – schreiben aber nur rund zwei Drittel der Erwerbstätigen ihre Arbeitszeit auf. Ein Drittel verzichtet darauf.

Fast sechzig Prozent können die Arbeitszeiten nicht einhalten

57 Prozent der Befragten gaben an, die vorgegebenen Arbeitszeiten nicht einhalten zu können. 85 Prozent der Befragten befürworten aber die gesetzliche Vorschrift zur Erfassung der Arbeitszeiten. Befragt wurden 1003 Personen, die in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz wohnen und mindestens 16 Jahre alt sind.

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Legende: 85 Prozent der Befragten erachten die gesetzliche Vorschrift zur Arbeitszeiterfassung als sinnvoll. Keystone

Die Vorteile der Arbeitszeiterfassung werden etwa im klaren Beleg der geleisteten Arbeitszeit, der Grundlage zum Kompensieren von Mehrstunden sowie der Selbstkontrolle gesehen. Als Nachteile werden zu viel Kontrolle, das Absitzen der Arbeitszeit und ein zu grosser Aufwand genannt, wie der Verband Angestellte Schweiz mitteilt.

Die Arbeitgeber müssten nun dafür sorgen, dass die geleistete Arbeitszeit dokumentiert wird. Kontrolldefizite wie bis anhin seien nicht tolerierbar.

Vorschriften zur Arbeitszeiterfassung sind gelockert worden

Der Bundesrat hatte die Vorschriften zur Arbeitszeiterfassung vor Kurzem gelockert. Bislang war die Arbeitszeiterfassung für alle Erwerbstätigen ausser Topmanager obligatorisch. Ab kommendem Jahr können darauf auch Angestellte verzichten, die jährlich brutto mehr als 120'000 Franken verdienen und ihre Arbeitszeiten mehrheitlich selber bestimmen können. Voraussetzung ist, dass dies in einem Gesamtarbeitsvertrag so vorgesehen ist.

Eine Lockerung ist auch für weniger gut verdienende Angestellte vorgesehen: Wer seine Arbeitszeiten zu mindestens 25 Prozent selber bestimmen kann, muss künftig nur noch die Gesamtdauer der täglichen Arbeitszeit dokumentieren. Arbeitsbeginn und -ende muss er nicht mehr erfassen.

Thema im Ständerat

Das Thema Arbeitszeiterfassung dürfte die Schweizer Wirtschaft aber weiterhin beschäftigen: Während die Arbeitgeber eine weitere Lockerung der Vorgaben anstreben, kämpfen die Gewerkschaften dagegen. Einen weiteren politischen Vorstoss zum Thema plant die Wirtschaftskommission des Ständerates.

7 Kommentare

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  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Ich habe eine 50-60 Stundenwoche und alles was zählt, ist Erfolg. Jeder Selbständige weiss darum. Da habe ich wenig Verständnis für Massnahmen, welche das Absitzen von Pflichtstunden in geschützten Werkstätten dokumentieren sollen. Das ist wieder mal so ein gewerkschaftlicher Unsinn....
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Ich weiss eigentlich nicht, was eine Arbeitszeiterfassung mit den Arbeitszeiten zu tun hat. Man kann viel oder wenig, motiviert oder unmotiviert arbeiten, mit oder ohne Arbeitszeiterfassung. Aber wenn der Vertrag zwischen AG und AN vereinbart, dass der Lohn für 46 Stunden gilt, dann gilt er eben für 46 und nicht für 60 Stunden. In der Migros gibts auch nicht für das gleiche Geld plötzlich einen Drittel mehr. Oder ist das auch "gewerkschftlicher Unsinn"?
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  • Kommentar von Willi Meier (wm)
    Arbeitszeiterfassung ist geeignet, wo es vor allem auf Präsenz, weniger auf Leistung ankommt (z.B. Fliessbandarbeit, Verkauf, Service, etc.). Sie ist aber völlig unnötig, weil man ja sieht, wenn jemand nicht da ist. Bei allen Arbeiten, bei denen es einen individuellen Spielraum gibt, und wo es Leistungsunterschiede gibt, belohnt Zeiterfassung die Faulen (Akkumulation von Ueberstunden) und bestraft die Leistungsstsarken (Absitzen von Zeit). Braucht es diese ungerechte, unnötige Bürokratie?
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    1. Antwort von Thomas Schweizer (Schweizer_Thomas)
      Fliessbandarbeit entspricht Arbeitsleistung. Ohne Jobrotation sehr eintönig. Sind diese Menschen faul ? Und Leistungsstark bedeutet das Kader. Kenne keine Firma > 5 Personen wo nur aus dem Kader besteht.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Dass keine Ueberstunden durch Faulheit akkumuliert werden ist eine Führungsaufgabe. Dass diese Wahrgenommen wird wäre Aufgabe der Vorgesetzten, so sie denn führen könnten. Umgekehrt gibt es in der heutigen Arbeitswelt wohl kaum mehr einen Job, wo die Arbeitenden so unterfordert sind, dass sie sie in relevant kürzerer Zeit erledigen könnten, dass sie relevant viel früher nach Hause gehen könnten. Dann bekämen sie nämlich einfach mehr Aufgaben, bis sie die reguläre Arbeitszeit wieder ausfüllen.
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Und bezüglich "weil man ja sieht, wenn jemand nicht da ist": Es geht nicht nur darum, dass der Chef sieht, wenn der Arbeitnehmer nicht da ist, sondern vorallem auch, dass der AN belegen kann, dass er da war wenn er überstunden machen musste oder die Arbeitszeiten nicht dem Gesetz genügen.
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  • Kommentar von Thomas Schweizer (Schweizer_Thomas)
    Froh in Rente zu sein - Besser vor dem Alter 64/65.
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