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Medizinaltechnik aus Obwalden Ganz gross mit kleinen Antrieben

Die Firma Maxon baut millionenfach Motoren im Millimeterbereich. Medizin und Roboter brauchen immer mehr davon.

Legende: Audio Mikromotoren – Obwaldner Unternehmen sichert sich die Zukunft abspielen. Laufzeit 5:21 Minuten.
5:21 min, aus Echo der Zeit vom 21.02.2017.

Die Fabrikhallen sind unübersehbar auf der grünen Wiese ausserhalb der Ortschaft Sachseln nahe dem Sarnersee. Mit über 1100 Beschäftigten ist Maxon der grösste Arbeitgeber im Kanton Obwalden. Ingenieure, Physiker und Mathematiker arbeiten hier ebenso wie hunderte von Produktionsangestellten.

In dem riesigen Labyrinth entstehen Kleinmotoren aller Art. Rund fünf Millionen solcher präziser Antriebssysteme liefert das Unternehmen in alle Welt. 40 Prozent davon sind Mikro-Motoren, die in der Medizin zu Anwendung kommen. Nur wenige Millimeter gross, steuern sie beispielsweise die Bewegungen von Handprothesen.

Montage mit Fingerspitzengefühl und Lupe

An den unzähligen Werkbänken arbeiten Frauen an verschiedenen Montagegeräten. Sie tragen blaue Arbeitsschürzen und weisse, dünne Gummihandschuhe. «Die Frauen haben eine sehr gute Fingerfertigkeit und kleinere Hände, was bei den kleinen Teilen von Vorteil ist», sagt der 53-jährige Firmen-Chef Eugen Elmiger.

Mit den Arbeitsschürzen werden die Elektronikteilchen von elektrostatischer Spannung geschützt. Die hochsensiblen Rotoren aus Kupfer werden unter der Lupe mit der Kollektorplatte zusammengefügt. Der Rotor mit zehn Millimeter Durchmesser ist Teil eines Motors zur Steuerung eines Röntgengeräts.

Maxon auf dem Mars

Elmiger arbeitet seit 1991 bei Maxon und ist seit sechs Jahren CEO des international tätigen Unternehmens. Dieses baute zuerst Motoren für die Raumfahrt – so unter anderem für das Marsmobil «Opportunity. Die Medizinaltechnik kam erst vor rund zehn Jahren dazu.

Ausschlag gab laut Elmiger eine Firma auf dem umsatzträchtigen US-Markt für Insulin-Pumpen. Diese High-Tech-Motoren werden im Körper implantiert und dosieren das Medikament. Um auf diesem Markt Fuss zu fassen, hat Maxon drei Jahre lang geforscht und entwickelt. Die Antriebe mit Durchmessern von sechs beziehungsweise acht Millimetern können nur in Reinraum-Umgebung produziert werden. Dafür wurde separate Produktionsräume hinter Glas geschaffen.

Motoren im menschlichen Körper

Solche Kleinstmotoren werden aber auch bei Pumpen eingesetzt, die den Blutkreislauf unterstützen. Dieses System stellt laut Elmiger wiederum andere Anforderungen an den Antrieb: Das direkt in der Arterie eingesetzte Gerät muss bio-kompatibel sein und vor allem dicht sein, damit nicht Schmiermittel in den Blutkreislauf gelangen kann.

Fehler machen verboten, lautet denn auch die Device in Elmigers Unternehmen, das 2015 mit seinen Motoren über 400 Millionen Franken Umsatz machte. Knapp die Hälfte betraf den Bereich Medizinaltechnik. Elmiger sieht ein grosses Potenzial.

Die Vision

Er ist überzeugt, dass Roboter – Elektronik-Korsette zum Anziehen – dereinst zum Alltag von gehbehinderten Menschen gehören werden. Ein Vision also, bei der Mensch und Technik immer mehr verschmelzen.

Maxon will die Standorte im Ausland weiter ausbauen und auch am Hauptsitz im Sachseln entsteht eine neues Gebäude für 30 Millionen Franken. Es wird ein neues Innovationszentrum für High-Tech-Motoren, die Muskeln und Gelenke in Bewegung bringen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Es werden in Zukunft Mikrowerkzeuge in Millimetergrösse innerhalb von Blutadern selbst Krebsgeschwüre wegfräsen und verstopfte Blutwege öffnen und so schwere Eingriffe von Aussen verhindern helfen. Das ist die Sparte die die Rohstoffarme CH weiter ausbauen muss. Aber bitte nicht mit geizigen Investmentmethoden alles zu verhindern, bis dann das Ausland den Braten riecht, wie in vielen Dingen wo Schweizer Erfinder ins Ausland mussten.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Bildung und Ausbildung sind die Basis für den Reichtum der Schweiz. Das ist sehr schön.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Das wertvollste Kapital der rohstoffarmen Schweiz ist Wertschöpfung durch die Arbeit von Fachleuten und Spezialisten. Die Grundlagen werden bereits in den Schulen geschaffen und bei jeder Lehre, Weiter- und Fortbildung erhöht. Visionen und deren praktische Umsetzung sind in so einem Umfeld gut möglich.
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