Gefängniszelle statt Penthouse – Trader verhaftet

Fünf Jahre nach dem beispiellosen Absturz des US-Leitindex Dow Jones haben die Behörden zugeschlagen. Fernab der Wall Street hat die britische Polizei einen Börsenhändler festgenommen. Dem 36-Jährigen wird vorgeworfen, im Mai 2010 den «Flash Crash» verursacht zu haben.

Britische Reihenhäuser in der Nähe des Londoner Flughafens Heathrow.

Bildlegende: Von seinem Haus aus soll der Trader den US-Aktienmarkt zum Absturz gebracht haben. Reuters

Der Mann sitzt zu Hause vor seinem Computer im Londoner Stadtteil Hounslow und bringt mit einem Mausklick die Finanzwelt zum Zittern. So geschehen am 6. Mai 2010.

Innerhalb von nur fünf Minuten verlor der US-Leitindex Dow Jones beim sogenannten «Flash Crash» rund 500 Punkte. Für den Coup entwickelte der Trader ein spezielles Programm und sackte so gegen eine Million Dollar ein.

40 Millionen Dollar in fünf Jahren

Der nach Angaben des Justizministeriums 36 Jahre alte Mann soll noch mehr auf dem Kerbholz haben: Er wird beschuldigt, mit seiner Firma in grossem Stil Scheinaufträge für sogenannte Indexprodukte platziert zu haben. Damit habe er, so die Ermittler, die Kurse gedrückt, um Kontrakte auf Termingeschäfte, die er vorher verkauft hatte, günstiger zurückkaufen zu können.

Der Händler soll auf diese Weise über fünf Jahre hinweg 40 Millionen Dollar ergaunert haben. Das sei ihm alleine und von einer unauffälligen Doppelhaushälfte mit kleinem Vorgarten am westlichen Rande Londons aus gelungen, berichteten britische Medien.

Scotland Yard hatte den Mann am Dienstag im Auftrag der US-Behörden festgenommen,heute stand er erstmals vor dem Richter. Er wolle sich gegen einen Auslieferungsantrag der US-Behörden zur Wehr setzen, sagte der 36-Jährige vor einem Londoner Gericht. Der Richter setzte eine Kaution von 5,05 Millionen Pfund fest.

In den USA muss wird er sich wegen Betrugs, Manipulation und anderer Vergehen verantworten müssen. Auch die US-Finanzaufsicht CFTC hat ein Verfahren eröffnet.