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Wirtschaft Hamburger-Krise: Schweizer Kühe zu mager

Die Schweiz importiert doppelt so viel Kuhfleisch wie noch vor einem Jahr. Das liegt nicht zuletzt an den Genen der für die Milchproduktion gezüchteten Kühe hierzulande. Swiss Beef wünscht sich deshalb ein Umdenken: Hin zu mehr Fleisch am Knochen.

Die Schweiz produziert zu wenig Rindfleisch. Ein Fünftel des Fleisches zur Produktion von Hackfleisch und Hamburgern musste in diesem Jahr importiert werden. Doppelt so viel wie noch vor einem Jahr, wie die «NZZ am Sonntag» schrieb.

«Die Agrarpolitik und der Milchmarkt haben in den letzten Jahren zu einem steten Rückgang der Anzahl Kühe in der Schweiz geführt», begründet Kurt Herzog, Vizepräsident der Rindfleischproduzenten-Vereinigung Swiss Beef, gegenüber SRF.

Konkret heisst dies: Die Zahl der Verarbeitungstiere, welche für die Herstellung von Hackfleisch und Wurst gebraucht werden, ist gesunken.

Genetik der Milchkühe ist das Problem

Dazu kommt, dass die Kühe hierzulande mehr und mehr auf die Milchproduktion getrimmt worden sind. Ihre spezialisierte Genetik verringert die Fleischmenge. Sie hätten sprichwörtlich zu wenig Fleisch am Knochen, betont Herzog. Dies geben sie auch ihrem Nachwuchs weiter: «Stierkälber kommen wertlos zur Welt», so Herzog.

Die Folgen: «Metzger spekulieren lieber auf Importkühe. Bei denen wissen sie, dass diese sehr vollfleischig sind und daher eine bessere Wertschöpfung geben.» Für Herzog ist klar: «Die typisch genetischen Milchkühe sind zu einem Problem geworden.» Der Fleischanteil müsse wieder steigen.

Politik mitverantwortlich

Den schwarzen Peter schiebt Herzog aber auch der Politik zu. «Diese ist verantwortlich für diese Situation.» Mit der Kürzung der Raufutterbeiträge verdienten die Bauern weniger. «Dies führt unweigerlich zu einem Rückgang des Schlachtviehs», sagt Herzog.

Er sieht die gesamte Branche gefährdet. «Wenn wir sehr viele Kuhhälften importieren müssen, ist das keine produzierende Landwirtschaft mehr.»

14 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Stopp! Die Schweiz produziert nicht zu wenig Rindfleisch. Das produzierte Rindfleisch reicht nicht mehr für die stetig wachsende Einwohnerzahl. Richtig begründen, Ihr Medien und Verantwortliche! Und - Verstehe ich richtig? Bekommen die Kühe etwa nicht genug Nahrung? Der Tierschutz ist noch mehr gefordert!!
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    1. Antwort von Alois Wutz, 6370 Stans
      Im Gegensatz zu den Politikern füttern die Bauern ihre Kühe, da diese ja sonst keine Milch geben würden. Ihre Sorge ist also völlig unbegründet.
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  • Kommentar von kari huber, surin
    Mit den ewigen Eingriffen in den Markt macht die Subventionspolitik die Schweizer Bauern unflexibel und verdammt sie auf Dauer zum Untergang. Für die Versorgung des Schweizer Marktes mit Inlandprodukten spricht nur der Erhalt des Bauernstandes. Weil die Lebenshaltungskosten bei uns. Sie sollten alle einen Grundbetrag für Landschaftspflege erhalten. Darüber hinaus muss der Markt spielen!
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Und wie viel vom gestiegenen Import geht auf das Konto der gestiegenen Bevölkerungszahl? Hier liegt der Hund begraben. Aber bloss nicht von den Nachteilen der PFZ verzählen!
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    1. Antwort von Lucas Kunz, Augsburg
      Jetzt wieder mal runter auf den Boden! Bei 8'' Einwohner machen 0,5 bis 1% Zunahme den Braten nicht fett. Einzig das Konsumverhalten hat sich geändert. In der CH wird auf Hochtouren Milch produziert - also fällt damit auch "minderwertiges" Fleisch in Massen an. An der Theke wird aber anderes Fleisch gewünscht - eine Tendenz, die Sie auch in DE vorfinden, aber in der CH extrem ist: Man könnte meinen, die Tiere bestünden nur noch aus Schmankerl, wie Filet & Co, Hühner nur aus Brüsten u. Schenkel
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    2. Antwort von Alois Wutz, Augsburg
      @L.Kunz: Herr Fauser hat mit seiner Feststellung absolut recht. Dazu kommt, dass die Zahl der Milchwirtschaftsbetriebe laufend abnimmt und das Land immer mehr zubetoniert, also der Produktion entzogen wird. Ergo steigen die Importe. Dort und nirgends anders liegt das Problem. An der Fastfood-Theke wird seit Jahrzehnten der gleiche Hamburger (Hackfleisch sind keine "Schmankerl") gewünscht, darum geht es in dem Artikel. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil...
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    3. Antwort von Lucas Kunz, Augsburg
      Herr Wutz, die Anzahl der Milchbetriebe nimmt ab, und gleichzeitig nimmt die Milchmenge zu. Die CH exportiert gar nach China, füllt einen Milchsee und häuft einen Butterberg an, der dann auf Staatskosten subventioniert an's Ausland verscherbelt wird. Wenn also 20% zu wenig an Hackfleisch vorhanden ist, die Einwanderung aber nicht mehr als 1% oder so ist, dann muss offensichtlich sich das Konsumverhalten geändert haben. Was im Artikel nicht steht: wie viel wird als Fertigprodukt wider exportiert?
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    4. Antwort von Alois Wutz, Augsburg
      Aha, offensichtlich haben Sie den Artikel nochmals gelesen. Genau, Bevölkerungswachstum alleine kann nicht der Grund sein, falls man genaue Zahlen genommen hat. Die Hamburger-Generation ist erwachsen geworden und füttert ihren Nachwuchs, da keine Zeit mehr zum selber kochen, mit Fast-Food. Oder könnte es einen Zusammenhang geben mit der gesunkenen Kaufkraft der meisten Leute? Denke nicht, dass der Export eine Rolle spielt, da die hier verarbeiteten Produkte zu teuer wären.
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    5. Antwort von Ch. Walther, Augsburg
      @Lucas Kunz, betreffend des Butterberges und der Milchmenge erzählen sie Schwachsinn. Es ist Tatsache, dass seit einem Jahr rund 12'000 Milchkühe weniger in der Schweiz existieren, dafür aber fast 8000 Stück mehr Mutterkühe angemeldet sind. Die Milchmenge nimmt also laufend ab. Wenn man sogar richtig nachforscht ist seit einem Jahr "zu wenig" Milch auf dem Markt.
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