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Frostnächte mit Spätfolgen Magere Ernte: Obsthändler vor Kurzarbeit

Die Hälfte der Apfelernte ist nach dem widrigen Frühling 2017 ausgeblieben. Besserung erwartet der Handel erst ab Juni.

Legende: Video Kurzarbeit wegen schlechter Ernte abspielen. Laufzeit 7:40 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 19.01.2018.

Bei vielen Bauern sind die Frostnächte des vergangenen Frühlings noch in lebendiger Erinnerung. Jetzt haben sie Spätfolgen auf dem Arbeitsmarkt. Weil den Obsthändlern die Schweizer Früchte ausgehen, verlieren viele Angestellte vorübergehend ihren Arbeitsplatz.

Zwar packen in der Obsthalle im thurgauischen Bischofszell zurzeit noch mehr als hundert flinke Hände an. Bei der Tobi Seebst AG, dem grössten Obsthändler der Ostschweiz, werden die Äpfel nach Kundenwünschen verpackt. Sie werden später lose in der Selbstbedienung, in Taschen oder in Sechserschalen verkauft.

Doch lange können die Angestellten in Bischofszell die Sortier- und Verpackungsanlagen nicht mehr bedienen. Schuld daran ist der Frost im vergangenen Frühling. Rund die Hälfte der Apfelernste blieb damals aus.

Das ist eine neue und sehr spezielle Situation»
Autor: Benno NeffGeschäftsführer Tobi Seebost AG

«Die letzten 30 Jahre haben wir einen so starken Frost mit derart starken Auswirkungen noch nie erlebt. Das ist eine neue und sehr spezielle Situation», erklärt Tobi-Geschäftsführer Benno Neff.

Kurzarbeit für das halbe Personal im Frühling erwartet

Die letzten Schweizer Birnen kommen in diesen Wochen in den Verkauf. 25 Mitarbeitende des Ostschweizer Obsthändlers sind von Kurzarbeit betroffen. Noch grösser werden die Auswirkungen aufs Personal im Frühling sein, wenn sich die Lagerhallen weiter leeren. Weitere 70 Angestellte werden wohl vorübergehend zu Hause bleiben müssen.

Importe zum Ausgleich, doch ganz Europa ist knapp

Kompensiert werden die Schweizer Ernteausfälle mit Importen aus dem Ausland. Der Bund hat zu Jahresbeginn ein Kontingent von 8000 Tonnen Äpfeln bewilligt. Eine Ausnahmesituation, denn üblicherweise sind Zukäufe erst ab Juni erlaubt.

Das Sortiment wird zunächst mit Äpfeln aus Frankreich und Italien ergänzt. Doch auch die Nachbarländer klagen über schwache Erträge, wie Neff sagt: «Die Ernte war auch in Europa sehr schlecht und wird deshalb früh ausverkauft sein. Ab Mai wird der Hauptteil dann aus der südlichen Hemisphäre kommen, aus Chile oder Neuseeland.»

Einerseits erhofft man sich davon, das Sortiment ergänzen zu können, um trotzdem eine gewisse Auswahl an Äpfeln anbieten zu können. Anderseits hilft es, zumindest Teile der Auslastung zu verbessern, um auch in den Sommermonaten noch ein bisschen Arbeit zu haben.

Warten auf die Beeren- und Kirschenernte im Juni

Die Auswirkungen des letztjährigen Frosts bekommt die Obstbranche in der Schweiz also erst richtig zu spüren. Kurzarbeit ist etwa auch bei der Agrargenossenschaft Fenaco ein Thema. Andere Betriebe versuchen die Ausfälle mit internen Massnahmen abzufedern. Besser wird es mit der Auslastung erst wieder, wenn die die neue Ernte kommt. Dies dürfte mit der Beeren- und Kirschenernte ab Juni der Fall sein.

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