Erster Helikopter «made in Switzerland»

Auf dem Flugplatz in Mollis (GL) hat die Präsentation eines ungewöhnlichen Kleinhelikopters stattgefunden. Es ist die erste Maschine, die fast ausschliesslich aus Schweizer Handwerk stammt. Mit dem «modernen Design» will der Hersteller die Konkurrenz überflügeln.

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Neuer Schweizer Helikopter

1:26 min, aus Tagesschau am Mittag vom 28.11.2013

Mehrere Jahre hat es gedauert, bis «SKYe SH09» für das Rollout bereit war. «SKYe SH09» – das ist der Prototyp des ersten Helikopters made in Switzerland. Dahinter steckt eine junge Aviatikfirma namens Marenco Swisshelicopter AG aus dem Glarnerland. «Ich und mein 70-köpfiges Team haben lange darauf hingearbeitet», sagt der CEO Martin Stucki. Er sei überzeugt, dass seine Käufer beeindruckt sein werden.

Der Kleinhelikopter wiegt 2,6 Tonnen, hat sechs bis acht Sitzplätze und besteht aus Fertigungsteilen, von denen zahlreiche aus der Schweiz stammen. «Im internationalen Markt ist das Label Schweiz ein riesiger Vorteil», sagt er. Wenn es um hohe Präzision mit geringen Stückzahlen gehe, sei das Land durchaus konkurrenzfähig. Ein russischer Investor schoss mehrere Millionen Franken in das Glarner Unternehmen.

Modernes Design soll bestechen

Es scheint, als ob sich Stuckis Unternehmen auf dem Höhenflug befindet. «47 Kaufabsichten sind schon unterschrieben worden», sagt er stolz. Die Heli-Expo in Dallas, Texas, letztes Jahr bescherte ihm eigenen Aussagen zufolge so viele Bestellungen, dass die Produktion in den nächsten zwei Jahren gesichert ist.

Der neue Helikopter von der Seite: rot und silbern.

Bildlegende: Der Schweizer Kleinhelikopter versucht, mit seinem Design zu bestechen. Marenco Swisshelicopters

«Aussergewöhnlich ist das moderne Design», sagt der CEO. Die Maschinen anderer Helikopterbauer beruhten auf Grundkonzeptionen, die mindestens 30 Jahre alt seien. «Seither haben die Hersteller das Design ihrer Helis nur aufgefrischt, aber nichts grundlegend verändert», erklärt er.

Dass die Konkurrenz lieber beim Bewährten bliebe, treffe tatsächlich zu, sagt Hansjörg Bürgi, Chefredakteur des Schweizer Aviatikmagazins Skynews. «Grosse Hersteller ziehen es vor, ihre bestehenden Flotten nicht zu erneuern, sondern lediglich anzupassen». Der Aufwand sei enorm, deshalb blieben viele Hersteller bei ihren bestehenden Produkten, wenn sie sich bewährt hätten. Zudem sei das Risiko gross, nicht in geplanter Zeit zugelassen zu werden.

VIP-Flüge und Rettungseinsätze

Modern heisst für Martin Stucki so viel wie: verstellbare Sitze, sanft gleitende Schiebetüren und ein Bodenfenster, damit man auf die Fracht unten am Heli blicken kann – und für Sightseeing. Denn der Helikopter ist nicht allein für Polizei und Rettungseinsätze gedacht, auch VIPs sollen umhergeflogen werden. Wenn nötig kann der «SKYe SH-09» bis zu vier Stunden fliegen, wobei er eine Spitzengeschwindigkeit von 260 Kilometern pro Stunde erreichen kann.

Einen Rückschlag könnte das junge Aviatikunternehmen spätestens dann aber erleiden, wenn es seinen etwas gar ambitionierten Zeitplan nicht einhalten kann, den es sich für die Belieferung des Marktes gesetzt hat. Bis 2014 respektive 2015 soll er die Zulassung der europäischen die Flugaufsichtsbehörde Easa haben. Das ist nicht viel Zeit.

Zulassung wird eine «Knacknuss»

Fachleute bezweifeln, dass die Maschine reibungslos durch die Prüfung gelassen wird. Die Rede ist von «grossen Hürden», die auf die Hersteller zukämen. Gleich sieht es Hansjörg Bürgi von Skynews. «Der Zeitplan ist in der Tat sehr ehrgeizig. Die Zulassung wird eine Knacknuss», prognostiziert er. Neue Maschinen beanspruchten in der Regel mehr Zeit. Zudem sei nicht nur eine Schweizer Zulassung, sondern auch eine europäische erforderlich. «Die Beamten dafür sitzen in Bern, Bonn und Brüssel».

«Wir wissen, dass es eine grosse Herausforderung ist, zeitlich alles auf die Reihe zu bringen», sagt Stucki. Es könne durchaus Überraschungen geben. Doch darüber will er sich vorerst keine Gedanken machen. Noch sind es knapp eineinhalb Jahre, bis seine Maschinen buchstäblich in die Luft gehen.