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Ende der 40-Stunden-Woche? Gewerkschaftsbund gegen längere Arbeitszeiten

Geht es der Wirtschaft gut, steigen die Löhne. Normalerweise. Der SGB beobachtet, dass die Wochenarbeitszeiten steigen.

Legende: Video Gewerkschaften fordern kürzere Arbeitszeiten abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.01.2018.

Die 40-Stunden-Woche gilt als Referenzwert in der Schweizer Wirtschaft. Doch nun zeigt sich ein Trend zu längeren Arbeitszeiten. Das hat der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) festgestellt. Im Durchschnitt arbeiten Vollzeiterwerbstätige heute fast eine halbe Woche länger pro Jahr als noch vor fünf Jahren – genauer gesagt: neunzehneinhalb Stunden länger.

«Der Druck auf die Arbeitnehmenden ist vor allem in den letzten Jahren gestiegen», sagt SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Das liege einerseits an der Frankenüberbewertung. «Aber auch Sparmassnahmen seitens der öffentlichen Hand haben dazu geführt, dass die Wochenarbeitszeiten erhöht wurden.»

Aktuelle Situation gemäss SGB untypisch

Als Beispiel nennt Lampart den Kanton Luzern, wo die Arbeitszeit von bereits hohen 42 Stunden pro Woche auf 43 Stunden und 15 Minuten erhöht wurde. «Wir stellen fest, dass man in den Führungsetagen der Ansicht ist, dass die Arbeitnehmenden offenbar einen höheren Beitrag zur Profitabilität einer Firma leisten müssen.»

Erstmals befände man sich in einer Situation, in der es der Wirtschaft besser gehe, die Arbeitszeiten aber dennoch stiegen, so Lampart. «Historisch gesehen war es immer so: Wenn es der Wirtschaft besser geht, erhalten die Leute mehr Lohn und die Arbeitszeiten werden verkürzt.»

Einzelne Arbeitgeber – auch Dachverbände wie der Gewerbeverband – fantasieren bereits davon, die 50-Stunden-Woche wieder einzuführen.
Autor: Daniel LampardChefökonom SGB

Für den SGB bleibe die 40-Stunden-Woche «ganz klar» der Referenzwert. «Wir sehen aber mit grosser Sorge, dass in gewissen Firmen, aber auch Kantonen, die Arbeitszeiten erhöht wurden», sagt der Gewerkschaftsökonom. Und einzelne Arbeitgeber – auch Dachverbände wie der Gewerbeverband – würden bereits davon fantasieren, die 50-Stunden-Woche wieder einzuführen, kritisiert er.

Laut Arbeitgeberverband fehlt Vereinbarung

Bei den Arbeitgebern sieht man das freilich anders. Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband sagt: «Davon auszugehen, dass die ganze Schweizer Wirtschaft nur 40 Stunden pro Woche als übliche Arbeitszeit vereinbart hätte, ist unser Erachtens nicht richtig.»

Es gebe Branchen, in denen 40 Stunden pro Woche gearbeitet werde, und dort werde dies wohl weiterhin Bestand haben. «Aber auch bei jenen Branchen, wo man bisher 42 Stunden gearbeitet hat, gehen wir davon aus, dass auch diese durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit weitergeführt wird», sagt Arbeitgebervertreterin Lützelschwab.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Man koennte den Arbeitsnehmer Vertraege mit Optionen vorlegen. Z.B A 36 Std, B 39 Std, C 42 std mit angepassten Loehnen. Plus Ueberzeit Klausel mit doppeltem Lohn, max acht Std die Woche, freiwillig und nur wenn verlangt. Arbeitsnehmer koennte seine Option mit einer Notitz z.B. einem Monat ändern, Arbeitsgeber diese wenn noetig auch reduzieren z.B 42 auf 39 Std. Usw. Wenn beide Seiten zu einer Flexibilitaet bereit sind, braeuchte es keine Gewerkschaften nur ein Arbeitsamt. Nur ein Beispiel.
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  • Kommentar von Ernst Richener (Schmutz Fink)
    Die Wirtschaft sollte eigentlich dem Menschen dienen, und nicht der Mensch der Wirtschaft! Die 20 Std Woche wie von A.Kunz unten ins Spiel gebracht,würde vollends reichen,die Bedürfnisse der Menschen zu decken! Wenn man bedenkt,dass wir ca die Hälfte für die Müllhalde produzieren! Aber leider sind ca 95% der Menschen in den Industrieländern , in den Fängen des mörderischen Zinseszins System! Nur darum müssen wir mehr produzieren als effektiv nötig ist! Und dieses System,ist kurz vor dem Kollaps!
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  • Kommentar von Toni Koller (Tonik)
    Wenn die Produktivität steigt (und das tut sie mit zunehmender Automatisierung), dann darf nur eins folgen: kürzere Arbeitszeit. Sie reduziert sich - wenn auch mit Unterbrüchen - seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jh. Wer nun im Roboter-Zeitalter von nötigen längeren Arbeitszeiten schwätzt, ist entweder ahnungslos - oder will die Belegschaften über den Tisch ziehen. Im Branchenschnitt müssen die Arbeitszeiten weiter sinken. Sonst haben wir bald 50 % mit 50-Std.-Woche und 50 % Arbeitslose.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Nicht nur dies, sondern auch: Die Diskriminierung der Menschenarbeit gegenüber Maschinenarbeit muss dahingehend geändert werden, dass die menschliche Arbeit von der Abgabenlast b e f r e i t und die Maschinenarbeit mit Abgaben b e l a s t e t wird.
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