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Wirtschaft Flüchtlinge: Anerkennung fremder Berufsabschlüsse ist schwierig

Viele Flüchtlinge haben in ihrer Heimat eine Ausbildung absolviert oder Berufserfahrung gesammelt. Trotzdem haben sie in der Schweiz Mühe, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Wenn sie intensiv begleitet und mit Weiterbildungen unterstützt werden, kann der Einstieg in den Schweizer Berufsalltag gelingen.

Samiullah Shaiban
Legende: Ziel von Samiullah Shaiban ist es, das Schweizer Staatsexamen als Arzt abzulegen. SRF

In Afghanistan hat er als Kinderarzt gearbeitet, in der Schweiz schlug er sich zwei Jahre lang als Küchenhilfe durch: Samiullah Shaiban, 43 Jahre alt, verheiratet, Vater von drei Kindern. Weil er wiederholt mit dem Tod bedroht wurde, musste er zusammen mit seiner Familie seine Heimat verlassen. Das neue Daheim ist Chur. Seit April arbeitet Samiullah Shaiban im Spital Schiers als Unterassistent: «Wir finden es interessant, jemandem aus so einem Land eine Starthilfe zu geben und so zu versuchen, ihn in der Schweiz zu integrieren», sagt Lesek Purek, einer der leitenden Ärzte des Spitals. Ziel von Samiullah Shaiban ist es, das Schweizer Staatsexamen als Arzt abzulegen.

Legende: Video Lesek Purek, Spital Schiers abspielen. Laufzeit 0:32 Minuten.
Aus ECO vom 05.10.2015.

Er ist einer von 18 Flüchtlingen aus Ostschweizer Kantonen, welche die Stiftung Arbeitsgestaltung dabei unterstützt, im Schweizer Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Die gleiche Aufgabe nimmt in Zürich die Asylorganisation AOZ wahr, in der Westschweiz das Heks. Zusammen setzen die drei Organisationen das 2012 gestartete Bundesprojekt «Potentiale nutzen – Nachholbildung» um. Dieses rief der Bund als Reaktion auf Kritik der OECD ins Leben: Die OECD hatte bemängelt, dass die Integrationspolitik der Schweiz für Flüchtlinge bescheiden sei im Vergleich zu anderen OECD-Ländern. Am Projekt nehmen insgesamt rund 50 Flüchtlinge und Vorläufig Aufgenommene teil, die einen Hochschul- oder einen Lehrabschluss haben oder über Berufserfahrung verfügen.

Anerkennungsverfahren funktionieren nur für wenige

Fabienne Zannol ist zuständig für das Pilotprojekt in der Ostschweiz. Nach zwei Jahren ist ihre Bilanz ernüchternd über die Berufs-Anerkennung von Flüchtlingen: «Die Anerkennungsverfahren funktionieren für sehr wenige Leute – aus ganz verschiedenen Gründen: Sei es, dass Dokumente fehlen oder einfach die Anerkennung an sich nicht möglich ist». Denn oft seien Ausbildungen im Ausland viel kürzer oder anders aufgebaut als in der Schweiz. Wünschenswert wäre, findet Fabienne Zannol, wenn flexiblere Wege offen stünden: Wenn etwa Dokumente fehlten, könnte man stattdessen eine praktische Prüfung machen, um herauszufinden, was eine Person kann und was nicht.

Deutschlands Recherche-Abteilung

Diese Möglichkeit gibt es – anders als in der Schweiz – in Deutschland: Dort überprüft die IHK-FOSA (Foreign Skills Approval) in Nürnberg ausländische Berufsabschlüsse im nicht-reglementierten Bereich: Industrie, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen. Wenn ein ausländischer Bildungsabschluss einem deutschen entspricht, wird eine sogenannte Gleichwertigkeit festgestellt. Können Gesuchsteller keine Dokumente vorlegen, etwa weil diese auf der Flucht verloren gingen, stellt das mehrsprachige Team von wissenschaftlichen Mitarbeitern eigene Recherchen an. Geschäftsführerin Heike Klembt-Kriegel: «Mit einem geeigneten Verfahren – das kann eine Arbeitsprobe sein oder auch ein Fachgespräch – kann man nachweisen, dass man über die erforderlichen beruflichen Fertigkeiten verfügt.»

Das Schweizer Pilotprojekt «Potentiale nutzen – Nachholbildung» zeigt, dass es aufwändig ist, Flüchtlinge in der Arbeitswelt zu integrieren. Nur schon bis sie sprachlich auf einem akzeptablen Level sind, dauert es lange. Doch die Mühe lohnt sich für den Staat auch finanziell (siehe Box). Illusionen, dass Flüchtlinge den Fachkräftemangel in der Schweiz lindern helfen, sollte man sich indes nicht machen. Laut Fabienne Zannol ist der Anteil gut Ausgebildeter klein: «Wir arbeiten mit einer Minderheit. Aber ich denke nichtsdestotrotz, dass der Aufwand notwendig ist und die Schweiz und der Arbeitsmarkt schlussendlich profitieren werden».

Transferleistungen

Eine Flüchtlingsfamilie mit zwei Kindern erhält im Kt. Zürich pro Jahr 48'000 Fr. Transferleistungen. Findet das Ehepaar Arbeit und verdient 5700 Fr. pro Monat, sinken die Transferleistungen auf 4300 Fr. pro Jahr. Zudem zahlen die beiden 6300 Fr. Steuern und Arbeitnehmerbeiträge. Die öffentliche Hand hat Einnahmen von 2000 Fr. (Quelle: B.S.S.Basel)

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11 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es darf einfach nicht sein, dass bei uns Ausländern mehr Chancen und Unterstützung gegeben werden, als einem Schweizer der immer in der Schweiz war. Es gibt bei uns so viele Arbeitslose, die einen sehr steinigen Weg beim RAV und der ALK durchmachen müssen. Ich war jetzt fast 1 Jahr arbeitslos und kann mir nicht vorstellen, dass man diesen Zustand länger aushalten kann. Also bitte, liebe Regierung, wir sind hier in der Schweiz und die Einwanderung soll derjenigen der USA angepasst werden.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    "Anerkennung fremder Berufsabschlüsse" Ich denke nicht, dass es ausserordentlich ist, gerade in anspruchsvollen Berufen, mit einem Nachdiplom sein Können beweisen zu müssen. Mir wurde damals in Südaustralien weder mein Hebammendiplom noch meine langjährige Berufserfahrung anerkannt. Kann mir nicht vorstellen, dass sich daran etwas geändert hat.
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    1. Antwort von robert mathis (veritas)
      B.Herrman,nein hat sich Nichts geändert und genau so ist es auch in Canada ein schweizer Autolakierer der hier über Jahre ein eigenes Geschäft hatte musste erst im Angestelltenverhältnis arbeiten und viele Anforderungen erfüllen spez.auch die Sprache erlernen bis er als Geschäftsmann anerkannt wurde.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Kennen Sie das Märchen vom Fachkräftemangel? Der Wirtschaft geht es einzig um den Import billiger Arbeitskräfte - selbst die Löhne des Pflegepersonals werden unter Druck kommen, s. ARD-Doku "Das Märchen vom Fachkräftemangel" - verfügbar im Internet.
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Sags ja schon lange! Den Beweis dafür liest man hierzulande im bfs: 50% Ausländeranteil bei AL+Sozialabhängigen. Das ist in Deutschland nicht anders.
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