Games: Keine Rezensions-Exemplare mehr im Voraus

Die Gaming-Industrie wirft auch dieses Jahr Gewinne im hohen zweistelligen Milliardenbereich ab. Ein boomendes Geschäft, das auch durch Game-Journalisten, Youtuber und Meinungsmacher geformt wird. Doch genau dem schiebt einer der grossen Entwickler jetzt den Riegel vor: Bethesda.

drei der Hauptcharaktere

Bildlegende: Bethesda Drei der erfolgreichsten Spiele-Serien von Bethesda (v.l.n.r.): Doom, Fallout, The Elder Scrolls Collage SRF

Ähnlich wie in der Literatur Rezensionsexemplare verschickt oder bei neuen Filmen Pressevorführungen veranstaltet werden, verschickt die Gaming-Industrie Vorabtestversionen an Gaming-Journalisten, YouTuber und Meinungsmacher. Doch mit dieser Tradition bricht jetzt Bethesda, einer der vielfach preisgekrönten Publisher der Szene.

Worum geht es Bethesda?

Bethesda ist einer der ganz Grossen der Game-Industrie. Ein Entwickler und Publisher aus den USA, der sich mit Blockbuster-Titeln wie «Doom», «The Elder Scrolls» oder der «Fallout»-Serie einen Namen gemacht hat.

Gerade letztere beide sind «Open-World»-Games: Umfangreiche Spiele, für die Game-Journalisten Tage brauchen, wenn nicht Wochen, um sie zu testen. Diese will Bethesda den Testern in Zukunft aber nicht mehr geben: Ein Tag Vorlaufzeit für alle reiche, heisst es von offizieller Seite.

Man schätze und lese die Game-Reviews auch bei Bethesda und versuche von ihnen zu lernen. Ausserdem würde man verstehen, warum sie für viele Spieler von Wichtigkeit sind. Doch habe man auch bei der letzten grossen Publikation von «Doom» nur ein Tag vor der Veröffentlichung Testversionen verschickt.

Und «Doom» habe die besten Kritiken der letzten Jahre im Bereich der Schiessspiele erhalten. Das liege daran, dass die Tester so kurz vor dem Release auch ein fertiges Produkt zugestellt bekamen, begründet Bethesda den Erfolg.

Und so wolle man auch in Zukunft die Praxis fortführen, dass alle, inklusive Medien, die Spiele von Bethesda gemeinsam erfahren würden.

Gleiches Recht für Alle

Doch das Gleichstellungsargument ist nur die halbe Wahrheit. Es stimmt, dass man als Tester oft nur eine halbfertige Version in die Finger bekommt, und diese das Review negativ beeinflussen kann. Trotzdem steckt mehr hinter der neuen Strategie.

Auch wenn Bethesda einen guten Ruf geniesst, so ist sie eine Firma, die in einem Milliardengeschäft Geld machen will. Mit der neuen Politik erhofft sich das Unternehmen natürlich Marktvorteile.

In diesem Fall ein Informationsmonopol, denn Bethesda kann nun ganz genau steuern, welche Szenen man schon vorab sehen darf. Ausserdem weiss man schon jetzt, dass Bethesda auch weiterhin handverlesenen Journalisten und Youtubern ihre Spiele im Voraus schicken wird.

Bislang signalisierten Rezensionsexemplare im Voraus, dass Bethesda auf den Erfolg seiner Games vertraute – und auf die Meinung der Personen, die das Game vorzeitig erhielten. Dieses Vertrauen ist nun dahin: Denn wer nichts mehr zeigen will, hat meist auch etwas zu verstecken. Wer weiss, immerhin stehen bei Bethesda dieses Jahr noch zwei grosse Publikationen an: «Dishonored 2» und «Skyrim: Special Edition».

Was heisst das für den Endverbraucher?

Rezensionen, die im Vorfeld einer Publikation erscheinen, fördern auch einen weiteren Nebeneffekt: Spieler bestellen die Games im Voraus. Gerade, wenn Games voller Fehler und Probleme erscheinen, ist diese Praxis wenig sinnvoll.

Und mit Bethesdas Entscheidung ist es noch ratsamer, die Publikation eines Games abzuwarten. Das rät auch Bethesda den Spielern, die nicht auf Reviews verzichten wollen. Doch gerade, weil die Branche weiterhin boomt und viele von Anfang an dabei sein wollen, möchten sie trotzdem nicht warten und kaufen das Game ab Tag 1 – ohne auf das Review zu warten.

Dabei bräuchten Gametester mehr Zeit, um einem Spiel gerecht zu werden. Die neue Politik von Bethesda stärkt also vielmehr die Position der Youtuber. Denn dort finden oft keine Tests, sondern sogenannte «Let’s Plays» statt. Also Live-Streams, in denen man zuschauen kann, wie andere ein Spiel spielen.

Gleichzeitig schwächt das die Position der Game-Journalisten – was das für ihre Arbeit bedeutet, bleibt abzuwarten.