Gurtenfestival geht neue Wege

Fünf Millionen Eintritte verzeichnen die Musikveranstaltungen in der Schweiz Jahr für Jahr. Mit personalisierten Tickets versucht das Berner Gurtenfestival jetzt, das Problem der überteuerten und gefälschten Billette in den Griff zu bekommen. Das ist nicht unumstritten.

Eine Person hält ein Kartonschild in der Hand, auf dem steht «Ticket wanted».

Bildlegende: Ist am Gurtenfestival nicht mehr möglich: Kurzfristig ein Ticket zu kaufen. Keystone Archiv

Die britische Sängerin Adele gibt im Mai in Zürich zwei Konzerte. Offizieller Preis für die Stehplätze: 90 Franken. Längst sind die Konzerte ausverkauft. Trotzdem sind im Internet auf zahlreichen Verkaufsplattformen weiterhin Konzertbillette erhältlich – für 500 Franken oder sogar noch mehr. Dieser Weiterverkauf ist grundsätzlich legal, wird aber bei den Künstlern und Konzertanbietern nicht gerne gesehen.

Tickets als Spekulationsobjekt

«Uns ist der überhöhte Preis beim Wiederverkauf ein Dorn im Auge», sagt Dany Hassenstein, Vorstandsmitglied beim Branchenverband der Schweizer Konzert- und Festivalveranstalter. Aus den Tickets dürfe kein Spekulationsobjekt gemacht werden, findet sein Verband. Insbesondere bei ausverkauften Veranstaltungen blühen allerdings der Schwarzmarkt und der Handel mit überteuerten Tickets. Auch wenn dies gemäss Branchenangaben vergleichsweise nur wenige Billette betrifft.

Auch beim Gurtenfestival in Bern sind jeweils schon Wochen vor dem Anlass keine Tickets mehr erhältlich. Deshalb geht das Festival mit seinen insgesamt fast 80'000 Besuchern dieses Jahr einen neuen Weg. Erstmals müssen sich die Festivalbesucher mit Namen und Geburtsdatum registrieren und sich beim Festival ausweisen können. Das bringe den Fans zwar einen Mehraufwand – aber auch Vorteile, sagt Festivalsprecher Simon Haldemann. «Sie bezahlen den fairen und normalen Preis für das Ticket.»

Effizientes Mittel gegen Graumarkt

Die Registrierungspflicht am Gurtenfestival sei eine sinnvolle Massnahme heisst es bei der Stiftung für Konsumentenschutz. Dies sei ein sehr effizientes Mittel, um den Graumarkt mit Konzerttickets zu unterbinden, ist Michael Grütter von der Rechtsabteilung überzeugt. Selbstredend ist auch der Vertreiber der Billette – im vorliegenden Fall Starticket – überzeugt von dieser Lösung.

Für Starticket könnte diese Registrierungspflicht gar zum schweizweiten Standard werden. Für Festivalbesucher heisst das konkret: Wer für das diesjährige Gurtenfestival bereits ein Ticket gekauft hat, muss sich jetzt registrieren, ansonsten verfällt das Billett. Wichtig: Nach der Registrierung ist das Ticket nicht mehr übertragbar.

Längere Wartezeiten?

Das sei nicht kundenfreundlich, heisst es beim Verband der Konzert- und Festivalveranstalter. Die Erfahrungen bei anderen Anlässen und mit einem ähnlichem System hätten gezeigt, dass die zusätzlichen Kontrollen zu langen Wartezeiten führen könnten, so Vorstandsmitglied Hassenstein. Auch sei der Aufwand der Registrierung übertrieben: «Nur ein Prozent der Tickets kommt in den Graumarkt.» Wegen diesem einen Prozent die restlichen 99 Prozent der Konzertbesucher mit einem neuen System zu belasten sei «nicht verhältnismässig».

Hassenstein ergänzt aber, dass der Verband mit Interesse verfolge, wie die Registrierungspflicht in Bern umgesetzt werde, zumal das Gurtenfestival ebenfalls Mitglied im Verband ist. Offiziell bevorzugt der Verband aber andere Mittel, damit überteuerte Tickets nicht in den Verkauf gelangen. Etwa, indem ein Kunde nur eine bestimmte Anzahl Billett kaufen kann.

Die Erfahrungen auf dem Gurten und die Akzeptanz des Publikums werden zeigen, wie praktikabel das neue System ist und ob es Wucherpreise und gefälschte Tickets tatsächlich verhindern kann.