Haben oder nicht haben – die Lohnrunde 2014

Für viele Angestellte in der Schweiz gibt es nächstes Jahr mehr Lohn. Aber nicht für alle. Das zeigen die Resultate der bisher abgeschlossenen Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Jeanshose mit 100-er Note in der Gesässtasche

Bildlegende: Aufgrund der Teuerung sind 100 Franken mehr Lohn auch real 100 Franken mehr Lohn. Colourbox

Die Löhne 2014 bewegen sich im Rahmen der Erwartungen. Das sagt Roland A. Müller, Direktor des Arbeitgeberverbandes: «Die Lohnabschlüsse werden zu einem grossen Teil um ein Prozent liegen. Mit anderen Worten: Wir liegen etwa im Prognoseumfeld.»

Gastgewerbe mit Nullrunde

Und weil die Teuerung bei Null liegt, bedeutet jeder Franken mehr im Portemonnaie auch einen Franken mehr Kaufkraft. Das freut Daniel Lampart vom Gewerkschaftsbund: «Das Ergebnis ist nicht schlecht, die Teuerung war negativ, es gibt Reallohnerhöhungen. Das ist grundsätzlich positiv.»

Der Detailhändler Lidl mit plus 2,5 Prozent oder der Pharmakonzern Roche mit Plus 1,7 Prozent liegen am oberen Ende des Spektrums. Zu Nullrunden kommt es etwa bei der Fluggesellschaft Swiss, aber auch in verschiedenen kantonalen Verwaltungen. Und auch im Gastgewerbe gibt es keine höheren Löhne, weil dort erst vor einem Jahr ein grosser Lohnschritt erfolgte, mit dem 13. Monatslohn für alle.

Individuelle Löhne bei Coop, Post und SBB

Nicht zufrieden sind die Gewerkschaften mit den Abschlüssen in der Baubranche, wo trotz Bauboom weniger als ein Prozent herausschaut. Und ein Zweites stört den Gewerkschafter Lampart: Auch beim Detailhändler Coop gibt es neuerdings keine generelle Lohnerhöhung mehr, sondern jeder Lohn wird individuell festgesetzt.

Auch die SBB setzt – wie schon im laufenden Jahr – auf individuelle Erhöhungen anstelle einer generellen Lohnerhöhung. Dafür stellt die Bahn 0,9 Prozent der Lohnsumme zur Verfügung. Und schliesslich bleibt auch bei der Post, einem der grössten Schweizer Arbeitgeber, eine generelle Lohnerhöhung aus. Für die individuelle Leistungshonorierung setzt sie 0,8 Prozent der Lohnsumme ein.

Lampart warnt davor, dass sich dieses Modell durchsetzen könnte: «Mehrheitlich werden die Lohnerhöhungen generell gewährt. Viele Arbeitgeber wissen, sie haben ein Team und, sie müssen allen etwas geben – nicht einzelnen irgendwelche Lohnerhöhungen gewähren und anderen nicht. Das führt nur zu schlechter Stimmung und trägt der Tatsache nicht Rechnung, dass im Team gearbeitet wird.»

Arbeitgeber: Anreiz für Fleissige

Arbeitgeber-Direktor Müller hingegen sieht individuelle Lohnerhöhungen als Anreiz für die fleissigen Angestellten: «Diejenigen, die sich engagieren, die sollen etwas mehr profitieren. Das ist vor dem Hintergrund einer Nullteuerung weniger ein Problem, da generelle Lohnerhöhungen insbesondere die Teuerung im Fokus haben.»