Weko-Untersuchung zu TV-Hockey Für den Zuschauer wird der Sport immer teurer

Der Kampf um die Sportübertragungsrechte tobt weiter. Leidtragende des Kräftemessens seien die Sportfans, analysiert Wirtschaftsredaktor Philip Meyer.

Es war eine Retourkutsche mit Ansage. Nachdem die UPC bei den Eishockey-Spielen zum ersten Mal einen Kampf um Sportrechte gegen die grosse Konkurrentin Swisscom gewonnen hatte, wollte sie diesen Sieg auskosten. Zumal die UPC grosse Pläne hegt.

Ein eigener Sportkanal namens «MySports» soll auf den Eishockeyübertragungen und den von der Schwesterfirma Liberty Media gekauften Formel-1-Rechten aufgebaut und vermarktet werden. Eine langfristige Option für die UPC dürfte aber bleiben, sich auch den wichtigsten sportlichen Honigtopf in der Schweiz zu sichern: die Rechte an der Fussball Super League, die immer noch der Swisscom gehören.

Dass die Swisscom in dem Streit die Wettbewerbskommission anrufen würde, war zu erwarten. Denn die UPC tat vor Jahren dasselbe, als sich die Swisscom weigerte, Fussballspiele ausserhalb des Teleclub-Abonnements an andere Pay-TV-Anbieter abzutreten.

Die Swisscom rechnet sich Chancen aus, dass die UPC ihr auch ohne WEKO-Urteil entgegenkommen wird; obwohl sich die UPC im Moment gegenüber SRF kämpferisch zeigt. Die Swisscom überlässt mittlerweile anderen Mitbewerbern Fussballspiele zu marktüblichen Konditionen, obwohl das letzte Urteil in dem Fall noch nicht rechtskräftig ist. Ausserdem hat UPC mit 15 Vertriebspartnern, vornehmlich kleineren Kabelbetreibern, bereits Verträge über die Abtretung von Eishockey-Spielen abgeschlossen. Das wird die Swisscom in den Verhandlungen ins Feld führen. Letztere wird aber verhindern wollen, diese nur über die Aufschaltung des UPC-Sportkanals im eigenen Angebot zu erhalten.

Immer weniger Sport-Angebote im Free-TV

Über diesem schweizerischen Powerplay steht der internationale Kampf um die Zukunft des attraktiven Live-Sports im Bezahlfernsehen. Die «klassischen» Anbieter wollen nicht noch einmal von einem Streamingunternehmen geschlagen werden, wie dies im Bereich Filme und Serien bei Netflix der Fall war. Finanzkräftige Konkurrenten wie die britische Dazn haben in Grossbritannien und Deutschland gezeigt, dass sie es sogar mit der scheinbar übermächtigen Sky aufnehmen können.

Die öffentlich-rechtlichen Medienhäuser ziehen sich immer häufiger aus diesem Bieterkampf zurück. Sie wollen die in ungeahnte Höhen steigenden Rechtekosten nicht auf dem Rücken der Gebührenzahler mitgehen. Dies heisst aber auch: Es gibt immer weniger Sportübertragungen im Free-TV. Denn private Fernsehstationen können meist finanziell nicht mithalten.

Für die Sportfans wird es teuer

Der Leidtragende in diesem Kampf ist der Sportfan. Er wird nicht mehr nur für Übertragungen seiner Lieblingssportarten bezahlen müssen. Er wird sie, wenn er verschiedene Sportarten mag und sehen will, auch noch bei verschiedenen Anbietern zusammensuchen müssen. Das würden viele noch auf sich nehmen, wenn sie einzelne Übertragungen zu anständigen Konditionen kaufen könnten. Doch im Moment geht der Weg in Richtung Exklusivität. Das heisst jeder Anbieter wird versuchen, dem Kunden ein eigenes Abomodell zu verkaufen.

Dabei vergessen UPC und Swisscom offenbar, dass der Sieg in diesem Spiel über die Rechte an der Champions League und beispielsweise jenen aus Grossbritannien und Deutschland ausgefochten wird. Ein langwieriger Match zwischen Swisscom und UPC könnte bei den Schweizer Sportfans schlecht ankommen; und sie erst recht in die Arme ausländischer Anbieter treiben.

Philip Meyer

Philip Meyer

Philip Meyer berichtet als Wirtschaftsredaktor seit fünf Jahren für Radio SRF über IT- und Telekomunternehmen sowie alte und neue Medien. Er ist zudem Chef vom Dienst im Newsroom von Radio SRF.