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Wirtschaft Immobilienmarkt in den USA: Steigende Preise, neue Käufer

2007 platzte die Immobilienblase in den USA. Der Knall erschütterte zuerst die Vereinigten Staaten, dann die Welt. Inzwischen ziehen die Häuserpreise in manchen Regionen der USA wieder an. Spurensuche im Osten San Franciscos, wo es für manche Häuser 15 Kaufwillige gibt. Und eine neue Käuferschaft.

Ein Eichhörnchen huscht über das Dach. Vor lauter Bäumen ist das einstöckige Haus fast nicht sichtbar. Es riecht nach Nadelholz.

Ein weisser BMW fährt vor. Maklerin Anne Culbertson steigt aus. Sorgfältig gelockte blonde Haare, Bluse, Jackett. Sie zeigt auf das Einfamilienhaus. Vor zwei Tagen wurde es verkauft, zum dritten Mal in drei Jahren. Seit dem letzten Verkauf vor zehn Monaten ist der Preis um mehr aus dreissig Prozent gestiegen.

Das sei beispielhaft, für das was jetzt auf dem Markt geschehe, erklärt die Maklerin. In den vergangenen zwei Monaten hätten die Preise wirklich stark angezogen in der ganzen Region im Osten von San Francisco. Für jedes Haus gebe es mittlerweile 15 Kaufwillige. Die Konkurrenz sei riesig.

Den Kaufpreis in bar, sofort

Und Culbertson weiss noch mehr zu berichten: Mehr denn je würden Käufer das Geld sofort parat halten. Das erhöhe ihre Chancen, den Zuschlag zu erhalten. Sie liquidierten einfach einen Anlagefonds. Immobilien erachteten sie offenbar als bessere Investition. 

Haus zum Verkauf in den San Francisco (Archivbild)
Legende: Haus zum Verkauf in San Francisco (Archivbild): In den USA ziehen die Häuserpreise wieder an. Reuters

Skeptische Experten

Wenige Autominuten von Oakland entfernt ist die Universität Berkeley. Cynthia Kroll lehrt dort. Sie ist spezialisiert auf den Häusermarkt. In ihrem Büro stapeln sich Bücher und Blätter auf jeder freien Fläche.

Die Erholung in Oakland sei auch in anderen Regionen der USA zu beobachten, sagt sie. Mehr Menschen wollten wieder ein Haus kaufen, weil sich die Wirtschaft erhole. Die Preise seien aber noch deutlich tiefer als vor der Krise, eine Blase sehe sie noch nicht entstehen.

Neue Käufertypen

Etwas macht die Forscherin stutzig: Auf dem Markt tummelten sich neue Akteure. Investoren kauften nun Häuser – nicht, um darin zu wohnen, sondern um Geld damit zu verdienen. Dies in einem Ausmass, wie es das noch nie gegeben habe, sagt Cynthia Kroll. Es sei schwierig abzuschätzen, was für einen Horizont sie hätten. Das mache den Markt unberechenbar. Kroll und andere Experten gehen davon aus, das die Preise deshalb volatiler werden.

Davon geht auch Maklerin Anne Culbertson aus. Früher habe ein Käufer stets zwanzig Prozent Anzahlung geleistet. Heute sei alles möglich: Nur drei Prozent, alles in bar, Tauschgeschäfte – der Markt sei wild. Für Culbertson heisst das: viel Arbeit. Sie steigt ins Auto und eilt zur nächsten Verabredung. 

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Welti Pieselsack, Schweiz
    Auf der Finanzseite von Barrons habe ich gelesen, das es wieder inn ist für vermögende, Konten aufzulösen und damit Häuser bar zu kaufen. Dann, ein exklusivdienst der Banken dort, diese Häuser fast zum nulltarif zu belehnen um dann wieder in gewinnbringende Fonds zu investieren. Es wird man lese, das Schweizer Model der Vermögensverwaltung angeboten, in den USA... Für Glückliche, 30% Immozuwachs, Plus 15 an der Börse, da klimpert der Dollar...
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Dabei werden keine Werte geschaffen, nur durch ein Schneeballsystem-ähnliches Vorgehen die Preise in die Höhe geschraubt. Entsprechend wird einmal die Wertberichtigung ausfallen. Der volkswirtschaftliche Schaden solcher Fehlallokationen ist immens.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Wie die Spekulation mit Lebensmittel, verteuert der Kauf von Immobilien zum Geldverdienen statt zum selben nutzen, die Lebenshaltungskosten der anderen. Werte werden damit nicht geschaffen. Schade um das eingesetzte Geld, welches ja irgendwann verdient und gespart bzw. angelegt worden ist, wenn damit keine Werte geschaffen werden sondern nur die Lebenshaltungskosten anderer verteuert wird. Volkswirtschaftlich ist das Unsinn.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Es liegt doch am gesamten irren Finanzsystem, ohne körperlichen und geistigen Aufwand Vermögen auf Kosten anderer ins Unermessliche scheffeln zu können. Superreiche reissen ausser Kontrolle die Macht an sich, nehmen Einfluss in allen Lebensbereichen. Ein AIA bringt da nichts, weil sich niemals alle daran halten werden. Um solche skrupellosen, milliardenschweren Bonzen zum Schrumpfen zu bringen, dafür bräuchte es vor allem einen Systemwechsel, welcher diese Sauereien verunmöglicht.
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    2. Antwort von Hans Knecht, Kontinentaleuropa
      Beppie Hermann, und was für ein System schlagen sie vor? Viele Menschen und Gesellschaften die Geld und Macht besitzen werden kaum diese freiwillig aufgeben...
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    3. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      H.Knecht, Besteuerung nach oben,Verzinsung nach unten bis null von leistungslosen Einkommen+Vermögen,die nicht nachweislich gesellschaftlich eingesetzt werden.Diese u.wohl noch x andere Massnahmen sollten nur jenen Superreichen der Welt gelten,die fast das gesamte Weltvermögen besitzen,ihnen ist der Zapfhahn zuzudrehen.Ich denke auch an scharfsinnig hochintelligente,schmierfeste Agenten,die in aller Welt Vermögen und Deckmäntel solch skrupelloser Bonzen aufspüren.
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Eigenartige Vorgänge, Hauskäufe in bar abzuwickeln, da müsste man hellhörig werden! (smile)
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Hellhörig wird man nur, was andere betrifft! Es sei denn, man lebe in der CH, da will man es gehorsam allen recht machen, ausser natürlich der einheimischen Bevölkerung.
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    2. Antwort von Christof Eugster, Bern
      @Bernoulli. Leider ist es noch viel perverser. Die Aktionäre setzen Geld ein, das erstens nicht Real ist, sondern Schulden (die Leistung muss noch erbracht werden). Zweitens sind die Schuldner, unter anderm diejenigen, denen das Haus früher gehört hat. Drittens verdienen nun die Urheber der Finanzkrise ein zweites Mal. Man nennt das Geldumverteilung. Klappt doch super...
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    3. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Ueber diesen Barverkäufe lässt sich zB. Geld waschen. Einfacher gehts kaum. Mir scheint, da sind "Absetzbewegungen" aus den sog. Steueroasen im Gange. Da bei diesen Geschäften funktioniert FACTA nicht, da bei solchen Geschäften kommt auch kein automatischer Informationsaustausch zum Tragen. - Wen wundert das noch ? (smile)
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