Investment-Banker wegen Milliardenbetrugs verurteilt

Er war ein Jungstar unter den US-Finanzjongleuren und erfand 2007 ein Investmentpapier, das Anlegern fette Gewinne versprach. Doch der Traum seiner Kunden zerplatzte, weil ihnen der Banker ein dubioses Produkt angedreht hatte. So jedenfalls sieht es ein US-Gericht.

US-Flagge neben Schriftzug Goldman Sachs

Bildlegende: Schatten nicht nur über Goldman Sachs. Auch ein Ex-Banker des Finanzhauses wurde wegen Betrugs schuldig gesprochen. Reuters

Eine Geschworenen-Jury in New York sprach den 34-jährigen Franzosen in sechs von sieben Anklagepunkten des Betrugs schuldig. Über das Strafmass muss noch entschieden werden. Der ehemalige Goldman-Sachs-Händler hatte auf unschuldig plädiert, nun droht ihm neben einer drastischen Geldstrafe auch ein Berufsverbot.

Wichtiger Sieg für Börsenaufsicht

Für die US-Regierung und die Börsenaufsicht SEC ist das Urteil ein wichtiger Sieg, gilt der Fall doch als Symbol für die Exzesse der Wall Street vor der Finanzkrise. Der Finanzexperte war ein Jungstar der Branche, sein Spitzname lautete «Fabulous Fab» (fabelhafter Fab).

Der damals 28-Jährige schuf Anfang 2007 das Investmentpapier «Abacus 2007-AC1», das auf einem Bündel fauler US-Immobilienkredite basierte. Sogenannte forderungsbesicherte Wertpapiere (CDOs) wie das Abacus-Produkt werden für den Beginn der Finanzkrise verantwortlich gemacht. Als in den USA überschuldete Hausbesitzer reihenweise ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, verloren die weltweit gehandelten CDOs massiv an Wert.

Über eine Milliarde Dollar verloren

Der Vorwurf an den Ex-Banker und seinen früheren Arbeitgeber Goldman Sachs lautet, das zweifelhafte Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann. Dabei sollen sie den Anlegern verschwiegen haben, dass der Investmentfonds des Milliardärs John Paulson an der Schaffung des Produktes beteiligt gewesen sei und gleichzeitig auf den Wertverfall der Papiere gewettet habe. Durch «Abacus 2007-AC1» gingen Anlegern laut SEC mehr als eine Milliarde Dollar verloren.

Goldman Sachs einigte sich im Juli 2010 mit der US-Börsenaufsicht auf eine Strafzahlung in Höhe von 550 Millionen Dollar. Die Zivilklage gegen den Ex-Angestellten, der eine Verantwortung zurückweist, lief weiter.

Beispiel für Verantwortungslosigkeit

Als der Fall im April 2010 öffentlich wurde, prangerten US-Medien den Verurteilten als Beispiel für Verantwortungslosigkeit und Arroganz der Finanzbranche an.

Medien veröffentlichten private E-Mails, in denen der Franzose schrieb, dass er mit seinen Produkten kleine «Frankensteins» und «Monster» erschaffe. Ausserdem machte er sich über «die armen, kleinen Schuldner» hinter den faulen Immobilienkrediten lustig.