Flucht ins «Tausendernötli»

Eurokrise, Negativzinsen und Wirtschaftsflaute. Darum beziehen Sparer mehr Bargeld. Im Trend liegt vor allem das violette «Tausendernötli». Über 40 Milliarden Franken sind in Form von Tausendernoten zur Zeit im Umlauf. Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann meint die Gründe für den Boom zu kennen.

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Tausendernoten als Wertaufbewahrung

1:53 min, aus Tagesschau vom 3.4.2015

Es ist nun wahrlich keine günstige Situation für Schweizer Sparer. Aufgrund der niedrigen Zinsen lohnt sich schon seit Jahren das «Parkieren» von Bargeld auf Bankkonten nicht mehr. Seit Dezember drohen nun auch Negativzinsen. Obwohl sich diese bisher nur bei Grosskunden auswirken, geistert die Angst herum, dass eines Tages auch Kleinsparer betroffen sein könnten.

Zahlen der Schweizerischen Nationalbank vom März 2015 zeigen nun, dass immer mehr Bargeld in Umlauf gelangt. Im Dezember 2014 waren rund 68 Milliarden Schweizer Franken im Noten- und Münzumlauf, fast 41 Milliarden davon in Form von Tausendernoten – das ist Rekord. Zum Vergleich: Im Dezember 2010 waren rund 51 Milliarden im Umlauf – nur gerade 31 Milliarden in Tausendernoten.

«Wahrscheinlich Negativzinsen, wahrscheinlicher die Rubelkrise»

Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann untersucht seit Jahren, welche Beziehungen die Menschen zu Geld haben. Er meint, die Gründe für den Anstieg beim Horten von Tausendernoten um rund einen Drittel innert fünf Jahren zu kennen. Denn Menschen weichen in Krisen ins Bargeld und vor allem in den Schweizer Franken aus.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wollten Menschen ihr Vermögen bewahren. «Die Nachfrage ist immer stark, wenn die Zeiten unsicher sind. [...] der Franken ist sicher und in Form von Noten ist man sicher, dass die Anlage nicht verschwindet.»

Wenn man die letzten fünf Jahre alleine betrachte, falle auf, dass ein Anstieg im Notenumlauf immer dann zu verzeichnen ist, wenn die Wirtschaft leiden musste. Zuerst in der amerikanischen und dann in der europäischen Wirtschaftskrise. Vor allem die andauernden Existenzängste um den Euro trieben Sparer und Institutionen dazu, in den sicheren Franken zu investieren.

Zum starken Anstieg bei den Banknoten meint Straumann: «Kürzlich waren es wahrscheinlich Negativzinsen, noch wahrscheinlicher ist aber die Rubel-Krise. Die russische Währung ist zusammengebrochen und viele Russen haben Schweizer Tausendernoten gekauft»

Eine Hand hält eine Tausendernote.

Bildlegende: Die Schweizer Tausendernote dient als ideales Wertaufbewahrungsmittel. Keystone

«Über 100 Jahre eine Fluchtwährung»

Rendite könne man beim Bunkern von Bargeld nicht machen. Profit stehe aber auch nicht im Fokus der Überlegungen. Es gehe vor allem um Sicherheit, sagt Straumann. Wie bei Anlagen in Gold wolle man mit Bargeld einen Teil des Vermögens in fassbaren Investitionen sichern. Der Franken eigne sich daher ungemein. Den dieser sei «schon seit über 100 Jahren eine Fluchtwährung».

Immer wenn sich eine politische oder wirtschaftliche Lage verschlechtere, könne man eine Flucht in den Franken beobachten. Die Aufwertung der Währung sei dann klar zu erkennen und der Umlauf der Tausendernoten steige parallel dazu massiv an.