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Kohlenkraftwerke in Polen Darum lobt Greenpeace Schweizer Versicherungen

Legende: Audio Ohne Versicherungen wäre der Kohleausbau in Polen nicht möglich abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
02:27 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.02.2018.
  • Polen setzt weiterhin auf Kohle und plant mehrere neue Kohlekraftwerke.
  • Dieser klimaschädliche Ausbau ist nur dank grossen europäischen Versicherungen möglich.
  • Es ginge auch anders: Die grössten Schweizer Versicherer haben sich aus dem Kohlegeschäft zurückgezogen – was ihnen Lob von Greenpeace einbringt.

Polen investiert derzeit Milliarden in Kohlekraftwerke. Manche Werke müssen erneuert, andere ganz ersetzt werden. Möglich ist das nur, weil grosse europäische Versicherungen diese Kraftwerke versichern. Dies provoziert Kritik von verschiedenen Nichtregierungsorganisationen.

«Die Versicherungen machen sich so indirekt mitverantwortlich für den Klimawandel», sagt Katja Nikitenko. Sie ist Finanzspezialistin bei Greenpeace Schweiz und hat einen Bericht zum Thema mitverfasst. Namentlich nennt das Papier Versicherungen wie die deutschen Allianz und Munich Re sowie die italienische Generali.

Rauchende Schlote.
Legende: Das Kohlekraftwerk Belchatow in Polen ist das grösste seiner Art in Europa. Reuters

Mehr als zwei Grad ist nicht mehr zu versichern

Bessere Noten erhalten die Schweizer Versicherer Zurich und Swiss Re. Sie gaben kürzlich bekannt, dass sie sich aus dem Kohlegeschäft zurückziehen wollen. Sie argumentieren damit, dass eine Welt, die mehr als zwei Grad wärmer wird, gar nicht mehr versicherbar sein werde.

Auch die deutsche Allianz, die in der Schweiz zu den vier grössten Versicherern gehört, sieht sich als klimafreundlich. Zu ihrem Engagement in der polnischen Kohleindustrie schreibt sie auf Anfrage von Radio SRF: «Mit einem Rückzug als Versicherer von Infrastrukturdienstleistern ist aus unserer Sicht weder der Gesellschaft, noch dem jeweiligen Unternehmen geholfen.» Sprich: wenn wir uns zurückziehen, machen es andere.

Versicherungen haben grossen Einfluss

Dieses Argument lässt Greenpeace-Finanzspezialistin Nikitenko nicht gelten: Tatsächlich könnten wohl andere, kleinere Versicherungen kurzfristig einspringen. Doch je mehr grosse Versicherungen sich von der Kohle abwenden, desto schwieriger und teurer werde es für die Kohleindustrie sich zu versichern.

Klimaschützer wie Greenpeace setzen bewusst bei den grossen Versicherungen an. Diese haben beträchtlichen Einfluss auf die Ausrichtung ganzer Wirtschaftsteile. Ausserdem sind Versicherungen langfristig ausgerichtet. Das macht sie grundsätzlich sensibler für Umweltveränderungen wie den Klimawandel.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Hr. N. Schmid: Unsere Kernkraftwerke deckten als Gegenleistung während 40 Jahren 30-35% unseres Strombedarfs mit einer durchschnittl. Jahresporduktion von 22 Mia. kWh. Dies ohne kritische Zwischenfälle. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der CH nur mit Solar- Wind- und Wasserenergie eine autarke und sichere Stromversorgung möglich wird. Dazu müssten wir auch zügig due Geothermie und die Wasserstoff Energiewirtschaft vorantreiben.
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Beznau I steht nun schon seit 2015 ungeplant still und das ganz ohne Erdbeben. Das 'moderne' AKW Leibstadt ist in den letzten Jahren mehrmals ungeplant über mehrere Monate ausgefallen. Abgesehen davon, dass die Schweizer Wasserkraftwerke über genügend Speicher- und Leistungsreserven verfügen und Uran zu 100% importiert werden muss: Die Wind- und Solarkraftwerke in Deutschland haben ausnahmslos jeden Tag Strom produziert und jeden Monat mindestens 80% ihrer Durchschnittsproduktion geliefert.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Schaltegger: Eine autarke Stromversorgung ist gar kein sinnvolles Ziel.
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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Auch ich bin für die Energiewende durch erneuerbare Energieträger. Weg von fossilen Brenn- u. Treib-Stoffen UND von AKW für die Stromproduktion. Weil sie endlich ist! Nur: Jede Industrienation braucht in zunehmenden Mass Strom zur Steigerung des Wohlstands durch Produktion und Konsum. Die Energiewende kann u. wird NUR gelingen, wenn genügend Strom über einen Zeitraum v. ca. 6 Wochen gespeichert werden kann. Das ist z.Z. nur mit "Wasserstoff-Power to Gas-Gas to Power" über Gasnetze rentabel.
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Es hat bereits genügend Speicherkapazität. Die Europäischen Speicherseen haben bereits heute 220 TWh an Speicherkapazität (entspricht der Batteriekapazität von 10 Milliarden Renault Zoe). Damit kann jede Windflaute und Nebelperiode problemlos überbrückt werden. Es muss nur das Europäische Netz verstärkt und zu einem späteren Zeitpunkt die Turbinenleistung ausgebaut werden. "Quelle: Macro-economic study on Hydropower. A European Hydropower Initiative by Hydropower Companies and Associations."
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    2. Antwort von H. Wach (H. Wach)
      @N.S. Bitte machen Sie sich kundig. Speicherseen u. Pumpspeicherkraftwerke sind zur kurz- u. mittelfristigen Stromspeicherung um Angebots- u. Nachfrageschwankungen (Tag-Nacht-Mittag) zu glätten. Sie sorgen auch der Stromversorgungssicherheit. Im Fall Polen geht es um die sichere Grundversorgung von Strom für Industrie, Wirtschaft, Haushalte. Was ich meine, ist, dass es v.a. die EU schaffen muss, Langzeit- Wasserstoff-Speicherkapazitäten über ein bestehendes weites europ. Gasnetz zu schaffen.
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    3. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hr. Wach, für Ihre Behauptung müssten Sie zeigen können dass der Umweg über die Gasspeicherung wirtschaftlicher ist als Speicherseen. Das dürfte Ihnen noch eine Weile Kopfzerbrechen bereiten.
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    4. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Herr Wach - es braucht keine zusätzlichen Speicher, sondern nur einen Netzausbau. 1. Liegt der Tagesbedarf in Europa bei über 500 GW und der muss zuerst gedeckt werden, bevor gespeichert werden kann. 2. Um den Verbrauch an fossilen Energien zu reduzieren, muss der gesamte Brauchwasser und Heizbereich elektrifiziert werden und Warmwassertanks können überschüssige Stromspitzen aus Wind und Solar problemlos aufnehmen. Das Gleiche gilt für parkierte Elektrofahrzeuge.
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Ist doch der allgemeine Trend, die umweltfreundlichen AKWs durch Kohlekraftwerke zu ersetzen, sonst wird zu wenig CO2 produziert ;-)
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Das neue AKW in England erhält insgesamt eine Subvention von 145 Milliarden Pfund und hat eine Bauzeit von mindestens 10 Jahren. Mit diesem Betrag kann man über 10 mal so viel Windkraft finanzieren. Das heisst: Wesentlich mehr Brennstoffverbrauchsreduktion in viel kürzerer Zeit, mehr Versorgungssicherheit, keine teure Energieträgerimportabhängigkeit (Europäische Uranminen sind versiegt), keine horrenden Rückbau- und keine Endlagerkosten, kein Kühlwasserbedarf und keine unbezahlbaren Restrisiken.
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