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Freihandelsabkommen Mercosur Bauernpräsident: «Wir wollen nicht mehr Kompensation»

Markus Ritter fordert faire Preise statt höhere Begleitmassnahmen zur Abfederung eines Mercosur-Abkommens.

Legende: Video Markus Ritter über seine Bedingungen für ein Mercosur-Abkommen abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus ECO vom 28.05.2018.

Damit die Bauern Hand bieten zu einem Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay), sieht der Bund Begleitmassnahmen in Höhe von 900 Mio. Franken über einen Zeitraum von zehn Jahren vor. Damit sollen sinkende Produzentenpreise abgefedert werden, die eine Grenzöffnung mit sich bringen würde.

Beim Weizen beispielsweise rechnet der Bund mit einem Preisrückgang von 7 Prozent, bei Poulet mit 12 Prozent und beim Rindfleisch 18 Prozent. So steht es in der «Gesamtschau Agrarpolitik», die der Nationalrat kommende Woche beraten wird.

Direktzahlungen sind genug

Im «ECO»-Interview sagt Bauernpräsident Markus Ritter, zusätzliche Mittel seien nicht nötig: «Wir sind der Meinung, dass die Leistungen des Bundes über Steuermittel an die Landwirtschaft korrekt sind, so wie sie heute sind. Wir möchten die Erlöse vor allem über unsere Produkte am Markt erwirtschaften, und da sind die Rahmenbedingungen entscheidend.» Heute erhalten Schweizer Bauern Direktzahlungen in der Höhe von 3.4 Mrd. Franken pro Jahr.

Wir möchten vor allem über unsere Produkte am Markt die Erlöse erwirtschaften.
Autor: Markus RitterPräsident Bauernverband

Mit Rahmenbedingungen spricht der Präsident des Schweizer Bauernverbands die Ausgestaltung eines Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten an. Konkret will Markus Ritter, dass beim Abschluss eines Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten kein zusätzliches Rindfleisch ausserhalb des WTO-Zollkontingents aus Südamerika importiert würde - bisher ist die Rede von 2000 Tonnen Rindfleisch. Heute beträgt das WTO-Kontingent für rotes Fleisch 22'500 Tonnen.

Markus Ritter: «Wir importieren jetzt innerhalb dieses Zollkontingentes 22'000 Tonnen rotes Fleisch in die Schweiz, und wenn das innerhalb dieses WTO Kontingentes stattfindet, dann ist das sicher etwas, das wir diskutieren können.» Mit anderen Worten: Wenn aus anderen Ländern entsprechend weniger Rindfleisch importiert würde, wären die Bauern mit mehr Rindfleisch aus den Mercosur-Staaten einverstanden.

Einsparungen von 206 Mio. Franken

Vom 29. April bis 5. Mai besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann zusammen mit einer Delegation von 50 Personen die Mercosur-Staaten. Von einem Freihandelsabkommenm, das die Schweiz zusammen mit den anderen Efta-Staaten (Fürstentum Liechtenstein, Norwegen ud Island) verhandelt, erhofft sich die Schweiz einen besseren Zugang für Industrieprodukte. Heute verteuern Zölle zwischen 7 und 35 Prozent den Zugang zu den Mercosur-Staaten. Mit dem Abschluss eines Freihandelsabkommens rechnet der Bund mit Einsparungen in der Höhe von 206 Mio. Franken.

Wir brauchen das Abkommen sofort - zu vergleichbaren Konditionen wie die EU, wenn die EU zu einem Abschluss kommt.
Autor: Johann Schneider-AmmannBundesrat

Für Bundesrat Johann Schneider-Ammann geniesst ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten hohe Priorität: «Wenn das Abkommen mit der Efta und damit der Schweiz nicht zustande kommt, aber gleichzeitig die EU eine Lösung findet, dann wären die Schweizer Exporteure gegenüber der EU-Exporteueren blitzartig benachteiligt.» Dann könnten Schweizer Exporteure nicht mehr liefern, es käme zu Verlagerungen und Arbeitsplätze gingen verloren: «Wir brauchen das Abkommen sofort - zu vergleichbaren Konditionen wie die EU, wenn die EU zu einem Abschluss kommt.»

Legende: Video Schweizer Landwirtschaft: Wie viel Öffnung ist zumutbar? abspielen. Laufzeit 17:39 Minuten.
Aus ECO vom 28.05.2018.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Was für eine armselige Landwirtschafts-Politik! Es geht einmal mehr primär um "Millionen/Milliarden" bei: Bundesrat, BLW, BLV, Schweizer Bauernverband und Co, um tonnenweise "Fleisch, Getreide, etc"! Wiederum geht es nicht um lebenswichtige Gesunderhaltung von Natur, Tier und Menschen, durch nachhaltig öko-logische Landwirtschafts-Produkte- Produktion der Schweizer LW, oder durch die vielen Tonnen an Importen von Grundnahrungsmitteln! Es geht um Profit! Beschämende, mangelhafte LW-Politik!
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  • Kommentar von elize naude (elize)
    amman ist nur ein grosse Vertreter sich selbst gegenüber...
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Klar. sich über Tierwohlmissachtung aufregen, heimische Produkte über entspr. Vorschriften verteuern, aber Mercosur-Imprten Tür und Tor öffnen. Das passt zur heutige Politik. Schneider-Ammann ist m.E. ein reiner Steigbügelhalter für Exportgewinnler. Dieses Land scheint heute als einziges Führungskriterium Wirtschaftsaspekte zu berücksichtigen. Und das ist der Dolchstoss für unsese freiheitliche Gesellschaftsordnung als auch ein halbwegs verträgliches Leben.
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