Europas Autohersteller sind im Elend

In wenigen Tagen öffnet der Genfer Autosalon seine Tore. Ein Grund zur Freude? Nicht überall: Unter den europäischen Produzenten herrscht Katzenjammer – gelinde gesagt. Die Verkaufszahlen sind drastisch gesunken.

Europa ist eine der wichtigsten Absatzregionen der Autohersteller. Doch Stück für Stück begräbt die Autobranche ihre Hoffnungen auf eine rasche Erholung im krisengeschüttelten Europa. Schon in den letzten Jahren rechneten die Autohersteller mit einer langen Durststrecke. Nun schüren immer neue Hiobsbotschaften immer grössere Befürchtungen.

«Der Druck lässt nicht nach»

«Mindestens noch fünf Jahre wird die Schuldenkrise und damit die Verunsicherung auf Europas Automärkten anhalten», prognostiziert Norbert Reithofer. Ein Mann, der es wissen muss: Reithofer ist BMW-Chef. Er weilt zurzeit am Genfer Autosalon.

Ähnlich pessimistisch tönt es auch bei Peugeot: «Der Druck lässt nicht nach», sagt Markenmanager Frederic Saint-Geours. Und düstere Prognosen gibt es auch bei Ford. Stephen Odell warnt, es werde wohl vier bis fünf Jahre dauern. «Erst dann wird die Krise überwunden sein», sagt der Europa-Chef des US-Herstellers Ford.

Vor der weltweiten Schulden-Krise wurden in ganz Europa jährlich bis zu sechzehn Millionen Autos verkauft. 2012 waren es dann noch zwölf Millionen Neuwagen – so wenige wie seit 1995 nicht mehr.

Schlechter Start

Im Januar sackten die Neuzulassungen gar auf einen historischen Tiefstand – dem niedrigsten seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen. Der Auto-Markt in Europa sei schlechter ins Jahr 2013 gestartet als gedacht, sagt Daimler-Generaldirektor Dieter Zetsche in Genf.

«Der Markt ist nicht in der Verfassung, wie wir das vor drei Monaten erwartet haben», bestätigt Ford-Manager Odell. Er geht davon aus, dass die Verkaufszahlen im ersten Halbjahr «am unteren Rand» der Erwartungen entlangkriechen.

Daimler-Chef Zetsche hält eine Verbesserung der Lage vom zweiten Halbjahr an für möglich. Darauf könne die Branche aber nicht vertrauen.

Epizentrum Europa

«Mal ehrlich: Wer weiss schon, was in der zweiten Jahreshälfte passiert?», fragt dagegen Ford-Manager Odell. Für das Gesamtjahr 2013 wird in der Branche mit Rückgängen in Europa zwischen drei und zehn Prozent gerechnet. Es werde eine sehr langsame Erholung mit Rückschlägen geben, sagt Odell.

Ford ist der zweitgrösste Autobauer der USA. Der Konzern zählt wie PSA Peugeot Citroen, Fiat oder Opel zu den Herstellern, die unter der Krise leiden. Sie produzieren in Europa für Europa. Die Autohersteller können die Rückgänge nicht andernorts ausgleichen.

Vor allem im schuldengeplagten Südeuropa sitzt das Geld der potenziellen Käufer nicht locker in der Tasche. Wer sparen muss, hat wenig Interesse ein neues Auto zu kaufen. Die Folgen: Rabattschlachten, Sparprogramme bei den Autokonzernen. Zudem: Viele Stellen werden gestrichen. Und erneut fehlt Konsumenten Geld für neue Autos.

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Mit Ideen gegen die Krise

1:51 min, aus Tagesschau vom 5.3.2013