Internationale Schulen in der Krise

Von 17 auf 13 in einem Jahr ist die Anzahl internationaler Schulen in der Deutschschweiz gesunken. Das hat vor allem zwei Gründe: Expats erhalten bei Umsiedlungen weniger Extras und schicken darum ihre Kinder vermehrt in öffentliche Schulen. Ausserdem scheint der Markt gesättigt zu sein.

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Internationale Schulen kämpfen ums Überleben

3:17 min, aus 10vor10 vom 14.8.2015

Das Schoggileben für Expats scheint vorbei zu sein. «Internationale Firmen kürzen ihre Leistungen für ihre Mitarbeiter bei Umsiedlungen vermehrt», sagt Nadine Pletscher der Ansiedlungs-Firma Team Relocations. Das betreffe etwa die Schulgelder für Internationale Schulen. «Diese werden nicht mehr oder nur noch teilweise bezahlt», stellt Pletscher fest.

Doch nicht nur: «Die Mitarbeiter planen, langfristig hierzubleiben und ihre Kinder auf Schweizer Schulen zu schicken», so Pletscher. Deshalb würden die Mitarbeiter vermehrt unter lokale bzw. Schweizer Arbeitsverträge genommen.

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Ansiedlungs-Beraterin: «Leistungen für Expats werden gekürzt»

1:08 min, vom 14.8.2015

Weniger Nachfrage – aber auch mehr Anbieter

Dieser Trend bestehe seit drei bis fünf Jahren und werde wohl noch anhalten, glaubt Pletscher. Die Zurich International School musste daraus bereits Konsequenzen ziehen: Sie schloss ihren Standort Baden – obwohl sie dort erst 2012 in ein neues, fünfstöckiges Gebäude gezogen ist.

«Wir brauchen eine Mindestanzahl von Schülern, damit wir wirtschaftlich rentabel sein können und ein attraktives Programm anbieten können», sagt Michaela Seeger, Geschäftsleitungs-Mitglied der Zurich International School.

Die Nachfrage sei gesunken, weil weniger internationale Familien an den Standort Baden gekommen seien. «So haben wir die kritische Zahl nicht mehr erreicht», sagt Seeger.

Den tieferliegenden Grund sieht sie in den globalen wirtschaftlichen Entwicklungen, die auch ihre Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Schweiz gehabt hätten. «Gleichzeitig ist der Markt der internationalen Schulen in letzter Zeit sehr stark gewachsen», so Seeger.

Schulen in der Deutschschweiz: Von 17 auf 13 in einem Jahr

Es findet eine Konsoliderung statt. Vor einem Jahr gab es in der Deutschschweiz 17 Tagesschulen, die nach dem Lehrplan für die internationale Maturität unterrichteten. Ein Konkurs in Winterthur und drei Schliessungen reduzierte die Anzahl auf derzeit 13 Schulen.

Die internationale Schule in St.Gallen konnte die Schliessung diesen Sommer gerade noch abwenden. Auch jene in Solothurn stand vor fünf Monaten kurz vor dem Aus. Ihr fehlten die Schüler und somit das Geld. Doch die Schule hatte Glück – der Industrieverband Solothurn und Umgebung griff ihr unter die Arme.

Internationale Schulen sind Standortförderer

«Viele Leute realisieren nicht, dass Solothurn eigentlich ein Industriestandort ist und die internationale Schule für die Wirtschaftsförderung wichtig ist», sagt Angela Wiprächtiger, Geschäftsführerin der Schule. In Solothurn würden sich viele internationalen Firmen ansiedeln. Die US-Pharmafirma Biogen sei das jüngste Beispiel dafür.

Der Industrieverband hat gemäss Wiprächtiger eine halbe Million in die Schule fliessen lassen. Auch mit Fachleuten würden sie unterstützt: «Der neue Verwaltungsrat besteht aus sechs Personen, die aus der Wirtschaft kommen.»

Diese Fachleute würden die Schule im Marketing, Controlling, den Finanzen, der Strategie und beim Personal unterstützen. «Die Schule ist nun wie eine Firma aufgegleist. Drei Jahre geben wir uns Zeit», sagt Wiprächtiger. Bis dahin soll sich die Schule selbst finanzieren können.